JUUUPORT : Was tun bei Cybermobbing? Jugendliche beraten Jugendliche

Auf der Online-Beratungsplattform JUUUPORT bekommen junge Menschen Hilfe, wenn sie Probleme im Internet haben. Die Unterstützung findet anonym und durch Gleichaltrige statt. Das ermöglicht Betroffenen einen niedrigschwelligen Zugang. Oft geht es um Konflikte, die in der Klasse entstehen und in sozialen Kanälen ausgelebt werden. Prävention vonseiten der Schule gibt es aber bislang kaum, haben die Scouts Jasmin und Jonas festgestellt.

Annette Kuhn / 20. Juli 2020
Jasmin und Jonas, Scouts bei JUUUPORT
Jasmin und Jonas beantworten als Scouts bei JUUUPORT die Fragen von Jugendlichen zu Problemen im Internet.
©JUUUPORT

Oft ist es für junge Menschen leichter, sich mit ihren Problemen im Internet an Gleichaltrige zu wenden. Eltern, Lehrkräfte oder andere Erwachsene sind oft zu weit weg von der Lebenswelt der Jugendlichen. Die eigenen Freunde sind aber auch nicht immer die richtigen Gesprächspartner, weil sie nicht selten Teil des Problems sind. Vor diesem Hintergrund ist vor zehn Jahren die bundesweite Online-Beratungsplattform JUUUPORT entstanden, die inzwischen von sieben Landesmedienanstalten unterstützt wird.

Bei JUUUPORT helfen junge Menschen Gleichaltrigen auf Augenhöhe, wenn diese Stress in den sozialen Medien haben, wenn sie unter Cybermobbing leiden, wenn sie von Datenklau oder Online-Abzocke betroffen sind. Bei der Website-Beratung melden sich die Hilfesuchenden über ein Online-Formular. Dort können sie anonym bleiben und müssen nur ihre Frage und ihr Alter angeben. Über einen Code rufen sie dann auf der Website die Antwort ab. Seit Kurzem gibt es außerdem bei JUUUPORT von Montag bis Donnerstag jeden Nachmittag über WhatsApp oder Telegram eine Messenger-Beratung, die einen enormen Zulauf erlebt. Knapp 1.000 Anfragen kamen hier bereits im ersten Monat rein.

Die Scouts von JUUUPORT werden in Workshops auf ihre Aufgabe vorbereitet

Etwa 30 ehrenamtliche Scouts ab 15 Jahren aus dem gesamten Bundesgebiet sind auf der Plattform aktiv und versuchen, Jugendlichen zu helfen. Damit sichergestellt ist, dass die minderjährigen Scouts keine Anfragen bekommen, die nicht mit dem Jugendschutz vereinbar sind, werden die eingehenden Anfragen von einem Team älterer Scouts vorgefiltert. Und wenn sie bei einer Frage mal nicht weiterkommen, finden die Scouts Unterstützung bei einer Medienpädagogin, einer Psychologin und einer Juristin, die für JUUUPORT arbeiten. Bevor die Scouts zum Einsatz kommen, durchlaufen sie Workshops, in denen sie zu den Themen Psychologie, Recht, Kinderschutz geschult werden und lernen, wie eine Online-Beratung abläuft.

Seit mehr als fünf Jahren gehören die 23-jährige Jasmin und der 21-jährige Jonas zum Scout-Team. Jasmin schließt gerade ihr Informatikstudium in Heidelberg ab, Jonas wartet noch auf einen Studienplatz und arbeitet zurzeit als pädagogische Fachkraft für geistig Behinderte. Angefangen haben beide, als sie noch zur Schule gegangen sind.

Viele Jugendlichen probieren mal etwas aus, stellen von sich zum Beispiel ein Nacktbild auf Snapchat und denken, weil es den Timer gibt, würde es aus dem Internet gleich wieder verschwinden.
JUUUPORT-Scout Jasmin

Den Vorteil von JUUUPORT sehen sie vor allem darin, dass junge Menschen mehr Verständnis für die Probleme Gleichaltriger aufbringen und viel näher an ihrer Lebenswelt sind. „Wir kennen ja alle sozialen Kanäle und nutzen sie auch selbst, da müssen die Jugendlichen gar nicht viel erklären“, sagt Jasmin. „Und die Jugendlichen öffnen sich auch sehr schnell, weil sie an der Sprache merken, dass ihr Gegenüber ihnen auf Augenhöhe begegnet“, ergänzt Jonas.

Viele Jugendliche haben Probleme im Klassenchat

Die meisten Jugendlichen, die sich an JUUUPORT wenden, sind etwa 14, 15 Jahre alt, haben die beiden Scouts beobachtet. Es geht häufig um Cybermobbing, um Sexting, um den Umgang mit Fotos. „Viele Jugendlichen probieren mal etwas aus, stellen von sich zum Beispiel ein Nacktbild auf Snapchat und denken, weil es den Timer gibt, würde es aus dem Internet gleich wieder verschwinden. Sie bedenken oft nicht, dass jemand einen Screenshot machen kann und dass das Foto dann im Internet kursiert“, sagt Jasmin.

Auch Mobbing ist ein großes Thema bei JUUUPORT. Gerade während der Corona-bedingten Schulschließungen hätte sich da noch mehr ins Internet verlagert, hat Jonas beobachtet. Viele Jugendliche meldeten sich auch, weil sie Probleme in Klassenchats hatten. In der Corona-Krise war er oft der einzige Kommunikationsweg für die ganze Klasse. Mobbing zeigt sich hier auf vielerlei Weise – allein schon dadurch, dass eine Schülerin oder ein Schüler einfach aus dem Chat ausgeschlossen werden können. Selbst beim Videounterricht habe es Vorfälle von Mobbing gegeben, weiß Jasmin aus der Beratung. Die Lehrkraft habe das gar nicht mitbekommen, hat ihr die betroffene Jugendliche im Chat erzählt.

JUUUPORT bietet auch kostenlose Webinare für Schulen

Für die Scouts Jasmin und Jonas sind solche Vorfälle ein Beleg dafür, dass Schulen viel mehr Energie in die Prävention gegen Cybermobbing stecken sollten. Es gebe viel Bedarf – bei Lehrkräften genauso wie bei Schülerinnen und Schüler. „Ich bin oft schockiert, wenn ich höre, welche Tipps Jugendliche manchmal von Lehrern bekommen. Manche sagen: ,Ignorier das doch einfach‘“, sagt Jonas, aber das würde das Problem doch nicht lösen. „Oder ein Mobbing-Vorfall wird vor der ganzen Klasse angesprochen – dadurch fühlt sich der Gemobbte bloßgestellt und wird noch viel mehr in die Opferrolle gedrängt“, ergänzt Jasmin.

Um auch hier Hilfestellung zugeben, bietet JUUUPORT Schulen kostenlose Webinare an, zum Beispiel zu den Themen Cybermobbing, Fake News, Hass im Netz oder Privatsphäre im Netz. Die meisten Webinare richten sich an Klassen mit Schülerinnen und Schüler zwischen elf und 15 Jahren und beinhalten immer auch eine Diskussionsrunde.

Auf einen Blick

  • JUUUPORT wurde 2010 in Hannover gegründet, berät Jugendliche aber im gesamten Bundesgebiet. „JUUU“ steht für Jugendliche, „Port“ für Hafen – ein Ort, wo Jugendliche einen geschützten Raum haben und loslassen können.
  • Initiiert wurde JUUUPORT durch die Niedersächsische Landesmedienanstalt. Inzwischen wird die Plattform von sechs weiteren Landesmedienanstalten unterstützt: aus Bremen, Hamburg/Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen.
  • Wie das Online-Beratungsangebot funktioniert, wird in einem Erklärvideo gezeigt.
  • Wer Scout werden will, muss 15 Jahre alt sein und wird für die Aufgaben in Workshops vorbereitet.
  • Für Schulen bietet JUUUPORT kostenlos Webinare.