Buchtipp : „Systemsprenger“ in der Schule

Kinder und Jugendliche mit massiv störendem Verhalten bringen viele Schulen an ihre Grenzen. Das Buch „‚Systemsprenger‘ in der Schule“ von Menno Baumann, Tijs Bolz und Viviane Albers zeigt, welche Praxismodelle, pädagogischen Ansätze und Unterstützungsmaßnahmen für diese Schülerinnen und Schüler förderlich sind.

Florentine Anders / 16. April 2019

Tom hat in der Schule häufig Bauchschmerzen oder Kopfschmerzen, in den Pausen fühlt er sich von seinen Mitschülern bedrängt. Er reagiert dann häufig aggressiv. Auf die Lehrkräfte wirkt der Junge auffällig depressiv. Tom ist eines von zwei Fallbeispielen, die im ersten Kapitel des Buches „‚Systemsprenger‘ in der Schule“ von Menno Baumann, Tijs Bolz, Viviane Albers ausführlich beschrieben werden.

Schon der Titel des Buches, das 2017 im Beltz-Verlag erschienen ist, verleitet zu Widerspruch: Darf es in einer inklusiven Schule überhaupt „Systemsprenger“ geben? Das Autorenteam verschließt die Augen nicht vor der Realität: Trotz des inklusiven Anspruchs gibt es immer wieder Kinder und Jugendliche, die aufgrund ihres Verhaltens offenbar nicht in einer Schulklasse zu unterrichten sind. Die Folgen: Suspendieren, Schulversetzungen, Schulersatzmaßnahmen.

Gibt es also Grenzen für die Inklusion? Das Autorenteam beantwortet diese Frage mit einem klaren Nein: „Es gibt keine Alternative zur Inklusion. Wir können die Schulpflicht nicht aufspalten in ‚für die Inklusion geeignete und nicht geeignete‘ Kinder und Jugendliche.“

Innovative Schulprojekte zeigen, wie der Umgang mit „Systemsprengern“ funktionieren kann

Das Buch liefert vielmehr wertvolle Empfehlungen für das pädagogische Handeln. Dabei greift das Autorenteam zunächst auf erprobte Modelle aus der Praxis zurück. Es werden drei innovative Schulprojekte vorgestellt, zwei aus Deutschland, eines aus Großbritannien, die zeigen, wie der Umgang mit sogenannten Systemsprengern gelingen kann. Bei den Beispielen wird vor allem eines deutlich: Inklusion muss nicht zwangsläufig bedeuten, dass ein Kind immer im gewohnten Klassenrahmen beschult wird. Gefragt sind verschiedene Räumlichkeiten, ausreichende Personalressourcen und eine kreative Zeitgestaltung.

Ausgehend von den konkreten Beispielen, versucht das Autorenteam die Frage zu beantworten, welche Settings an Schulen für Schülerinnen und Schüler in schwierigen Lebenslagen einen günstigen Rahmen bieten. Zudem gibt es einen Überblick über verschiedene Methoden und Konzepte. Dazu zählt auch der Ansatz „Response to Intervention“, der international in diesem Zusammenhang immer mehr an Bedeutung gewinnt. Darüber hinaus verschafft das Buch einen Überblick über verschiedene Unterstützungsmaßnahmen.

Und nicht zuletzt geht es auch darum, wie die ganze Gruppe so einbezogen werden kann, dass sie auch mit jenen Schülerinnen und Schülern umgehen kann, die aus dem Rahmen fallen. „Denn jeder Lehrer weiß: In einer gut funktionierenden Gruppe kann auch ein schwieriger Schüler gehalten werden, während es in einer schwierigen Gruppensituation nicht viel braucht, um den Rahmen zu sprengen“, heißt es in dem Buch.

Auf einen Blick

Menno Baumann, Tijs Bolz, Viviane Albers: „Systemsprenger“ in der Schule, 168 Seiten, 19,95 Euro. Erschienen im Beltz-Verlag.