Agile Schule : Schulentwicklung im Zeitalter der Digitalisierung

Wie schaffen es Schulen, mit den Veränderungen im Zeitalter der Digitalisierung Schritt zu halten? Diese Frage beantworten Matthias Förtsch und Friedemann Stöffler in ihrem Buch „Die agile Schule“ mit zehn Leitprinzipien und vielen praxisnahen Tipps.

Florentine Anders / 10. März 2020
Buchcover "Die agile Schule"
©AOL Verlag

Infolge der Digitalisierung wird der Zwang zur laufenden Veränderung von Schule so gewaltig, dass in Zukunft nur eine „agile“ Schule bestehen kann. Diese These liegt dem jüngst erschienenen Buch „Die agile Schule. 10 Leitprinzipien für Schulentwicklung im Zeitalter der Digitalisierung“ von Matthias Förtsch und Friedemann Stöffler zugrunde.

Doch was macht eine solche „agile Schule“ aus, und wie kommt man dorthin? Diese Frage beantworten die beiden Autoren auf 136 Seiten prägnant und sehr praxisnah. Dabei können sie sich auf die eigenen jahrelangen Erfahrungen der Schulentwicklung am Evangelischen Firstwald-Gymnasium in Baden-Württemberg stützen. Vor zehn Jahren hatte das Gymnasium den Sonderpreis des Deutschen Schulpreises für die Schulentwicklung bekommen. Die Jury zeigte sich besonders beeindruckt von der „produktiven Unruhe“ an der Schule. Seither sind an dem Gymnasium viele weitere Entwicklungsschritte hinzugekommen.

Um eines vorwegzunehmen: Auch die Autoren können nicht beantworten, wie die Schule der Zukunft aussehen wird, aber sie wissen, wie man Veränderungen gestaltet – und zwar schnell und effektiv. Voraussetzung dafür ist eine „agile Haltung“, was so viel bedeutet wie das Gegenteil von „Dienst nach Vorschrift“. Veränderungen geschehen dort, wo man über bestehende Regelungen und Vorschriften hinausgeht, schreiben Förtsch und Stöffler. Das erste der zehn Leitprinzipien lautet folgerichtig: „Nur aus Chaos kann ein neuer Kosmos entstehen.“ Schulentwicklung muss also bewusst Raum für Chaos lassen, statt, wie oft üblich, in festgelegten Gremien alles nach vorgefassten Plänen zu lenken.

Praktische Beispiele zeigen, wie eine Schule im Alltag zu solch einer Haltung kommt. Barcamps, an denen alle beteiligt sind, können beispielsweise ein geeignetes Mittel sein. Manchmal hilft auch schon die gemütliche Sitzecke im Lehrerzimmer, in der sich Lehrkräfte treffen, um gemeinsam über Ideen zu sprechen. Hospitationen an anderen Schulen bringen neue Inspiration und vieles mehr.

Und dann geht es darum, aus den Ideen konkrete Schritte abzuleiten, ohne dass sich jemand überfordert fühlt. „Weniger ist dabei manchmal mehr“, schreiben die Autoren. Natürlich kennen auch sie die K.o.-Argumente der „Bewahrer“, die Ohnmachtsgefühle gegenüber einer behäbigen Verwaltung. Doch für viele dieser Situationen zeigen sie einen Weg auf – einen, der sich an ihrer Schule bereits bewährt hat. Das schafft ein hohes Maß an Glaubwürdigkeit. Das Buch macht nicht nur Schulleitungen, sondern jedem an Schule Beteiligten Mut, in kleinen Schritten einfach mal mit der Veränderung anzufangen.

Auf einen Blick

Matthias Förtsch, Friedemann Stöffler: „Die agile Schule. 10 Leitprinzipien für Schulentwicklung im Zeitalter der Digitalisierung“, 136 Seiten, erschienen 2020 im AOL-Verlag, Hamburg.