Metastudie der TU München : Wer Hausaufgaben kontrolliert, kann seinem Kind möglicherweise schaden

Sollen Eltern mit ihren Kindern für die Schule lernen? Und wenn ja: wie? Ein Forscherteam aus München kommt zu überraschenden Ergebnissen.

Dieser Artikel erschien am 14.06.2021 in DER SPIEGEL
Miriam Olbrisch
Schüler macht seine Hausaufgaben
Schüler macht seine Hausaufgaben (Symbolbild)
©Getty Images

Hausaufgaben kontrollieren, gemeinsam für eine Klassenarbeit lernen, Referate ausarbeiten, Vokabeln abfragen: Viele Eltern investieren viel Zeit und Mühe, damit ihre Kinder in der Schule gut mitkommen. Welche Art der Unterstützung ist sinnvoll – und welche richtet möglicherweise sogar Schaden an? Mit diesen Fragen hat sich ein Forscherteam des Zentrums für internationale Bildungsvergleichsstudien der Technischen Universität München (TUM) befasst.

In einer umfangreichen Meta-Studie haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Erkenntnisse aus rund 1700 wissenschaftlichen Untersuchungen verarbeitet, darunter die PISA-Studien.

Zusammen lernen bringt kaum bessere Leistungen, motiviert aber

Zentrale Erkenntnis: Die naheliegendste Form der Hilfe – dem Nachwuchs beim Lernen zu Hause zu helfen – hat nach Erkenntnissen der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nur wenig Einfluss auf die schulische Leistung. Allerdings kann es die Motivation stärken. „Kinder entwickeln eine positivere Einstellung zum Lernen, wenn sie ermutigt werden, selbstständig zu arbeiten, zum Beispiel eigene Lösungswege auszuprobieren“, schreiben die Forschenden.

Hilfreich könne es außerdem sein, wenn Eltern eine „positive Erwartungshaltung“ ausdrücken: Indem sie über mögliche Leistungen, Schulabschlüsse oder Berufswege sprechen, indem sie Lernstrategien diskutieren oder Lob und Kritik möglichst differenziert auf einzelne Schularbeiten beziehen. Das trage dazu bei, dass Kinder sich selbst mehr zutrauen.

Von einer Kontrolle der Hausaufgaben raten die Fachleute hingegen ab. „Lohnender ist es, wenn Eltern Regeln festlegen, wann und wo die Aufgaben erledigt werden, wenn sie Hilfestellungen anbieten und Feedback zur Genauigkeit der Bearbeitung geben.“

Engagement von Eltern in der Schule zahlt sich häufig aus

Wenn Eltern sich selbst in der Schule ihrer Kinder engagieren, wirkt sich das positiv aus, zeigen die Untersuchungen. Besuchen die Eltern zum Beispiel Theateraufführungen oder wirken im Elternbeirat mit, erzielen die Kinder im Durchschnitt bessere Leistungen.

„Die Ergebnisse zeigen, dass die Beteiligung der Eltern die Leistung und Motivation der Schülerinnen und Schüler über alle Altersstufen hinweg und unabhängig vom sozioökonomischen Status stärken kann“, sagt die Studienleiterin Doris Holzberger. „Umso wichtiger ist eine gute und dauerhafte Zusammenarbeit zwischen Schulen und Eltern. Wenn Lehrerinnen und Lehrer die Väter und Mütter erreichen, können sie auch außerhalb des Unterrichts Kinder fördern, bei denen eine positiv wirkende Rolle der Eltern nicht selbstverständlich ist.“ Dies könne auch dazu beitragen, Bildungsungleichheit abzubauen.