Schulöffnung : Wie Schulen die Hygienevorgaben einhalten

In dieser Woche stehen die Schulen vor der schwierigen Aufgabe, die umfangreichen Vorgaben zum Corona-Infektionsschutz vor Ort umzusetzen. Das Schulportal hat die wichtigsten Aufgaben zusammengefasst und Schulen befragt, wie sie damit umgehen. Wie der Hygieneplan einer Schule im Detail aussehen kann, zeigt das Beispiel des Gymnasiums Hoheluft in Hamburg. Im Infokasten steht der Plan als Download zur Verfügung.

Florentine Anders / 27. April 2020 / 2 Kommentare
Schüler sitzen mit Abstand und Mundschutz im Klassenraum
Im Schulbetrieb gilt, wie in allen anderen Bereichen auch, ein Abstandsgebot von 1,50 Metern.
©Foto: Sven Hoppe/dpa

Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler sollen schrittweise in die Schulen zurückkehren, allerdings mit besonderen Auflagen zum Corona-Infektionsschutz. Die Landesregierungen haben dazu detaillierte Regelungen beschlossen, deren Umsetzung die Schulen vor enorme Herausforderungen stellt. Das Schulportal hat sich beispielhaft die Hygienehinweise in Baden-Württemberg genauer angesehen und die wichtigsten Maßnahmen hier zusammengefasst.

Abstandsgebot: Im Schulbetrieb gilt, wie in allen anderen Bereichen auch, ein Abstandsgebot von 1,50 Metern. Das bedeutet, dass die Tische entsprechend weit auseinandergestellt werden müssen und damit deutlich weniger Schülerinnen und Schüler in einem Raum sitzen können als im Normalbetrieb. Die maximale Gruppengröße richtet sich nach der Raumgröße. Partner- und Gruppenarbeit sind nicht erlaubt. Wenn eine größere Nähe unvermeidbar ist, muss ein Mundschutz getragen werden. Sportunterricht kann derzeit nicht stattfinden.

Lüften: Damit die Raumluft mehrmals täglich ausgetauscht wird, müssen die Klassenräume mindestens in jeder Pause mit vollständig geöffneten Fenstern und Türen gelüftet werden. Sollte das Öffnen der Fenster aus baulichen Gründen nicht möglich sein, darf der Raum nicht genutzt werden. Die Fenster sollen nur unter Aufsicht der Lehrkraft geöffnet werden.

Reinigung: Die normalen Reinigungsvorgaben gelten weiter, werden aber durch besondere Maßnahmen ergänzt. So müssen beispielsweise Türklinken, Handläufe, Lichtschalter und ähnliche Handkontaktflächen in frequentierten Bereichen mindestens täglich oder gegebenenfalls auch mehrmals täglich gereinigt werden. Das betrifft gleichfalls Tische, Telefone oder Computertastaturen.

Toilettenräume: In den Sanitärbereichen der Schulen muss es ausreichend Flüssigseifenspender und Einmalhandtücher geben. Toilettensitze, Armaturen und Fußböden müssen täglich gereinigt werden. In den Pausen soll eine Lehrkraft den Eingang kontrollieren, damit nur einzelne Schülerinnen und Schüler den Sanitärbereich nutzen.

Pausen: Auch in den Pausenräumen und Mensen soll der Abstand von 1.50 Metern sichergestellt werden. Beim Mittagessen dürfen keine Warteschlangen entstehen. Tische müssen nach jedem Durchgang gereinigt werden. Damit die Pausenaufsichten die Vorgaben durchsetzen können, sollten die Pausen versetzt stattfinden, sodass sich nur wenige Schülerinnen und Schüler in den Gängen, Toiletten oder Pausenräumen aufhalten.

Schulweg: Sofern das machbar ist, soll der Unterrichtsbeginn entzerrt werden, um Stoßzeiten zu vermeiden. Auch am Eingang sollten die Schülerinnen und Schüler einzeln die Schule betreten. Gibt es in der Nähe der Schule Warteplätze für den Schulbus oder den öffentlichen Nahverkehr, muss auch hier eine Aufsicht nach Schulschluss dafür sorgen, dass das Abstandsgebot eingehalten wird. Im Nahverkehr oder Schulbus müssen die Schülerinnen und Schüler einen Mundschutz tragen.

Risikogruppen: Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler, die Vorerkrankungen haben oder mit Risikopersonen in einem Haushalt leben, sollen zu Hause bleiben. Das Gleiche gilt für schwangere Lehrerinnen oder Schülerinnen. Von der Präsenzpflicht befreit sind zudem alle Lehrerinnen und Lehrer, die älter sind als 60 Jahre, sie können aber freiwillig in die Schule kommen.

Ein Farbleitsystem am Gymnasium Hoheluft

Wie viele Details bei der Planung der Schulöffnung bedacht werden müssen, zeigt der genaue Corona-Hygieneplan des Gymnasiums Hoheluft in Hamburg. An dem Gymnasium in der Hansestadt beginnen am 4. Mai die sechsten, zehnten und elften Klassen mit dem Präsenzunterricht. Jede Lerngruppe wird einmal geteilt, eine dritte Gruppe bilden diejenigen Schülerinnen und Schüler, die nicht am Präsenzunterricht teilnehmen können, weil sie zu einer Risikogruppe gehören oder Kontakt mit dieser haben. Aus personellen Gründen wird es hier nicht möglich sein, alle Gruppen im Präsenzunterricht in den vorgegebenen Hauptfächern zu unterrichten. „Wir müssen flexible Lösungen finden und im Einzelfall bei der Beschulung vor Ort auf ein Ersatzfach ausweichen “, sagt die Schulleiterin Pia Brüntrup. Hauptfächer, die gut im Fernunterricht funktionieren, könnten so weiterhin im Homeschooling stattfinden.

Am Gymnasium Hoheluft wird der Schulbetrieb in zwei Schichten stattfinden: einer Vormittagsgruppe (gelb) und einer Nachmittagsgruppe (grün). „Wir haben ein Farbleitsystem entwickelt, damit für die Kinder der Vormittags- und Nachmittagsgruppe im gesamten Schulgebäude schnell erkennbar ist, welche Sitzplätze, Räume, Treppen oder Bereiche in der Mensa und auf dem Schulhof für sie vorgesehen sind“, sagt die Schulleiterin. Was die Umsetzung des Hygieneplans betrifft, werden die Eltern kontinuierlich auf dem Laufenden gehalten. Auch Dinge, die noch nicht geklärt sind, werden offen im jeweiligen Statusbericht abgebildet.

„Die Umsetzung der Hygieneverordnung wird damit zu einer Angelegenheit der ganzen Schulgemeinschaft. Und, wenn es irgendwo hakt, haben wir viele Köpfe und Hände, die Lösungen suchen und umsetzen“, so die Schulleiterin. Ein Beispiel dafür seien die Hygienestationen „Marke Eigenbau” zur Desinfektion der Hände.

Am Gymnasium Hoheluft in Hamburg gibt es einen detaillierten Corona-Hygieneplan. Die Schule hat die Vorgaben der Schulbehörde in verschiedene Aufgabenpakete unterteilt. In einem Ampelsystem wird erkennbar, was noch zu tun ist, was in Arbeit und was bereits erledigt ist. Für die Nutzer des Schulportals hat das Gymnasium seinen Hygieneplan hier zum Download zur Verfügung gestellt.

Einbahnstraßensystem an der Waldparkschule Heidelberg

Wie die Schulen die Vorgaben umsetzen, ist sehr unterschiedlich, je nach den Bedingungen vor Ort. Die Waldparkschule Heidelberg in Baden-Württemberg beispielsweise ist eine Gemeinschaftsschule von der ersten bis zur zehnten Klasse. Sie startet den Unterricht zunächst mit den neunten und zehnten Klassen, muss aber gleichzeitig eine Notbetreuung für die Grundschüler sicherstellen. Für Schulleiter Thilo Engelhardt bedeutet das, zunächst herauszufinden, wer im Unterricht eingesetzt werden kann und welche Lehrkräfte aufgrund eines besonderen Risikos zu Hause bleiben sollten.

Da die Gruppengröße in den Räumen kleiner wird, werden auch mehr Lehrkräfte benötigt. „Wir haben uns dafür entschieden, den Schulbetrieb zunächst verkürzt und in zwei Schichten aufzunehmen“, erklärt Engelhardt. Die Schülerinnen und Schüler haben drei Unterrichtsstunden hintereinander und gehen dann nach Hause. Die zweite Schicht beginnt versetzt mit ihren drei Stunden, sodass die Jugendlichen beim Eintreten und Verlassen des Gebäudes nicht aufeinandertreffen. Zudem hat die Schule ein „Einbahnstraßensystem“ eingeführt. Auch so soll eine Begegnung erschwert werden. Die große Pause und auch das Mittagessen fallen erst mal weg. Für den Toilettengang holen sich die Schülerinnen und Schüler einen Schlüssel, damit die Toiletten nur einzeln betreten werden.

Für den Schulleiter der Waldparkschule ist klar, dass die Umsetzung des Infektionsschutzes ein laufender Prozess ist, der immer wieder angepasst werden muss. „Wir bekommen ständig neue Informationen und entscheiden dann pragmatisch“, sagt er. Bei der Rückkehr der neunten und zehnten Klassen sei er zuversichtlich, dass alles reibungslos klappt. Schwieriger werde es, wenn weitere Jahrgangsstufen in die Schule zurückkehren.

Das Firstwald-Gymnasium muss das Fachraumprinzip aufgeben

Am Evangelischen Firstwald-Gymnasium in im baden-württembergischen Mössingen sehen die Gegebenheiten dagegen ganz anders aus. Ein Schichtbetrieb oder entzerrte Anfangszeiten seien hier nicht möglich, erklärt der Sicherheitsbeauftragte der Schule, Uwe Klinz. „Unsere Schülerinnen und Schüler kommen aus einem großen Einzugsgebiet mit öffentlichen Verkehrsmitteln“, sagt Klinz. Und diese seien so getaktet, dass die Schülerinnen und Schüler um 7.40 Uhr an der Schule ankommen.

Immerhin können sich die Jugendlichen auf sechs Eingänge verteilen. Das Firstwald-Gymnasium beginnt den Schulbetrieb erst mal für die elften und zwölften Klassen. Auch die Unterrichtszeiten ändern sich nicht. Auf dem Stundenplan stehen entsprechend der Vorgabe nur prüfungsrelevante Fächer. Allerdings werden die Schülerinnen und Schüler nicht mehr wie gewohnt nach jeder Doppelstunde den Fachraum wechseln. „Wir müssen unser Fachraumprinzip in ein Klassenraumprinzip wandeln“, sagt Klinz.

Die schuleigene Küche wird weiterhin ein Mittagessen anbieten, das Personal gibt das Essen hinter einer Plexiglasscheibe aus. In dieser Woche erhalten alle Schülerinnen und Schüler per E-Mail eine ausführliche Handreichung mit den wichtigsten Regeln. „Natürlich ist das immer nur ein Status quo, der sich ändern kann“, sagt Klinz.