Potsdam : Schulbündnis will besseren Unterricht

Dieses Bündnis ist einmalig: Fast alle weiterführenden Schulen in Potsdam haben sich im Netzwerk „Schulen einer Stadt“ zusammengetan, um die Lernkultur zu verbessern. Am Mittwoch trafen sich rund 800 Lehrerinnen und Lehrer zur Auftaktveranstaltung des neuen Schuljahres. Inspiration zum Thema „Talente entdecken statt Durchschnitt fördern“ lieferte kein Geringerer als Bestseller-Autor Markus Hengstschläger in seiner Gastrede.

Florentine Anders / 16. August 2018
Lehrerinnen und Lehrer auf den Rängen der MBS Arena
Etwa 800 Lehrerinnen und Lehrer kamen zur Schuljahresauftaktveranstaltung des Netzwerkes „Schulen einer Stadt“ in Potsdam. Das Bündnis setzt sich für eine neue Lernkultur ein.
©Claudia Hagen (Deutsche Schulakademie)

Normalerweise ist die Konkurrenz um das attraktivste Schulprofil unter weiterführenden Schulen groß. In Potsdam ist das anders: 18 von insgesamt 21 weiterführenden Schulen haben sich auf eigene Initiative zu einem Bündnis für eine neue Lernkultur zusammengeschlossen.

Entstanden ist das Netzwerk „Schulen einer Stadt“  schon vor drei Jahren. „Damals ging es darum, den neuen Rahmenlehrplan für Berlin und Brandenburg in den Schulen umzusetzen“, sagt Rüdiger Ziemer, ehemaliger Schulleiter der Sportschule Potsdam. Der neue Rahmenplan für alle Klassenstufen sei wirklich revolutionär und verlange einen fächerübergreifenden Unterricht zu vielen Themen.

Doch mit der Umsetzung im Unterricht hatten die Schulen ein Problem. „In den Fortbildungen konnten unsere Fragen nicht richtig beantwortet werden, also beschlossen wir, uns zusammenzutun und gemeinsam Antworten aus der Praxis herauszufinden“, sagt Ziemer. Alle Schulen standen vor der gleichen Herausforderung, deshalb seien auch so viele von Anfang an dabei gewesen. Unterstützung erhielt die Basis-Initiative von der Deutschen Schulakademie.

„Schnell wurde klar, dass der neue Rahmenplan eine ganz neue Lern- und Schulkultur ermöglicht“, sagt Ziemer. Verschiedene Projektgruppen zu den unterschiedlichen fächerübergreifenden Themen im Rahmenplan wurden gegründet, um Unterrichtskonzepte zu erarbeiten. Diese wurden dann an allen beteiligten Schulen getestet. Zum Thema Verbraucherschutz etwa gibt es das neue Unterrichtskonzept „Ich als Konsument“, an dem die Fächer Chemie, Biologie, Englisch, Musik, Deutsch und LER (Lebensgestaltung-Ethik-Religion) beteiligt sind.

Das Schulbündnis schafft Freiräume für Innovationen im Unterricht

Beim Transfer in die einzelnen Schulen war es wichtig auf die verschiedenen Gegebenheiten vor Ort einzugehen, angefangen von den Räumen bis hin zum Umgang zwischen Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern. „Das Tolle ist, dass sich alle beteiligten Schulen durch das Bündnis Freiräume geschaffen haben, um Neues auszuprobieren“, sagt Ziemer. Und das soll auch künftig durch das Bündnis weiter vorangetrieben werden.

Zum Auftakt des neuen Schuljahres hat das Netzwerk Gastredner Markus Hengstschläger eingeladen. Der Genetiker der Medizinischen Universität Wien und Autor des Bestsellers „Die Durchschnittsfalle“ sprach in seinem Vortrag darüber, warum wir uns statt auf die Schwächen der Kinder vielmehr auf deren Stärken konzentrieren sollten.

Ein Thema, das offenbar Schulen einer ganzen Stadt bewegt: 800 Lehrerinnen und Lehrer folgten der Einladung des Netzwerkes in die Arena der Sportschule am Luftschiffhafen in Potsdam.

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