Dieser Artikel erschien am 01.08.2018 in der Süddeutschen Zeitung
Autor: Jonas Beckenkamp

Schule von LeBron James : Geben heißt auch: Verantwortung übernehmen

Wenn reiche Sportler sich sozial engagieren, zeigt das auch, dass die Politik zu wenig tut.

LeBron james bei einem Basketball-Spiel
LeBron James spielt jetzt für die Lakers, er verdient dort gut – aber er gibt auch viel zurück.
©dpa

Natürlich gibt es diese Bilder immer wieder: Berühmte Sportler posieren kamera­tauglich für bestimmt gut gemeinte Wohl­tätigkeits­aktionen. Ein Foto für die eigene Stiftung, ein paar Ball­spiele mit Kindern aus dem Viertel, nette Worte, man soll ja nie vergessen, wo man herkommt. Doch was verändert sich wirklich, wenn alle Selfies geschossen sind und der Scheck überreicht ist?

Der Basketballer LeBron James, nicht nur der Körper­länge nach einer der Größten seines Fachs, hat mit der Eröffnung seiner “I Promise School” nun ein Versprechen abgegeben. Das Versprechen auf Bildung. Er setzt damit in diesen Zeiten auch ein politisches Zeichen: Sein Versprechen ist, sozial benachteiligte Menschen mit­zunehmen in die Gesellschaft, anstatt sie auszu­grenzen; die Gesellschaft zu einen, anstatt sie zu spalten. Letzt­genanntes wirft ja nicht nur LeBron James derzeit dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump vor. Aber der Basket­baller ist vergleichs­weise sehr laut in seiner Kritik.

Er wirft Trump beispiels­weise auch vor, die Debatte über Respekt vor der US-National­hymne für seine politischen Zwecke zu miss­brauchen. “In den vergangenen Monaten habe ich fest­gestellt, dass er den Sport dazu benutzt, um uns zu spalten”, sagte er. Und nun setzt der Basket­baller ein Zeichen, wie leicht es sich einen lässt, wenn man nur will.

Natürlich ist der 33-Jährige nicht der erste Sportler, der sich im großen Stil für soziale Belange engagiert. Doch wo einer Geld gibt oder Sport­plätze errichten lässt, müssen ja nicht automatisch blühende Land­schaften entstehen. Oft fehlt es an der konkreten Verankerung, die James nun anstrebt. Dazu braucht es Expertise. Dass an der Einrichtung in James’ Heimat­stadt Akron im US-Bundes­staat Ohio die sozial und schulisch schwächsten Kinder der Gegend eine Heimat finden, zeugt zumindest von feinem Gespür. James hat sich mit seiner Stiftung Gedanken gemacht, was genau die Community braucht, aus der er selbst stammt: Chancen und Anreize.

Entscheidend an seiner Initiative ist, dass er Konzepte anschiebt, mit denen die Schul­behörde schon lange lieb­äugelt, für die aber bis­lang die Mittel fehlten: ganztags geöffnete Türen, psychologische Betreuung, Nahrungs­mittel zum Kochen für daheim. James, der in den kommenden vier Jahren 154 Millionen Dollar bei den Los Angeles Lakers verdienen wird, hat eine entscheidende Sache verstanden: Geben heißt auch, Verantwortung zu über­nehmen für das, was mit den Spenden passiert. Er selbst muss es wissen, schließlich wuchs er bis zu seinem Wechsel in die NBA genauso auf wie die Schüler an seiner Schule: in einer vergessenen Welt, vor deren Problemen Politiker schon längst kapituliert haben.

Von Donald Trump sind derartige Sozialanschübe nicht über­liefert, er wettert zwar gerne gegen Kriminalität und Verwahr­losung in afro­amerikanisch geprägten Vierteln. Auf die Idee, dass Bildung eine Lösung ist, scheint er aber noch nicht gekommen zu sein. So lässt sich auch jener Schluss aus dieser Wohl­fühl­geschichte ziehen: Was der US-Präsident Trump nicht schafft, erledigt in diesem Fall ein Viel­verdiener aus dem Sport.

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