Public Climate School : Wie Klimabildung in der Schule aussehen kann

Klimabildung kommt in vielen Schulen zu kurz. Um das zu ändern, haben Studierende die „Public Climate School“ ins Leben gerufen. Mit einem überwiegend digitalen Unterrichtsprogramm wollen sie neue Impulse für Klimabildung in die Schulen und Hochschulen bringen. Die nächste Aktionswoche findet vom 22. bis 26. November statt. Für die Schulen werden dann jeden Tag, live über YouTube, vier Unterrichtseinheiten ausgestrahlt, die Lehrkräfte kostenlos nutzen können. Die Stunden sind für Primar-, Mittel- oder Oberstufenschüler konzipiert, und die Themen reichen von Artenvielfalt, Wetterphänomenen und Verkehrswende bis zum Umgang mit Gefühlen in der Klimakrise. Das Schulportal stellt das Programm und die Idee dahinter vor.

Annette Kuhn 12. November 2021 Aktualisiert am 19. November 2021
Klimademonstration Kind mit Schild
Viele Kinder und Jugendliche engagieren sich für den Klimaschutz. In der Schule findet das Thema allerdings noch wenig statt.
©Anthony Anex/KEYSTONE/dpa

Immer mehr Kinder und Jugendliche sind in Sorge wegen der Folgen des Klimawandels. Das zeigt sich an dem großen Zulauf, die die „Fridays for Future“-Bewegung hat. Und das hat zuletzt auch eine Online-Befragung durch das Meinungsforschungsinstitut Kantar im August 2021 deutlich gemacht: Zwei Drittel der Jugendlichen haben demnach Angst vor einer Klimakatastrophe. 72 Prozent finden außerdem, dass von der Politik zu wenig getan wird, um diese zu verhindern. Und auch von den Schulen wünschen sich viele Kinder und Jugendlichen, dass Klimabildung im Unterricht und im Schulleben eine größere Rolle spielt.

Die „Public Climate School“ will hier ansetzen und macht Schulen ein Angebot für fächerübergreifende Klimabildung, das auf verschiedene Altersstufen ausgerichtet ist. Hinter der Initiative steht ein Team aus Lehrkräften, Schülerinnen und Schülern und vor allem Studierenden, überwiegend aus dem Lehramtsstudium. Sie gehören zu „Students for Future“, einem deutschlandweiten Zusammenschluss von Studierenden verschiedener Fachbereiche, die meisten kommen aus der „Fridays for Future“-Bewegung. „Wir wollen mehr Klimabildung in die Schulen bringen“, erklärt Hannah Maschong, die sich neben ihrem Lehramtsstudium an der Universität Dortmund bei der Public Climate School engagiert.

Eine Woche lang bietet die Public Climate School Unterrichtsstunden als Livestream

Vom 22. bis 26. November findet die Public Climate School nun zum fünften Mal statt. Die ersten zwei Aktionswochen, die immer zweimal im Jahr stattfinden, richteten sich nur an Hochschulen. Bei der dritten Public Climate School kam dann zum ersten Mal ein Programm für weiterführende Schulen dazu. Seit diesem Jahr ist das Programm auch auf Grundschulen ausgeweitet. „Wir haben gemerkt, dass das Thema schon für jüngere Schülerinnen und Schüler eine große Bedeutung hat und dass auch viele Lehrerinnen und Lehrer an Grundschulen geeignetes Unterrichtsmaterial suchen“, sagt Hannah Maschong.

In der Aktionswoche bietet die Public Climate School jeden Tag vier Unterrichtseinheiten, die kostenlos über YouTube ausgestrahlt werden – für Grundschulen ist das ein 15-minütiger Input, für weiterführende Schulen sind es drei Unterrichtsstunden à 45 Minuten, an die sich meist eine Frage-Antwort-Runde mit den Referierenden anschließt. Die Live-Stunden können einzeln im Unterricht genutzt werden und bauen thematisch nicht aufeinander auf, sodass Lehrkräfte flexibel mit dem Angebot umgehen können. Und das Programm ist auch nach der Aktionswoche noch im YouTube-Kanal verfügbar, kann also im Unterricht auch später zum Einsatz kommen.

Wir wollen alle Beteiligten in der Schule dazu anregen, selbst aktiv zu werden, nachhaltige Projekte zu initiieren und sich für den Klimaschutz an der eigenen Schule, aber auch darüber hinaus zu engagieren.“
Hannah Maschong, Public Climate School

Die Stunden sind von den Studierenden selbst gestaltet und moderiert, mittlerweile beteiligen sich aber auch immer mehr Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler bei der Planung und Themengestaltung. Außerdem laden die Moderatorinnen und Moderatoren in allen Stunden Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Gesellschaft für einen fachspezifischen Input oder ein Interview ein. Bei der vorherigen Aktionswoche der Public Climate School im Mai waren zum Beispiel der Arzt und Fernsehmoderator Eckart von Hirschhausen und die Klimaschutz-Aktivistin Luisa Neubauer zu Gast.

Lehrkräfte können sich Unterrichtsmaterial herunterladen

Die Themen der Unterrichtseinheiten sind vielfältig und reichen von Artenvielfalt, Verkehrswende, Klimastudien und Wetterphänomenen bis zu Mythen der Klimadebatte und dem Umgang mit Gefühlen in der Klimakrise. Begleitend stellt die Initiative Stundenverlaufspläne und Arbeitsmaterialien zur Verfügung, die Lehrkräfte vorab kostenlos als Download abrufen können.

Zusätzlich zu den Unterrichtseinheiten bietet die Public Climate School in der Aktionswoche auch Workshops und Austauschrunden mit Expertinnen und Experten verschiedener Fachbereiche. Dabei geht es zum Beispiel darum, wie sich Klimaschutz an Schulen konkret umsetzen und wie sich Klimabildung in Schulen nachhaltig verankern lässt. Das Thema lasse sich eben nicht in einzelnen Unterrichtsstunden oder in einem Projekttag abhandeln. „Ziel der Public Climate School ist daher nicht nur, für eine Woche Unterrichtsinhalte anzubieten, sondern wir wollen alle Beteiligten in der Schule dazu anregen, selbst aktiv zu werden, nachhaltige Projekte zu initiieren und sich für den Klimaschutz an der eigenen Schule, aber auch darüber hinaus zu engagieren“, sagt Hannah Maschong. Dabei wünscht sich die Initiative auch, dass Schulen stärker „Good Practice“ austauschen, sich miteinander und mit außerschulischen Partnern vernetzen.

Mehr fächerübergreifende Klimabildung

Aktiv sollen die Schulen auch schon während der Aktionswoche werden. So sind jeden Tag Challenges für unterschiedliche Klassenstufen geplant. Für Grundschulen geht es zum Beispiel darum, wie ein Schulhof mit Blick auf Artenvielfalt gestaltet sein könnte. Schülerinnen und Schüler können zeigen, was sie jetzt schon tun und welche Ideen sie für die Zukunft haben.

Wichtig ist der Public Climate School außerdem, dass Schulen das Thema Klimawandel in all seinen vielen Facetten behandeln. Es sei nicht nur ein Thema für Biologie oder Geografie, sondern „Klimabildung sollte in jedes Fach integriert werden“, fordert Hannah Maschong. Aus ihrer Sicht ist das aber noch zu wenig der Fall. Auch in einer Umfrage des Schulportals Ende September 2021 gaben 51 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer an, dass eine fächerübergreifende Auseinandersetzung zum Klimawandel an ihrer Schule nicht stattfindet. 30 Prozent der Befragten sagten, diese würde im regulären Unterricht und 19 Prozent, diese würde in außerunterrichtlichen Projekten umgesetzt.

Für Hannah Maschong ist deshalb klar: „Hier ist noch viel Luft nach oben.“ Das ist auch der wesentliche Grund, wieso sie sich weiter neben ihrem Studium viele Stunden für die Climate School engagiert. Das Thema ist ihr und ihren Mitstreiterinnen und Mitstreitern einfach zu wichtig. Außerdem profitiere sie davon auch für ihren zukünftigen Beruf als Grundschullehrerin: „Das Projekt ist viel praxisnäher als die Dinge, die ich in der Uni lerne“, sagt die Lehramtsstudentin. Bei der Gestaltung von Unterrichtseinheiten könne sie viel ausprobieren und sehen, welche Wirkung es hat. Das motiviert sie, weiterzumachen und schon an die nächste Aktionswoche zu denken.

Public Climate School mit dem K3-Preis für Klimakommunikation ausgezeichnet

Einen weiteren Motivationsschub hat die Initiative auch durch den K3-Preis bekommen, mit dem die Public Climate School im Oktober ausgezeichnet wurde. Der Preis wird an Menschen, Projekte und Initiativen vergeben, die neue Wege gehen, um andere für den Klimaschutz zu sensibilisieren und zu aktivieren.

Damit der Public Climate School dies in Zukunft vielleicht noch besser gelingt, wird die Wirkung des Projekts jetzt zum ersten Mal evaluiert. Beteiligt sind an der Studie mehrere Universitäten in Zusammenarbeit mit der Berliner Charité. Sie untersuchen, wie Schülerinnen und Schüler über den Klimawandel denken, welche Gefühle sie damit verbinden und was aus ihrer Sicht gegen den Klimawandel gemacht werden muss. Die beteiligten Klassen wurden Anfang November zum ersten Mal befragt und werden es noch einmal Anfang Dezember. Neben einer Gruppe, die an der Aktionswoche teilgenommen hat, gibt es auch eine Kontrollgruppe. Die Studie will herausfinden, inwieweit sich die intensive Beschäftigung mit dem Thema Klimawandel im Unterricht auf Gedanken und Gefühle auswirken.

Banner Public Climate School
  • Vom 22. bis 26. November strahlt die Public Climate School vier Unterrichtseinheiten pro Tag live über YouTube aus.
  • Die Unterrichtsstunden werden aufgezeichnet und stehen Lehrkräften auch nach der Aktionswoche im Unterricht zur Verfügung.
  • Eine Anmeldung ist nicht nötig. Die Teilnahme an allen Veranstaltungen der Public Climate School ist kostenlos.
  • Arbeitsblätter sowie andere Materialien stehen ohne Anmeldung kostenlos zum Download bereit.
  • Neben den Live-Stunden gibt es auch Workshops und Diskussionsrunden. Wer dabei sein will, muss sich anmelden.
  • Auch die Deutsche Schulakademie – eine Initiative der Robert Bosch Stiftung – bietet im Rahmen der Public Climate School am Mittwoch, 24. November um 15 Uhr einen Workshop an zum Thema „Schule bewegt Zukunft. Bildung für nachhaltige Entwicklung strukturell in Schule verankern“. Mehr zur Veranstaltung und zur Anmeldung gibt es hier.
  • Das gesamte Programm der aktuellen Aktionswoche gibt es auf der Website der Public Climate School.
  • Das Schulportal ist Medienpartner der Public Climate School.