E-Learning : Unterricht in Zeiten des Coronavirus

Am 12. März hat sich die Kultusministerkonferenz noch gegen flächendeckende Schulschließungen ausgesprochen. Doch regional wurden zu diesem Zeitpunkt schon immer mehr Schulen wegen des Coronavirus geschlossen. Wie geht der Unterricht dann weiter? Diese Frage beschäftigt die zuständigen Bildungsbehörden in den Bundesländern. E-Learning wäre eine Alternative. Aber sind die Schulen darauf vorbereitet? Und was passiert eigentlich mit den anstehenden Abschlussprüfungen für das Abitur und den Mittleren Schulabschluss, wenn die Schulen geschlossen werden? Das Schulportal hat in einigen Bundesländern nachgefragt. Aktualisiert am 13. März.

Annette Kuhn / 11. März 2020
Glastür mit Aufschrift. Schule geschlossen
Wie hier in Neustadt in Brandenburg haben inzwischen viele Schulen in Deutschland vorübergehend wegen des Coronavirus geschlossen.
©Foto: Fabian Sommer/dpa

Noch gibt es keine deutschlandweite Schulschließung wegen des Coronavirus. Darauf hat sich die Kultusministerkonferenz (KMK) bei ihrer Tagung am Donnerstag (12. März) verständigt. Auszuschließen sei dies aber nicht, sagte KMK-Präsidentin und Bildungsministerin von Rheinland Pfalz, Stefanie Hubig (SPD). Bereits jetzt sind viele Regionen großflächig von Schulschließungen betroffen. In Halle sind zum Beispiel ab Freitag (13. März) zunächst für zwei Wochen alle Bildungseinrichtungen zu. Auch Schulen und Kitas in Berlin stellen von nächster Woche an stufenweise ihren Betrieb ein. Das teilte der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) am Freitag (13. März) mit. Die Schließung soll am Montag mit den Oberstufenzentren beginnen. Zuvor hatten Bayern und das Saarland angekündigt, von Montag an alle Schulen zu schließen. Auch das Bundesland Baden-Württemberg will am Freitag seine Entscheidung zu landesweiten Schulschließungen bekanntgeben. In Nordrhein-Westfalen laufen ebenfalls entsprechende Überlegungen. Das Saarland ist das erste Bundesland, in dem ab Montag (16. März) alle Schulen landesweit geschlossen haben. Die Schließung soll bis nach den Osterferien dauern. Der Schulbetrieb würde dann erst wieder am 27. April regulär stattfinden.

Die Kultusministerinnen und Kultusminister stellen sich aber auch auf das zweite mögliche Szenario ein, dass der Schulbetrieb während der Coronakrise weitergeführt wird. Er würde sich dann aber auf den Unterricht sowie Lehrer- und Schulkonferenzen beschränken. Auf Klassenfahrten ins Ausland und Ausflüge im Inland müsse dann grundsätzlich verzichtet werden, betonte Hubig in der Pressekonferenz nach der Sitzung am Donnerstag.

Gefährden Schulschließungen die öffentliche Daseinsvorsorge?

Bei einer deutschlandweiten Schulschließung würden von den elf Millionen Kindern unter 14 Jahren zehn bis 20 Prozent wegen der Berufstätigkeit der Eltern trotzdem eine Betreuung benötigen, „um nicht den Zusammenbruch der öffentlichen Daseinsvorsorge und vieler anderer Dinge zu riskieren”, sagte der Hamburgs Bildungssenator Ties Rabe. Das müsse bei den Überlegungen mit berücksichtigt werden. Zuvor hatte sich bereits Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) gegen eine flächendeckende Schließung von Schulen ausgesprochen: „Es ist nicht einfach die Frage: Wir machen alles dicht und dann ist das Problem gelöst”, sagte sie.

Auf der Tagesordnung der Kultusministerkonferenz stand auch der Umgang mit den anstehenden Abschlussprüfungen.  KMK-Präsidentin Hubig versicherte, dass die Prüfungen für den Mittleren Schulabschluss und das Abitur stattfinden würden. Notfalls zu einem späteren Zeitpunkt. Wie der „Spiegel” berichtet, werde mit den Hochschulen abgesprochen, dass bei einer Verschiebung der Prüfungen die Fristen zur Zulassung an den Hochschulen angepasst werden. Das gelte auch entsprechend für Auszubildende.

Die Schulen stehen hier vor großen Herausforderungen. Eine Frage ist auch, wie der Unterricht über digitale Medien bei Schulschließungen wegen des Coronavirus weitergeführt werden kann. In manchen Bundesländern gibt es bereits Online-Plattformen, über die E-Learning-Programme laufen können, und die von den Bildungsbehörden der Länder unterstützt werden. Das Schulportal hat in vier Bundesländern nachgefragt, welche Möglichkeiten es hier gibt und was die Bildungsbehörden außerdem beschäftigt.

Die meisten Schulen in Bayern nutzen Lernplattform mebis

Bayern: Bayern hat nach Nordrhein-Westfalen bislang die meisten Erkrankungen mit dem Coronavirus gemeldet.  Zahlreiche Schulen sind bereits geschlossen, vor allem im Raum München. Um dennoch ein Unterrichtsangebot zu geben, arbeiten viele Schulen in Bayern mit den Online-Angeboten von mebis – Landesmedienzentrum Bayern, die die Arbeit in einem virtuellen Klassenzimmer ermöglichen sollen. Beteiligt an der Umsetzung der Lernplattform ist unter anderem das Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB). Nach einer Pilotphase mit 150 Schulen wurde die Nutzung seit 2014 auf alle interessierten Schulen ausgeweitet. Derzeit wird mebis in 4.200 von 6.182 Schulen eingesetzt. Zu mebis gehört eine Lernplattform, über die Lehrkräfte digital gestützten Unterricht organisieren können – von der Aufgabenstellung über den Chat bis zur Testerstellung. Auch Tafelbilder sowie Material aus der umfangreichen Mediathek und dem Prüfungsarchiv können hier integriert werden. Um mebis in Lehr- und Lernsettings einsetzen zu können, genüge ein Desktop-PC oder ein mobiles Endgerät mit einem aktuellen Browser sowie eine Anbindung ans Internet.

Aktuell stelle das Ministerium Informationen für Schulleitungen und Lehrkräfte zusammen, „welche diese darin unterstützen sollen, die digitalen Lehr-/Lernmöglichkeiten von mebis bestmöglich in der aktuellen Situation einsetzen zu können“, sagte ein Sprecher auf Anfrage des Schulportals. Außerdem versicherte das Kultusministerium , die Lehrpläne erlaubten den Lehrkräften „ausreichend zeitlichen Spielraum, um die Lernziele auch bei zeitweisen Unterrichtsausfällen zu erreichen.“

Berlin will wegen des Coronavirus digitales Angebot weiter ausbauen

Berlin: Viele öffentliche Schulen in Berlin haben sich bereits auf den Weg zum virtuellen Klassenzimmer gemacht. Auf der Lernplattform „Lernraum Berlin“, die die Senatsverwaltung für Bildung anbietet, stehen  Materialien zu den meisten Schulfächern zur Verfügung, die Schulen untereinander austauschen können. Nach Angaben der Bildungsbehörde seien aktuell 460 Schulen von insgesamt 773 mit eigenen Kursen im Lernraum aktiv, und „431 haben im Lernraum ihr Medienkonzept hochgeladen und nutzen daher ebenfalls die Plattform“. Voraussetzung für die Nutzung ist ein Internetanschluss, sowie ein PC, Notebook oder Handy mit aktuellem Browser. Jede Lehrkraft könne den Unterricht mit dem Lernraum Berlin gestalten. „Wie intensiv dies erfolgt hängt auch vom Unterrichtsgegenstand ab“, sagt Martin Klesmann, Sprecher der Senatsverwaltung, dem Schulportal.

Die Plattform versteht sich als Lernmanagementsystem, neben der Unterstützung des interaktiven Lernens könne darüber auch die Kommunikation mit Schülerinnen und Schülern sowie deren Eltern laufen. Angesichts der aktuellen Gefahrenlage durch das Coronavirus hat die Plattform jetzt aktuelle Informationen zusammengestellt, um Schulen den Einstieg auf die Plattform oder ein Ausweiten der Nutzung zu erleichtern. Hier heißt es auch: Für die aktuelle Gefahrensituation „wird Lernraum Berlin in den nächsten Tagen – über die auch sonst verfügbaren Möglichkeiten – konkrete Lösungen anbieten“.

Wegen Coronavirus beschließt Hamburg strenge Regeln nach Ferienende

Hamburg: Im Moment sind in Hamburg noch Frühjahrsferien. Vor Ferienbeginn am 2. März gab es hier noch keine Schulschließungen und es gibt bislang noch keine Informationen von der Schulbehörde, wegen des Coronavirus den Unterricht auf E-Learning umzustellen.

Vorrangig stellt sich in Hamburg die Frage, wie der Unterricht am kommenden Montag nach den Ferien wieder aufgenommen werden kann, zumal viele Hamburger Familien in den Ferien in einem Risikogebiet waren. Dazu sagte die Schulbehörde dem Schulportal: „Alle Personen an Schulen, die aktuell oder in den vergangenen 14 Tagen aus einem Risikogebiet zurückgekehrt sind, nehmen – unabhängig von Symptomen – nicht am Schulbetrieb teil, vermeiden unnötige Kontakte und bleiben vorsorglich 14 Tage zu Hause.“ Bei einem Verstoß drohten Bußgelder in Höhe von bis zu 25.000 Euro und eine Strafanzeige wegen Hausfriedensbruchs, darauf weist die Schulbehörde auch ausdrücklich hin. An den Eingängen der Schulen sollen entsprechende Warnhinweise angebracht werden.

Für Lehrkräfte und weiteres pädagogische Personal gilt: Sie sollen vier bis sechs Tage nach Verlassen des Risikogebietes einen Test auf COVID-19 durchführen. Fällt er negativ aus, sollen sie an die Schulen zurückkehren.

Nordrhein-Westfalen setzt auf Eigenverantwortung der Schulen

Nordrhein-Westfalen: Im Schulministerium von Nordrhein-Westfalen, dem bislang vom Coronavirus am stärksten betroffenen Bundesland, hieß es: „Gegenwärtig gibt es keine Pläne oder Anweisungen an die Lehrkräfte in Nordrhein-Westfalen, im Falle einer Schulschließung ihre Schülerinnen und Schüler online zu betreuen.“ Eine solche Betreuung würde bei Schülerinnen und Schülern sowie Lehrkräften entsprechende private Kommunikationsmittel voraussetzen. Diese Voraussetzung sei aber nicht überall gegeben.

Daher überlasse das Ministerium den Schulen die Entscheidung, wie sie in dieser Situation verfährt. „Den betroffenen Schulen wird empfohlen, vor Ort zur erörtern, welche Möglichkeiten es im Rahmen der eigenen infrastrukturellen Voraussetzungen gibt, Schülerinnen und Schüler während einer mehrtägigen Schulschließung bei anstehenden Prüfungsvorbereitungen zu unterstützen.“, heißt es im Schulministerium. Ausdrücklich wird betont, dass Schülerinnen und Schüler durch einen möglichen Unterrichtsausfall aufgrund von Schulschließungen keine Nachteile in Bezug auf ihre Benotung bekommen würden. mit dpa