Studie zu Elterntaxis : Kinder sollten an Verkehrsplanung beteiligt werden

Verstopfte Straßen, zugeparkte Rettungsgassen: Eltern sorgen regelmäßig für ein Verkehrschaos, wenn sie ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen. Eine neue Studie zeigt, wie es besser laufen könnte.

Dieser Artikel erschien am 02.09.2020 in DER SPIEGEL
kha
Im Auto zur Schule: bequem, aber nicht förderlich
Im Auto zur Schule: bequem, aber nicht förderlich
©romrodinka / iStockphoto

Alle rein ins Auto, anschnallen und los geht’s. Viele Eltern fahren ihre Kinder mit dem Auto zur Kita oder Schule. Doch das führt oft zu einem Verkehrschaos vor den Schulen. Laut einer neuen Studie des Deutschen Kinderhilfswerks, des ökologischen Verkehrsclubs Deutschland (VCD) sowie des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) bringen Eltern ihre Kinder vor allem aus Bequemlichkeit mit dem Auto zum Kindergarten oder zur Schule.

Allerdings nutzen Eltern das Auto auch, weil sie nicht nur zur Schule fahren müssen, sondern danach noch andere Wege zu erledigen haben. Zudem fahren Eltern ihre Kinder, weil sie Angst davor haben, sie könnten Opfer einer Straftat werden.

Laut der Studie gibt es aber noch weitere Gründe für Elterntaxis:

  • Eltern finden die Wege für die Kinder zu lang.
  • Es fehlt an öffentlichen Verkehrsmitteln.
  • Es gibt zu wenige Fuß- oder Radwege.

Die Teilnehmenden wurden zudem zu Maßnahmen befragt, die den Schulweg sicherer machen könnten. Mehr als drei Viertel (77 Prozent) der Befragten finden, dass die Infrastruktur verbessert werden muss – etwa, indem es den Kindern ermöglicht wird, die Straßen sicherer zu überqueren. Kinder sollten zudem besser über Gefahren aufgeklärt werden sowie in der Schule lernen, Fahrrad zu fahren.

Tempolimit rund um Schulen

Aber auch der Autoverkehr müsste stark eingeschränkt werden, damit die Kinder sicher in der Schule ankommen: 89 Prozent der Befragten halten ein Tempo von maximal 30 Kilometern pro Stunde in allen Straßen rund um die Schulen für wichtig.

Knapp drei Viertel (74 Prozent) sprechen sich dafür aus, dass Eltern mit ihren Autos nicht vor den Schulen halten sollten. Alternativ müsse es Elternhaltestellen geben oder die Möglichkeit, Straßen zu Schulbeginn und -ende zu sperren.

Knapp zwei Drittel der Befragten (61 Prozent) plädieren außerdem dafür, dass Kinder und Jugendliche aktiv in die Stadt- und Verkehrsplanung mit einbezogen werden müssten. So könnte die Schulumgebung sicherer gestaltet werden.

Ideen und Anregungen von Kindern müssten in die Planungsprozesse einbezogen werden, sagt Holger Hofmann, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerks: „Dafür sollten die einschlägigen Landesgesetze geändert werden.”

Gleichzeitig sollten Eltern begreifen, „dass sie ihren Kindern keinen Gefallen tun, wenn sie diese mit dem Auto zur Schule oder in die Kita bringen. Für die Orientierung im Raum, die körperliche Fitness und die persönliche Entwicklung ist die Bewegung zu Fuß, mit dem Roller oder mit dem Rad essenziell.”

Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des VBE, sagt: „Durch das Bringen mit dem Auto entstehen gefährliche Situationen. Das wiederum führt die nächsten Eltern zu der Annahme, ihr Kind bringen zu müssen. So entsteht ein Teufelskreis.” Elternhaltestellen, die nicht direkt vor der Schule eingerichtet werden, könnten die Situation entspannen. So könnten die Schüler kurze Wege allein oder mit ihren Eltern zurücklegen.

Immer wieder sorgen Eltern für Unmut, wenn sie ihre Kinder mit dem Auto in die Schule fahren. In Magdeburg verbot die Leiterin einer Grundschule den Erstklässlern, mit dem Fahrrad in die Schule zu fahren, weil der Verkehr zu dicht sei.

In Berlin kam es im vergangenen Jahr sogar zu einer Prügelei, als ein Polizist einen Vater darauf hinwies, dass er vor einer Grundschule falsch parkte. Und in Neukirchen in Sachsen regte sich der Bürgermeister auf, weil Eltern mit ihren Autos die Rettungsgasse einer Kita zuparkten.

Umfrage zur Mobilität von Schülerinnen und Schülern

Von wem stammt die Studie?
Die Studie wurde vom Politik- und Sozialforschungsinstitut forsa im Auftrag des Deutschen Kinderhilfswerks, des Verkehrsclubs Deutschland sowie des Verbands Bildung und Erziehung erstellt.

Ist die Studie repräsentativ?
Forsa befragte repräsentativ deutschlandweit 1003 deutschsprachige Personen ab 18 Jahren nach Einschätzungen und Gründen, weshalb Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen – und welche Maßnahmen dazu beitragen können, den Schulweg sicherer zu machen.