Dieser Artikel erschien am 30.10.2019 in der taz
Autorin: Nicole Opitz

Medienkonsum bei Kindern : Smartphone erst ab elf Jahren

Der Kinderarzt Thomas Fischbach fordert für Kinder eine Beschränkung des Medienkonsums. „Zwei Stunden pro Tag – das ist genug!“, sagt er.

Junge mit Smartphone auf Couch
Das Smartphone macht aus Kindern Couchpotatoes, so die Meinung einiger Wissenschaftler
©dpa

Smartphones und Tablets erst ab elf Jahren, das fordert Thomas Fischbach, Präsident des Berufs­verbandes der Kinder- und Jugend­ärzte, in einem Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung am Mittwoch. „Eltern bringen ihren Kindern nicht mehr bei, zu spielen oder sich sinnvoll zu beschäftigen, sondern parken den Nachwuchs vor den Geräten. Teilweise am Esstisch!“, sagte Fischbach.

Das habe katastrophale Folgen für die kindliche Entwicklung, da die Kinder früh auf permanente Reiz­über­flutung konditioniert werden würden. Die Folgen seien Konzentrations­schwäche und schlechte Leistungen in der Schule: „Medialen Dauer­beschuss macht das beste Hirn nicht mit“, sagte Fischbach. Je höher der Medien­konsum, desto schwächer seien die Leistungen in der Schule.

Fischbach sieht einen Zusammenhang zwischen dem Smartphone und dem Gamen: Gefährlich werde es, sobald man sich nicht mehr mit Freund:innen treffe, keinen Sport mache und die Medien den Alltag beherrschen: „Zwei Stunden pro Tag – das ist genug!“, sagte Fischbach.

Medienwissenschaftlerinnen wie Nicola Döring sind anderer Meinung. Bereits vor zwölf Jahren sagte Döring, dass „der tägliche Umgang mit dem Mobil­telefon für Kinder ein Stück Lebens­wirklichkeit geworden“ sei. So unter­stütze das Handy Kinder im Alltag, gebe Struktur und sorge für die Pflege sozialer Kontakte. Medien­pädagogin Iren Schulz forderte zum damaligen Zeit­punkt Handy-Kunde im Unterricht. In Hamburg startete 2018 eine digitale Lern­platt­form, bei der Kinder ab zehn Jahren Smartphones nutzen.