Dieser Artikel erschien am 28.11.2018 in der taz
Autorin: Anna Klöpper

Gemeinschaftsschulen : Aus drei mach vier

In Berlin sollen Gemeinschaftsschulen zur fixen Schulform werden.

Strichmenschen auf einer Tafel
Gemeinschaftsschulen in Berlin?
©shutterstock

In Berlin sorgt eine geplante Änderung im Schulgesetz derzeit für eine erneute Debatte über die Gemeinschafts­schule. Der rot-rot-grüne Senat will das erfolg­reiche Pilot­projekt, wo leistungs­starke und -schwächere Kinder von der ersten bis mindestens zur 10. Klasse zusammen lernen, künftig als gleich­berechtigte Schul­form neben den Grund­schulen, Sekundar­schulen und Gymnasien im Berliner Schul­gesetz verankern. Die entsprechende Gesetzes­vorlage soll noch vor der Weihnachts­pause im Abgeordneten­haus beschlossen werden. Vergangene Woche hat bereits der Bildungs­aus­schuss der Gesetzes­änderung zugestimmt. Somit hat Bildungs­senatorin Sandra Scheeres (SPD) die Zukunft eines ihrer Leib-und-Magen-Projekte lang­fristig gesichert: Ein Schul­versuch kann schnell mal wieder beerdigt werden. Bei einer gesetzlich verankerten, gleich­berechtigten Schul­form ist das schon ungleich schwerer.

Das weiß auch die Berliner CDU. Die läuft deshalb auch Sturm gegen Scheeres’ Gesetzes­änderung, die Anfang 2019 in Kraft treten soll. Konkret fürchtet man bei der CDU um die Wahl­freiheit der Eltern: Wenn die zuständige Grund­schule im Ein­schulungs­bereich nun aus­gerechnet eine Gemeinschafts­schule ist, sei das ein „schwerer Eingriff“ des „angeblich so toleranten rot-rot-grünen Senats“, sagte CDU-Landes­chefin Monika Grütters. Die Eltern hätten „kein Wider­spruchs­recht und somit keine Möglichkeit, ihr Kind auf eine herkömmliche Grund­schule zu schicken“.

Tatsächlich kann man im Anmeldeprozedere durchaus versuchen, sein Kind an einer anderen als der zuständigen „Einzugs­grund­schule“ unter­zubringen – zum Beispiel indem man das Schulamt glaub­haft davon über­zeugt, dass man ein bestimmtes pädagogisches Konzept für das Kind wünscht. Aller­dings muss man in der Realität für solche Extra­wünsche auch durchaus bereit sein, sie mittels einer Schul­platz­klage vor Gericht durch­zuboxen: Schul­plätze sind an fast allen Grund­schulen knapp, normaler­weise sind die Schulen bereits mit den Kindern aus dem Ein­schulungs­bereich voll.

Die Berliner Grünen beschlossen derweil auf ihrem Landes­partei­tag am Wochenende ein klares Bekenntnis pro Gemein­schafts­schule, von denen es derzeit 24 im Pilot­projekt gibt. Ein Antrag der Grünen Jugend ging sogar so weit, das Gymnasium zugunsten einer Schul­form für alle komplett abzuschaffen – das war den meisten aber dann doch zu radikal. Geht es nach den Grünen, soll das Land in Zukunft den Bau von Gemein­schafts­schulen besonders fördern. Berlin investiert in den kommenden zehn Jahren rund 5,5 Milliarden Euro in neue Schul­infra­struktur.

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