Tipps aus der Praxis : Wie sehen Tage der offenen Tür in Zeiten von Corona aus?

Für Grundschulkinder der Übergangsklassen steht in den ersten Wochen des neuen Jahres eine der wichtigsten Entscheidungen der Schullaufbahn an: Es geht um den Wechsel von der Grundschule an die weiterführende Schule. Im Dezember und Januar laden deshalb normalerweise weiterführende Schulen zu Tagen der offenen Tür und zu Informationsabenden. Doch in diesem Corona-Schuljahr ist das nicht möglich. Wie schaffen es die Schulen, den Eltern und Kindern trotzdem einen authentischen Eindruck von ihrer Arbeit zu vermitteln und Fragen zu beantworten? Drei Schulleiter erzählen, welche alternativen Wege sie gefunden haben.

Regina Köhler / 17. Dezember 2020
Schülerinnen im Klassenraum mit Maske und Laptops
An der Friedensburg-Oberschule in Berlin produzieren die Schülerinnen und Schüler Videos, um ihre Schule vorzustellen.
©Patricia Haas

Björn Lengwenus, Schulleiter der Grund- und Stadtteilschule Alter Teichweg in Hamburg, rät seit Jahren Eltern, die ihre Kinder an einer weiterführenden Schule anmelden möchten, sich möglichst viele Schulen anzuschauen und am Ende die Einrichtung auszuwählen, an der sie sich wohlgefühlt haben und gute Gespräche führen konnten. In diesem Jahr ist das nicht möglich. Wegen Corona müssen Informationsabende ausfallen, ebenso der Tag der offenen Tür.

Für seine Late Night Show für die Schülerinnen und Schüler während des ersten Lockdowns wurde Lengwenus mit dem Digital Award der Goldenen Kamera ausgezeichnet. Und auch in dieser Situation jetzt hat er sich etwas einfallen lassen, um Eltern und Kinder digital zu informieren.

Informationsabend für Eltern als Videokonferenz

Der Informationsabend, der bisher jedes Jahr Anfang Dezember anberaumt war, fand am 7. Dezember digital statt. Eltern konnten sich auf der Schulhomepage anmelden, haben einen Link bekommen, damit sie sich zuschalten und über die Chatfunktion ihre Fragen stellen konnten. Dieses Angebot sei von mehr als 30 Familien angenommen worden, sagt Lengwenus. „Es wurde eine bunte Erstlingsveranstaltung, die technisch reibungslos verlief. Die Eltern haben schnell die erste Scheu überwunden, Fragen über die Chatfunktion zu stellen.“ Am Ende sei es eine rege Diskussion gewesen, bei der neben vielen Sachinformationen dann auch die gute Schulatmosphäre spürbar geworden sei.

Digitale Woche mit Vorträgen, Chaträumen und Talkshow

Die wichtigste Informationsveranstaltung, sagt Björn Lengwenus, sei bisher allerdings der Tag der offenen Tür Anfang Januar gewesen. Da auch dieser Termin entfallen müsse, wird es an seiner Schule vom 11. bis zum 15. Januar eine digitale „Woche der offenen Tür“ geben. „In diesem Rahmen wollen wir jeden Abend einen Schwerpunkt setzen“, sagt der Schulleiter. Vorträge zu verschiedenen Themen seien geplant, etwa dazu, wie das Schulleben für die fünften Klassen abläuft, oder zum Profil der Schule, die eine Eliteschule des Sports ist. Außerdem seien Eltern in dieser Woche zu einem „Abend der offenen Tür“ eingeladen: „Online werden wir einen großen Raum gestalten, in dem es mehrere Zimmer gibt. Interessierte Eltern können sich anmelden und mit Pädagoginnen und Pädagogen ins Gespräch kommen, die sich virtuell in diesen Zimmern bewegen.“

Schulleiter und Lehrkräfte beraten auch per Telefon

Mütter und Väter können zudem digitale Gesprächstermine mit dem Schulleiter oder den Klassenstufenleiterinnen und -leitern buchen. „Natürlich ist es auch möglich, diese Gespräche telefonisch zu führen“, sagt Lengwenus. Seine Schule liege in einem Brennpunkt – nicht alle Eltern hätten die nötigen technischen Voraussetzungen, digital dabei zu sein. Und noch etwas haben sich Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte ausgedacht. Gemeinsam bereiten einige von ihnen gerade eine Talkshow vor, auf der sich die Klassenleiterinnen und Klassenleiter der neuen fünften Klassen vorstellen werden. Auf YouTube soll diese Show verfolgt werden können.

Die Waldparkschule Heidelberg setzt auf individuelle Gespräche

An der Waldparkschule, einer Heidelberger Gemeinschaftsschule, gab es zwar vor Corona einen Tag der offenen Tür, über die Homepage wurde den Eltern aber bereits damals empfohlen, diesen nur im Notfall zu nutzen und lieber individuelle Gesprächstermine zu vereinbaren.

„Eltern und Schüler werden bei uns auf eine sehr individuelle Art und Weise informiert“, sagt Schulleiter Thilo Engelhardt. Er hält nicht viel von einem Tag der offenen Tür. „Da ziehen alle den Sonntagsanzug an und zeigen nur die schönen Dinge. Wie der Schulalltag wirklich aussieht, wird ausgeblendet.“ Die Waldparkschule bietet interessierten Eltern und deren Kindern deshalb lieber Einzeltermine vor Ort an, sofern die Pandemie-Regelungen das zulassen.

Es ist dann immer Schulleiter Engelhardt, der durch die Schule führt. „Das dauert jeweils etwa eine Stunde. Wir gehen durch das Haus, gucken uns kurz den Unterricht in verschiedenen Klassen an. Da ist dann auch mal eine Vertretungsstunde zu sehen oder Unruhe zu beobachten.“ In seine Rundgänge bindet der Schulleiter auch Schülerinnen und Schüler ein. Die erklären den interessierten Eltern dann, was gerade abläuft. Engelhardt ist überzeugt davon, dass die schulische Realität so am besten abgebildet werden kann. „Zusätzlich können sich die Eltern auf der Homepage unserer Schule darüber informieren, wie wir arbeiten“, sagt er.

Rundgänge vermitteln ein realistisches Bild vom Schulalltag

Rund 60 Mal läuft Thilo Engelhardt von November bis März mit interessierten Familien durch sein Schulhaus. Das sei extrem zeitaufwendig, gebe den Eltern und Schülern aber ein realistisches Bild vom Alltag an der Waldparkschule, sagt der Schulleiter. Positiver Nebeneffekt: „Ich erlebe auch selbst sehr viel, sehe, wo es rundläuft und wo es Probleme gibt.“ Engelhardt räumt ein, dass große Schulen mit sehr vielen Schülern solche Einzeltermine eher nicht stemmen könnten. „Wir sind mit 430 Schülern eine eher kleine Schule. Individuelle Termine sind da möglich.“ Das entspreche schließlich auch dem Profil seiner Schule, das stark auf individuelles Lernen setze.

Schülerinnen und Schüler produzieren Videos über die Schule

An der Berliner Friedensburg-Oberschule, einer integrierten Sekundarschule mit gymnasialer Oberstufe, setzen sie in diesem Schuljahr auf die virtuelle Information von Eltern und Schülern. Die Schule, die für den deutschen Schulpreis 2020 nominiert war, ist sehr gefragt. Schulleiter Sven Zimmerschied geht davon aus, dass sich auch diesmal wieder viele Schüler für einen Platz interessieren werden. „Wir sind gerade dabei, ein Video zu produzieren, in dem die Schülersprecherinnen und -sprecher und ich alle begrüßen, die sich über unsere Schule informieren wollen“, sagt er.

Produzenten des Videos sind Schülerinnen und Schüler des Kurses „Medien und Kommunikation“. Der wird für die Jahrgänge sieben bis zehn angeboten. Teilnehmerinnen und Teilnehmer dieses Kurses haben auch verschiedene Schulrundgänge filmisch umgesetzt. „Das sind jeweils etwa fünfminütige Beiträge, die unsere Mensa vorstellen, die Aula oder den Schulhof wie auch verschiedene Fachräume und Jahrgänge“, sagt Schulleiter Zimmerschied.

In den Jahren zuvor seien zum Tag der offenen Tür Mitte Dezember jedes Mal etwa 1.000 Personen gekommen. Kinder hatten an diesem Tag die Möglichkeit, Experimente durchzuführen oder am Sportunterricht teilzunehmen. Eine Kunstausstellung zeigte Arbeiten von Schülerinnen und Schülern, es wurde live Musik gespielt, so Zimmerschied. Zwei zusätzliche Informationsveranstaltungen im Januar hätten dann noch einmal rund 400 Interessierte erreicht.

Schulleiter hofft auf persönliche Gespräche im Februar

Der Schulleiter hofft nun, dass auch die digitalen Informationsangebote gut angenommen werden. „Auch wenn der Eindruck ein anderer sein dürfte, als sei man unmittelbar vor Ort.“ Im Februar, so Zimmerschied, würden sie deshalb gern zusätzlich persönliche Gespräche mit interessierten Eltern und Schülerinnen und Schülern führen. Noch wisse natürlich niemand, ob das machbar sein werde. „Wir werden aber auf jeden Fall versuchen, solche direkten Gespräche für Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf  zu ermöglichen.“ Für diese Kinder stünden je Klasse vier Plätze zur Verfügung.