Projekt für Berufsschullehrer : Masterstudium und Lehrer­ausbildung in einem

Hessen weitet ein Pilotprojekt für Berufsschullehrer aus. Studentinnen und Studenten, die sich vorstellen können, als Lehrer zu arbeiten, können einen besonderen Abschluss erwerben.

Dieser Artikel erschien am 22.08.2022 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Rainer Schulze
Hörsaal
Theorie und Praxis: Während des Masterstudiums besuchen Studenten neben ihrer theoretischen Ausbildung in der Universität einen Tag in der Woche eine berufliche Schule
©dpa

Um mehr Lehrkräfte für Berufsschulen zu gewinnen, weitet das Land die sogenannte Masterförderung an Hochschulen aus. Wie das Kultusministerium mitteilt, wird ein Pilotprojekt, das bisher nur für Masterstudenten der Fachrichtungen Metall- und Elektrotechnik an den Universitäten in Darmstadt und Kassel gilt, auch für weitere Fachrichtungen angeboten. Studenten, die sich vorstellen können, als Lehrer zu arbeiten, können dort einen besonderen Abschluss erwerben.

Seit Beginn des vergangenen Wintersemesters können sich Masterstudenten der Fachrichtungen Metall- und Elektrotechnik in Kassel und Darmstadt für eine sogenannte Masterförderung bewerben. Die Teilnehmer des Projekts absolvieren während des Studiums Praxisphasen und erhalten ein festes Nettogehalt von rund 1300 Euro. Dieses Pilotprojekt wird vom nächsten Wintersemester an auf die Fachrichtungen Informatik und Chemietechnik in Darmstadt sowie auf die Fachrichtung Gesundheit in Kassel ausgeweitet.

„Unser Angebot richtet sich an all jene, denen während des Studiums klar wird, dass sie gerne als ausgebildete Lehrerin oder Lehrer mit Schülerinnen und Schülern arbeiten wollen“, sagt Kultusminister Alexander Lorz (CDU). Schon jetzt sei erkennbar, dass die in Deutschland einzigartige Masterförderung die Qualität der Ausbildung steigere.

Mischung aus Theorie und Praxis

Das Projekt beruht auf einer Mischung aus Theorie und Praxis. Während des Masterstudiums erhalten die Teilnehmer bis zu drei Jahre lang ein Gehalt für ihre Unterrichtstätigkeit sowie eine zusätzliche Fördersumme von 1000 Euro im Monat. Dafür besuchen sie neben ihrer theoretischen Ausbildung in der Universität einen Tag in der Woche eine berufliche Schule, im ersten Semester als Praktikum, in späteren Semestern zum angeleiteten und eigenverantwortlichen Unterrichten. Der Unterricht wird von erfahrenen Ausbildern begleitet.

Interessierte Bachelorabsolventen können sich von Anfang Oktober bis Ende November um die Aufnahme in das Masterförderprogramm bewerben. Die Förderung beginnt am 1. Februar 2023. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. An jeder Hochschule und in jedem Jahr werden jeweils 20 Studenten gefördert. „Unser neues Angebot ist gleich doppelt attraktiv, denn es gibt Studierenden neben der unmittelbaren Förderung im Studium nach erfolgreichem Abschluss die Möglichkeit, den anschließenden Vorbereitungsdienst zu verkürzen und somit noch schneller in den Lehrerberuf einzusteigen“, meint der Kultusminister.

Nach Ablauf der Förderung verpflichten sich die Absolventen, den Vorbereitungsdienst, also das Referendariat, in Hessen aufzunehmen. Sollten sie dies nicht tun, müssen sie die Förderung zurückzahlen. Wie das Land erläutert, unterscheidet sich das geförderte Studium im Hinblick auf die Anforderungen nicht von einem normalen Studium. Weil durch zusätzliche Tätigkeiten in Schule und Studienseminar ein höherer Arbeitsaufwand entsteht, wird die Masterförderung für drei Jahre gewährt. Während der Studienzeit besuchen die Studenten einmal pro Woche für sechs Unterrichtsstunden eine berufliche Schule. Dort hospitieren sie ein Semester und halten danach selbst Unterricht. Darüber hinaus nehmen die Studierenden in jedem Semester an Veranstaltungen der Studienseminare für berufliche Schulen teil.