Infektionsschutz : Corona-Impfung für Kinder – was Eltern und Schulen wissen müssen

Die europäische Arzneimittelbehörde Ema hat am 25. November 2021 grünes Licht für die Zulassung des Corona-Impfstoffs von Biontech/Pfizer für Kinder ab fünf Jahren gegeben. Es wird der erste Corona-Impfstoff, der in der EU für Kinder unter zwölf Jahren zugelassen wird. Offiziell muss die EU-Kommission nun noch zustimmen – das aber gilt als Formsache. Bislang ist dieser Impfstoff in der EU nur ab zwölf Jahren zugelassen. Doch in Israel und ebenso in den USA dürfen damit auch bereits Kinder ab fünf Jahren geimpft werden. Die Ständige Impfkommission (Stiko) will ihre Empfehlung zur Corona-Impfung für Kinder von fünf bis elf Jahren vor Jahresende abgeben. Am 18. August hatte die Stiko ihre Empfehlungen für eine Corona-Impfung von Kindern und Jugendlichen ab 12 Jahren aktualisiert. Sie spricht sich seither für allgemeine Corona-Impfungen für alle Kinder ab 12 Jahren aus. Für junge Menschen unter 30 Jahren empfiehlt die Stiko seit dem 10. November 2021 nur noch den mRNA-Impfstoff Comirnaty (Biontech/Pfizer).  (mit dpa)

Florentine Anders 13. Juli 2021 Aktualisiert am 01. Dezember 2021 5 Kommentare
Impfausweis
Die Bundesschülerkonferenz fordert, dass Kinder und Jugendliche ab 12 möglichst rasch ein Impfangebot bekommen, um den Präsenzunterricht nach den Sommerferien zu sichern.
©Foto: Jonas Güttler/dpa

Seit dem 26. November ist die Corona-Impfung mit dem Impfstoff von Biontech und Pfizer für Kinder ab 5 Jahren zugelassen. Die Impfung für Kinder von 5 bis 11 Jahren enthält ein Drittel einer Erwachsenen-Dosis und wird zweimal im Abstand von drei Wochen in den Oberarm verimpft.

In Deutschland werden nach Angaben des scheidenden Bundesgesundheitsministers Jens Spahn (CDU) ab dem 20. Dezember 2,4 Millionen Dosen des Impfstoffs für Kinder zur Verfügung stehen.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) will ihre Empfehlung zur Corona-Impfung für Kinder von fünf bis elf Jahren vor Jahresende abgeben.

“Unser Ziel ist es, diese Empfehlung bis Ende Dezember, möglichst bis zum Start der Auslieferung des Kinder-Impfstoffs an die Länder, fertigzustellen”, sagte der Stiko-Vorsitzende Thomas Mertens den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Die Empfehlung sei zurzeit in Arbeit.

Bisher sind Corona-Impfstoffe in der EU erst ab zwölf Jahren zugelassen.

Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren können sich in Deutschland seit dem 7. Juni generell gegen Corona impfen lassen. Am 28. Mai hatte die EU-Arzneimittelbehörde Ema den Impfstoff Biontech/Pfizer für diese Altersgruppe zugelassen. Am 23. Juli hat die Ema als zweiten Impfstoff für über 12-Jährige außerdem den Impfstoff von Moderna empfohlen. Die Ständige Impfkommission in Deutschland empfiehlt jedoch für Menschen unter 30 nur noch dem Impfstoff von Biontech/Pfizer.

Die Ständige Impfkommission hatte zunächst die Impfung für Kinder ab 12 nur bei Vorerkrankungen empfohlen. In ihrem aktualisierten Beschluss vom 18. August empfiehlt die Stiko die Impfung ab 12 nun generell, auch ohne Vorerkrankung. Die allgemeine Empfehlung dürfte die Nachfrage erhöhen.

Die Gesundheitsministerien der Länder hatten sich bereits Anfang August darauf geeinigt, dass allen Kindern ab 12 Jahren nun nicht mehr nur bei den Kinderärzten, sondern auch in den Impfzentren Angebote gemacht werden. Auch an Schulen werden mobile Impfteams eingesetzt.

Einige Bundesländer wenden sich direkt mit Informationsmaterial über die Impfung an die Schülerinnen und Schüler. So stattet beispielsweise das Bildungsministerium in Brandenburg die weiterführenden Schulen im Dezember mit Informations- und Aufklärungsmaterial zum Impfen für 12- bis 17-jährige Kinder und Jugendliche aus. Unter dem Motto „Impfen macht Schule“ werden rund 125.000 Impfflyer und zirka 3.000 Plakate ab dieser Woche an die staatlichen Schulämter und von dort an die Schulen versendet. Der Flyer, dessen Grundkonzeption aus Thüringen kommt, klärt anschaulich über das Impfen gegen das Corona-Virus auf, nennt die Fakten und setzt sich kurz mit Gerüchten und Fake News auseinander.

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Was sagt die Ständige Impfkommission (Stiko) zur Impfung von Kindern ab 12?

Die Ständige Impfkommission hat am 18. August ihre Empfehlung aktualisiert. Demnach wird die Corona-Impfung nun Kindern und Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren generell empfohlen. Bis dahin galt die Impf-Empfehlung nur für Kinder und Jugendliche mit bestimmten Vorerkrankungen. Der Beschlussentwurf wird nun noch mit den Ländern und Fachkreisen abgestimmt. Änderungen sind noch möglich.

Die Stiko begründet die Aktualisierung mit neuen wissenschaftlichen Beobachtungen und Daten. Demnach würden mit gegenwärtigem Wissensstand die Vorteile der Impfung gegenüber dem Risiko von sehr seltenen Impfnebenwirkungen überwiegen.

Auf der Grundlage neuer Überwachungsdaten, insbesondere aus dem amerikanischen Impfprogramm mit nahezu 10 Millionen geimpften Kindern und Jugendlichen, könnten mögliche Risiken der Impfung für diese Altersgruppe jetzt zuverlässiger quantifiziert und beurteilt werden.

Die sehr seltenen, bevorzugt bei jungen männlichen Geimpften im Zusammenhang mit der Impfung beobachteten Herzmuskelentzündungen müssten als Impfnebenwirkungen gewertet werden. “In der Mehrzahl der Fälle wurden die Patienten mit diesen Herzmuskelentzündungen hospitalisiert, hatten jedoch unter der entsprechenden medizinischen Versorgung einen unkomplizierten Verlauf. Umgekehrt weisen neuere Untersuchungen aus dem Ausland darauf hin, dass Herzbeteiligungen durchaus auch bei COVID-19-Erkrankungen auftreten”, heißt es in der Stellungnahme.

Zudem hätten aktuelle mathematische Modellierungen, die die nun dominierende Delta-Variante berücksichtigen, ergeben, dass für Kinder und Jugendliche ein deutlich höheres Risiko für eine SARS-CoV-2-Infektion in der vierten Infektionswelle besteht.

Impfungen an Schulen

Am 2. August hatten sich die Gesundheitsministerien darauf verständigt, dass für Impfungen der Kinder ab 12 Jahren auch an Schulen Impfmobile eingesetzt werden können. Vorher war die Impfung den Kinderärzten in den Praxen vorbehalten. Viele Bundesländer machen von dieser Möglichkeit Gebrauch. Im Deutschen Schulbarometer, einer repräsentativen Umfrage unter Lehrkräften, sprachen sich jedoch im September 2021 71 Prozent der Befragten für mehr Impfangebote an Schulen aus.

Wann kommt eine Corona-Impfung für Kinder unter 12 Jahren?

Die Europäische Arzneimittelbehörde (Ema) hat am 25. November den Weg für Impfungen von Kindern mit dem Covid-19-Impfstoff von Biontech und Pfizer frei gemacht. Ab 20. Dezember sollen die Impfdosen laut Gesundheitsministerium zur Verfügung stehen. Die entsprechenden Dosen enthalten nur ein Drittel der Menge, die Erwachsenen und Kindern ab 12 verabreicht wird.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) will ihre Empfehlung zur Corona-Impfung für Kinder von fünf bis elf Jahren vor Jahresende abgeben. Der Stiko geht es auch darum, als Grundlage für ihre Empfehlung Daten zu seltenen Impfkomplikationen aus anderen Ländern zu bekommen. In den USA etwa werden kleinere Kinder bereits seit November mit dem geringer dosierten Wirkstoff geimpft, nach Regierungsangaben haben bisher rund 2,6 Millionen Fünf- bis Elfjährige die erste Spritze bekommen. Die dortige Lage und der Gesundheitszustand der Kinder in den USA gelten aber nicht als 1:1 vergleichbar mit Deutschland.

Wie wird eine Lehrer-Impfpflicht diskutiert?

Zunehmend heftig wird darüber diskutiert, ob Infektionen bei Minderjährigen durch eine Impfpflicht für pädagogisches Personal eingedämmt werden können. Die repräsentative Lehrkräfte-Umfrage “Das deutsche Schulbarometer” vom September 2021 hatte ergeben, dass 95 Prozent der Lehrerinnen und Lehrer geimpft sind. 65 Prozent der Befragten sprechen sich für eine Impfpflicht für Lehrkräfte und weiteres pädagogisches Personal an Schulen aus.

Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach sieht Forderungen nach einer Impfpflicht für Mitarbeiter an Schulen und Kitas kritisch und befürwortet stattdessen die Maskenpflicht.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) wendete sich gegen eine Corona-Impfpflicht für einzelne Berufsgruppen. “Der Weg aus der Pandemie führt nur über eine hohe Impfquote in der gesamten Bevölkerung und der Pandemie angemessenen Verhaltensweisen, um sich und andere zu schützen”, sagte die GEW-Vorsitzende Maike Finnern dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Sie betonte aber zugleich: “Eine Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen lehnt die GEW ab.”

Dagegen bezeichnete der Verfassungsrechtler Christian Pestalozza eine Impfpflicht in bestimmten Fällen als zwingend notwendig. Pestalozza sagte dem RND unter Bezug auf das “Grundrecht auf Gesundheit”: “Wenn die kleinen Hilfsmaßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie nicht ausreichen, ist die Politik sogar verfassungsrechtlich zu strengeren Maßnahmen wie der Impfpflicht verpflichtet.” Und sollte eine berufsbezogene Impfpflicht nicht ausreichen, sei selbst eine allgemeine Impfpflicht zulässig.

Hintergrund sind Überlegungen bei den möglichen künftigen Regierungspartnern SPD, Grüne und FDP, in bestimmten sensiblen Bereichen wie Pflegeheimen und Kitas eine Corona-Impfpflicht einzuführen.

Schulrechtsexperte Thomas Böhm erklärt im Interview mit dem Schulportal, unter welchen Umständen eine Impfpflicht juristisch überhaupt möglich wäre. “Eine Impfpflicht ist ein schwerwiegender Eingriff in Grundrechte und kann daher nur durch ein Gesetz erfolgen”, sagt Böhm.