Infektionsschutz : Corona-Impfung für Kinder: Mehr Impfangebote an Schulen

Am 18. August hat die ständige Impfkommission des Bundes (Stiko) ihre Empfehlungen für eine Corona-Impfung von Kindern und Jugendlichen ab 12 Jahren aktualisiert. Sie spricht sich nun für allgemeine Corona-Impfungen für alle Kinder ab 12 Jahren aus. Zuvor galt diese Empfehlung nur für Kinder ab 12 mit Vorerkrankungen. Viele Bundesländer reagieren nun mit speziellen Impfangeboten auch an Schulen. Die mobilen Impfteams am Schulen sind jedoch nicht unumstritten. In diesem Beitrag halten wir Sie über die wichtigsten Informationen zu Corona-Impfungen für Kinder und über die Entscheidungen der Länder in Bezug auf Impfangebote für Schülerinnen und Schüler auf dem Laufenden. (mit dpa)
Florentine Anders 13. Juli 2021 Aktualisiert am 13. September 2021 5 Kommentare
Impfausweis
Die Bundesschülerkonferenz fordert, dass Kinder und Jugendliche ab 12 möglichst rasch ein Impfangebot bekommen, um den Präsenzunterricht nach den Sommerferien zu sichern.
©Foto: Jonas Güttler/dpa

Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren können sich in Deutschland seit dem 7. Juni generell gegen Corona impfen lassen. Das beschlossen Bund und Länder auf einem Impfgipfel am 27. Mai in Berlin. Am 28. Mai hatte die EU-Arzneimittelbehörde Ema den Impfstoff Biontech/Pfizer für diese Altersgruppe zugelassen. Am 23. Juli hat die Ema als zweiten Impfstoff für über 12-Jährige außerdem den Impfstoff von Moderna empfohlen. Die EU-Kommission stimmte noch am selben Tag zu.

Laut Robert Koch-Institut ist rund jeder Vierte 12- bis 17-Jährige bereits einmal geimpft (Stand 16.8. 24,6 Prozent). Vollständig geimpft sind 15,5 Prozent.

Die Ständige Impfkommission hatte zunächst die Impfung für Kinder ab 12 nur bei Vorerkrankungen empfohlen. In ihrem aktualisierten Beschluss vom 18. August empfiehlt die Stiko die Impfung ab 12 nun generell, auch ohne Vorerkrankung. Die allgemeine Empfehlung dürfte die Nachfrage erhöhen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sprach von einer guten Nachricht: „Eltern und Jugendliche haben damit eine klare Empfehlung, sich für die Impfung zu entscheiden.” Ausreichend Impfstoff für alle Altersgruppen sei da.  Bundesfamilienministerin Christine Lambrecht (SPD) sagte, nun gebe es „noch mehr Sicherheit bei der Entscheidung für die Impfung”. Sie betonte zugleich: „Die Impfung bleibt freiwillig und darf nicht zur Voraussetzung für den Schulbesuch gemacht werden.”

Die Gesundheitsministerien der Länder hatten sich bereits Anfang August darauf geeinigt, dass allen Kindern ab 12 Jahren nun nicht mehr nur bei den Kinderärzten, sondern auch in den Impfzentren Angebote gemacht werden sollen. Auch an Schulen sollen Angebote möglich sein.

Der Berufsverband der Kinder– und Jugendärzte hat die Pläne mehrerer Bundesländer kritisiert, Kinder und Jugendliche an und im Umfeld von Schulen gegen das Coronavirus zu impfen. „Die Jugendlichen stehen in den Schulen sehr stark unter Gruppenzwang, so dass eine freie und unabhängige Entscheidung schwierig wird”, sagte der Bundessprecher des Verbandes, der Kinderarzt Jakob Maske, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland

Der Deutsche Lehrerverband begrüßte hingegen die Pläne, Impfungen an Schulen durchzuführen. „Alles, was die Sicherheit an Schulen schnell erhöht, ist gut”, sagte Verbandschef Heinz-Peter Meidinger dem RND. „Es ist völlig klar, dass eine hohe Impfquote der Schülerinnen und Schüler der wohl wichtigste Baustein für mehr Gesundheitsschutz an Schulen in der Pandemie und damit letztendlich für eine baldige Rückkehr zur Normalität im Schulbetrieb ist.”

Der Verband Bildung und Erziehung äußerte sich kritisch zu Impfungen direkt an Schulen. Es sei unbedingt notwendig, dass Kinder mit ihren Eltern und nach eingehender Beratung durch den Kinder– oder Hausarzt eine informierte Entscheidung treffen, sagte der Vorsitzende Udo Beckmann. “Ob dies einzulösen ist, wenn die Impfung in Impfmobilen vor der Schule erfolgt, halten wir für fraglich.” Er warnte auch vor möglichen Konflikten, wenn Eltern oder Jugendliche, die gegen eine Impfung sind, sich durch präsente Impfteams bedrängt sähen. Die Impfempfehlung für Kinder ab 12 wird vom Verband generell begrüßt.

Was sagt die Ständige Impfkommission (Stiko) zur Impfung von Kindern?

Die Ständige Impfkommission hat am 18. August ihre Empfehlung aktualisiert. Demnach wird die Corona-Impfung nun Kindern und Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren generell empfohlen. Bis dahin galt die Impf-Empfehlung nur für Kinder und Jugendliche mit bestimmten Vorerkrankungen. Der Beschlussentwurf wird nun noch mit den Ländern und Fachkreisen abgestimmt. Änderungen sind noch möglich.

Die Stiko begründet die Aktualisierung mit neuen wissenschaftlichen Beobachtungen und Daten. Demnach würden mit gegenwärtigem Wissensstand die Vorteile der Impfung gegenüber dem Risiko von sehr seltenen Impfnebenwirkungen überwiegen.

Auf der Grundlage neuer Überwachungsdaten, insbesondere aus dem amerikanischen Impfprogramm mit nahezu 10 Millionen geimpften Kindern und Jugendlichen, könnten mögliche Risiken der Impfung für diese Altersgruppe jetzt zuverlässiger quantifiziert und beurteilt werden.

Die sehr seltenen, bevorzugt bei jungen männlichen Geimpften im Zusammenhang mit der Impfung beobachteten Herzmuskelentzündungen müssten als Impfnebenwirkungen gewertet werden. “In der Mehrzahl der Fälle wurden die Patienten mit diesen Herzmuskelentzündungen hospitalisiert, hatten jedoch unter der entsprechenden medizinischen Versorgung einen unkomplizierten Verlauf. Umgekehrt weisen neuere Untersuchungen aus dem Ausland darauf hin, dass Herzbeteiligungen durchaus auch bei COVID-19-Erkrankungen auftreten”, heißt es in der Stellungnahme.

Zudem hätten aktuelle mathematische Modellierungen, die die nun dominierende Delta-Variante berücksichtigen, ergeben, dass für Kinder und Jugendliche ein deutlich höheres Risiko für eine SARS-CoV-2-Infektion in einer möglichen vierten Infektionswelle besteht.

So planen die Länder die Impfungen für Kinder und Jugendliche

Am 2. August hatten sich die Gesundheitsministerien darauf verständigt, dass Kinder ab 12 Jahren auch in den Impfzentren Impfangebote erhalten können. Auch an Schulen können Impfmobile eingesetzt werden. Vorher war die Impfung den Kinderärzten in den Praxen vorbehalten.

An Bayerns Schulen soll es mit Beginn des neuen Schuljahres soll es an Bayerns Schulen Impfaktionen in Zusammenarbeit mit den örtlichen Impfzentren geben. Das teilten Gesundheits- und Kultusministerium 19. August mit. Ziel ist es demnach, Schülerinnen und Schülern ab zwölf Jahren ein niedrigschwelliges Impfangebot zu machen. Vorgesehen sei, dass mobile Impfteams in die Schulen kämen – sofern sich Schulen, Impfzentren und Kommunen hierfür individuell untereinander koordinieren. Es sei aber keine flächendeckend angeordnete Aktion, erläuterte eine Sprecherin.

Es handele sich um ein Impfangebot, das Schüler freiwillig annehmen könnten, betonte Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU). “Ob in der Turnhalle, der Mensa oder im Impfbus auf dem Schulparkplatz: Entscheidend ist, dass das freiwillige Impfangebot zu den Kindern und Jugendlichen kommt.”

Kritik am Vorgehen der beiden Ministerien kam von der SPD-Landtagsfraktion: Die Staatsregierung verlasse sich auf das Engagement der Schulleiter, monierte die SPD-Gesundheitsexpertin Ruth Waldmann. Sie forderte klare Ansagen und eine vom Kultusministerium koordinierte Aktion.

Nordrhein-Westfalen kündigte bereits vor der allgemeinen Stiko-Empfehlung  an, dass zu Beginn des neuen Schuljahres 2021/2022 (ab dem 18. August 2021) sowohl Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe II als auch Beschäftigte der Berufskollegs spezielle Impfangebote erhalten sollen. Diese Impfangebote sollen in den 53 nordrhein-westfälischen Impfzentren durch die Kreise und kreisfreien Städte organisiert werden. Dabei können in Abstimmung mit den jeweiligen Schulträgern und der Schulleitung auch sogenannte aufsuchende – mobile – Impfangebote an oder in den Berufskollegs geschaffen werden.

Zudem wird geregelt, dass bei den Impfungen von Kindern und Jugendlichen zwischen 12 und 15 Jahren in den Impfzentren im Gegensatz zur Erstimpfung bei der Zweitimpfung keine Anwesenheit eines Kinder- und Jugendarztes erforderlich ist. Es kann dabei davon ausgegangen werden, dass die umfassende Aufklärung der Kinder bzw. Jugendlichen sowie ihrer Eltern im Rahmen der Erstimpfung erfolgt ist.

Nach der Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) für 12- bis 17-Jährige sehen SPD und Grüne im Düsseldorfer Landtag jetzt die Landesregierung am Zug. “Sie muss unverzüglich die entsprechende Infrastruktur zur Verfügung stellen, um allen 12- bis 17-Jährigen so schnell wie möglich ein Impfangebot machen zu können”, erklärte die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Lisa-Kristin Kapteinat am 16. August. “Vor allem angesichts der am Mittwoch wieder öffnenden Schulen und steigender Inzidenzwerte müssen wir in den entsprechenden Altersgruppen prioritär Impfungen anbieten.” Dazu gehörten neben den klassischen Impfzentren auch mobile Impfteams an Schulen.

Die Grünen-Fraktion forderte Impfangebote an allen weiterführenden Schulen, auch für die Sekundarstufe I. “Die Landesregierung ist jetzt gefordert, einfache, klare und mehrsprachige Informationen für die Eltern zur Impfung für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren bereitzustellen”, sagte die bildungspolitische Sprecherin der Grünen im NRW-Landtag, Sigrid Beer, dem Kölner Stadt-Anzeiger vom 17. August. Zudem sollten sich auch Familienangehörige in den Schulen unkompliziert mitimpfen lassen können.

Mecklenburg-Vorpommern will das Impfangebot gegen Corona für Kinder und Jugendliche an Schulen erweitern. Parallel zum Impfstart für Schülerinnen und Schüler ab 16 Jahren am 17. August werde eine Befragung jüngerer Schüler zu deren Impfbereitschaft erfolgen. Das kündigte ein Sprecher des Bildungsministeriums an. Das Ministerium reagierte damit auf die Entscheidung der Ständigen Impfkommission (Stiko), sich nach gründlicher Prüfung doch für Corona-Impfungen für alle Kinder ab 12 Jahren auszusprechen. In Mecklenburg-Vorpommern hat das Schuljahr am 2. August begonnen. Das Kultusministerium hatte bereits zu Schuljahresbeginn angekündigt, dass es bei einer allgemeinen Empfehlung der Stiko mobile Impfteams für Kinder ab 12 Jahren an Schulen geben soll.

Die Stadt Schwerin reagierte unterdessen umgehend auf die Entscheidung der Stiko. Am 18. und 19. August werde es im Impfzentrum der Stadt Impfangebote für Schüler geben, kündigte Oberbürgermeister Rico Badenschier (SPD) an. Sie könnten nach der Schule ohne vorherige Anmeldung ihre Impfung erhalten. Für beide Tage würden 600 Dosen des mRNA-Impfstoffes von Moderna zur Verfügung stehen. In der EU für Kinder und Jugendliche zugelassen ist ebenfalls der Impfstoff von Biontech/Pfizer.

Während bei Schülerinnen und Schülern zwischen 12 und 15 Jahren die Begleitung durch einen Sorgeberechtigten erforderlich sei, benötigten Jugendliche im Alter von 16 und 17 Jahren für die Impfung im Impfzentrum lediglich die schriftliche Zustimmung der Eltern. Dafür gebe es Formulare des Robert Koch-Instituts, hieß es aus der Stadtverwaltung.

Hamburgs Schulbehörde bereitet nach dem positiven Votum der Ständigen Impfkommission (Stiko) für Corona-Impfungen bei Kindern ab 12 Jahren an den weiterführenden Schulen entsprechende Impfangebote vor. „Erstmals empfehlen die Fachleute ausdrücklich die Impfung von Kindern und Jugendlichen ab 12 Jahren”, sagte Schulsenator Ties Rabe (SPD). Damit sei jetzt die Klarheit geschaffen, auf die viele Eltern, Kinder und Jugendliche, aber auch Ärztinnen und Ärzte lange gewartet hätten. Hamburg werde deshalb zügig seine Impfangebote für Kinder und Jugendliche ausbauen und erstmals auch an den weiterführenden Schulen für alle Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren Impfangebote machen.

Impfangebote werde es Schritt für Schritt an den 59 Stadtteilschulen und 63 Gymnasien für die rund 100.000 Schülerinnen und Schüler über 12 Jahren geben und damit die bestehenden Angebote an Praxen und Krankenhäusern ergänzen, sagte Rabe. Parallel dazu gebe es Informationen und Beratungen für Eltern, Schulbeschäftigte und die Schülerinnen und Schüler.

Rabe appellierte erneut an alle Erwachsenen, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen. Denn auch künftig könnten Kinder bis 12 Jahren nicht geimpft werden.

In Baden-Württemberg soll es mit Beginn des neuen Schuljahres mobile Impfteams an Schulen und Zeitfenstern in Impfzentren. „Jede Impfung hilft dabei, Schule in Präsenz und damit auch das soziale Miteinander zu gewährleisten”, sagte Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne), deren Haus gemeinsam mit dem Gesundheitsministerium in einem Brief an die Schulleitungen über das Angebot informiert hat. Kinder und Jugendliche könnten allerdings auch schon vorher beim Haus-, Kinder- und Jugendarzt sowie in Impfzentren oder bei Vor-Ort-Impfaktionen gegen das Coronavirus geimpft werden, betonte Schopper.

Bislang ist nach Angaben der beiden Ministerien von Mittwoch etwas mehr als jeder vierte 12- bis 17-Jährige in Baden-Württemberg mindestens einmal gegen das Coronavirus geimpft. Der Besuch einer Schule ist aber nicht abhängig von einer Impfung. „Es muss sich niemand Sorgen machen, von der Schule ausgeschlossen zu werden, wenn er oder sie nicht geimpft ist”, sagte auch Schopper.

Die Verantwortlichen der Schulen können laut Ministerium selbst entscheiden, ob sie ein mobiles Impfteam anfordern möchten. Das ist allerdings einer der Knackpunkte, den die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kritisiert. Der organisatorische Aufwand dürfe nicht den Schulleitungen zugeschoben werden, die derzeit zudem oft im Urlaub seien, sagte die GEW-Landesvorsitzende Monika Stein der Deutschen Presse-Agentur.

Außerdem schließen die größeren Impfzentren bereits Ende September nach den Planungen des Landes gebe es lediglich 18 mobile Impfteams. „Es kann nicht sein, dass sich die Schulleiter darüber streiten müssen, bei wem das mobile Impfteam vorbeikommt”, sagte Stein. Die Zahl der Teams müsse erhöht werden, forderte sie.

Auch in Schleswig-Holstein hat das Schuljahr schon begonnen. Ab 19. August können sich an den 250 Standorten von Gemeinschaftsschulen und Gymnasien die Schülerinnen und Schülern ab 12 Jahren sowie alle Beschäftigten von mobilen Teams der Kassenärztlichen Vereinigung gegen das Coronavirus impfen lassen. Das Impfangebot sei selbstverständlich freiwillig und kostenlos, betonte Bildungsministerin Karin Prien (CDU). Die Aktion für die Erstimpfungen solle zwei Wochen dauern. Jeweils nach drei Wochen sollen die Zweitimpfungen folgen, ebenfalls direkt an den Schulen.

Das Verwaltungsgericht in Schleswig hat einen Eilantrag gegen Corona-Schutzimpfungen an Schulen als unzulässig abgelehnt. Die Antragsstellerin wollte mit ihrem Antrag demnach erreichen, dass das Impfen von Schülerinnen und Schülern an den Gymnasien und Gemeinschaftsschulen in Schleswig-Holstein unterlassen wird. Der Frau, mutmaßlich Mutter eines betroffenen Kindes, fehle bereits die erforderliche Befugnis zur Klage, teilte das Gericht am 5. August mit.

In Berlin beginnt das neue Schuljahr am 9. August. An den Oberstufenzentren werde es nach Angaben der Senatsbildungsverwaltung ab dem ersten Schultag ein Impfangebot mobiler Teams geben, allerdings nur für Schülerinnen und Schüler ab 16 Jahren. Es richte sich zunächst an knapp 70.000 junge Erwachsene, die bereits volljährig seien. Auch 16- bis 18-Jährige, die eine Erlaubnis der Erziehungsberechtigten vorweisen können, erhalten ein Impfangebot.

Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) warb sogar in einem direkt an Tausende Schüler ab 12 Jahren adressierten Brief ausdrücklich für solche Impfungen. Bei manchen Eltern, die wegen der fehlenden Stiko-Empfehlung ohnehin verunsichert sind, kam das nicht so gut an. Sie fühlen sich eigenen Angaben zufolge übergangen oder ihre Kinder unter Druck gesetzt.

Der Vorsitzende des Landeselternausschusses Norman Heise wertete den Brief nicht als Bedrängung, sondern als „Gelegenheit, sich in den Familien über das Thema auszutauschen. Ob ein Kind geimpft wird oder nicht, bleibt die gemeinsame Entscheidung der Eltern und ihrer Kinder”, betonte Heise.

Auch in Brandenburg soll es ein Impfangebot an den Oberstufenzentren geben. Die große Mehrheit des Brandenburger Landtags hat am 10. August für das weitere Impfen gegen Corona geworben – auch bei Kindern und Jugendlichen. Die AfD-Fraktion hatte die Sondersitzung beantragt, da sie keine epidemische Lage in Deutschland sieht. Die AfD-Fraktion forderte, die Entscheidung der Gesundheitsministerinnen und Gesundheitsminister zu widerrufen und Impfungen in Schulen auszuschließen. Das lehnten die übrigen Fraktionen ab.

In Niedersachsen hat am  30. August eine landesweite Corona-Impfwoche für junge Menschen ab zwölf Jahren begonnen. Vor dem Schulstart am Donnerstag fanden an rund 50 Orten gezielt Impfaktionen für die Jüngeren statt, etwa in Jugendzentren, Innenstädten, an Berufsschulen, auf Sportplätzen oder Supermarktparkplätzen. Außerdem können sich die 12- bis 17-Jährigen auch weiterhin in Impfzentren des Landes und bei niedergelassenen Ärzten impfen lassen, wie das Gesundheitsministerium in Hannover mitteilte. Die Corona-Impfungen sind demnach teils mit und teils ohne Termin möglich. In jedem Fall müssen Minderjährige aber mit mindestens einem Elternteil zum Impfen kommen.

Sachsen Auch Sachsens Schülerinnen und Schüler erhalten ab dem 13. September an den Schulen freiwillige Impfangebote. Das Angebot richtet sich an Mädchen und Jungen ab zwölf Jahren. Sie werden für die Impfung vom Unterricht freigestellt. Vor allem in den ländlichen Regionen ist der Einsatz mobiler Impfteams des Deutschen Roten Kreuzes an ausgewählten Stützpunktschulen geplant. Melden sich an einer Schule etwa 80 Impfwillige, sind bei entsprechenden Kapazitäten der Impfteams auch Termine an der jeweiligen Schule selbst möglich. Seit Schuljahresbeginn wurde dazu anonym die Impfbereitschaft abgefragt. Bei Schülerinnen und Schülern unter 18 Jahren braucht es die Zustimmung der Eltern.

Was bedeutet die Delta-Variante für umgeimpfte Kinder und Jugendliche?

Für Kinder unter 12 Jahren gibt es bislang keinen zugelassenen Impfstoff, für die 12- bis 18-Jährigen empfiehlt die Ständige Impfkommission in Deutschland die Impfung nun allgemein.

Modellierer befürchten entsprechend, dass die Delta-Variante sich bei ungeimpften Schülerinnen und Schülern ausbreitet, wenn die Schulen zum Präsenzunterricht ohne Schutzmaßnahmen zurückkehren sollten.

Auch geimpften Lehrkräften und Eltern droht nach Kontakten etwa zu infizierten Kindern Quarantäne: Bei mit Varianten Infizierten empfehle man „grundsätzlich immer Quarantäne für geimpfte und genesene Kontaktpersonen”, hieß es vom RKI. Eine Ausnahme sei Alpha.

Wie wird eine Lehrer-Impfpflicht diskutiert?

Zunehmend heftig wird darüber diskutiert, wie Infektionen bei Minderjährigen und eine Virus-Weitergabe eingedämmt werden können. Der Humangenetiker Wolfram Henn vom Deutschen Ethikrat forderte am 12. Juli: „Wir brauchen eine Impfpflicht für das Personal in Kitas und Schulen.“

Henn argumentiert bezogen auf das Schul- und Kitapersonal: „Wer sich aus freier Berufswahl in eine Gruppe vulnerabler Personen hineinbegibt, trägt eben besondere berufsbezogene Verantwortung.“ Lehrkräfte, Erzieher und Erzieherinnen sollten vor allem Kinder unter zwölf Jahren schützen, sagte der Medizinethiker an der Universität des Saarlandes der „Rheinischen Post“.

Kritik an dem Vorstoß kam vom Verband Bildung und Erziehung. „Was wir jetzt nicht brauchen, ist eine Diskussion über eine Impfpflicht für eine Berufsgruppe, die mit überwältigender Mehrheit geimpft ist“, sagte der Chef der Gewerkschaft, Udo Beckmann. Die Impfquote bei Lehrkräften, Erzieherinnen und Erziehern liege teils bei 90 Prozent. Beckmann mahnte: „Wenn aus gesundheitlichen Gründen keine Impfung möglich ist, darf dies nicht in einem Berufsverbot enden.“

Die Bundesregierung lehnt Impfpflichten ebenfalls ab. Alle Menschen seien aufgerufen, sich impfen zu lassen – auch Lehr- und Erziehungskräfte, sagte ein Sprecher von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU). „Es wird keine Impfpflicht geben.“

Schulrechtsexperte Thomas Böhm erklärt im Interview mit dem Schulportal, unter welchen Umständen eine Impfpflicht juristisch überhaupt möglich wäre. “Eine Impfpflicht ist ein schwerwiegender Eingriff in Grundrechte und kann daher nur durch ein Gesetz erfolgen”, sagt Böhm.

Arbeitgeber sollen von Beschäftigten in Kitas, Schulen und Pflegeheimen künftig Auskunft über eine Corona-Impfung oder eine überstandene Covid-Erkrankung verlangen können. Mit den Stimmen von Union und SPD brachte der Gesundheitsausschuss des Bundestags am 3. September eine entsprechende Gesetzesänderung auf den Weg. Sie soll am Dienstag im Bundestag beschlossen werden. Gewerkschaften lehnen das geplante Auskunftsrecht als zu weitgehend ab. ie Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Maike Finnern, sagte der dpa: „Aus gutem Grund stehen persönliche Daten in Deutschland unter besonderem Schutz. Diesen Schutz müssen wir gewährleisten.”

Wie sieht es mit einer Corona-Impfung für Kinder unter 12 Jahren aus?

Für sie gibt es bisher keinen zugelassenen Impfstoff. Bisher hat auch noch kein Hersteller bei der zuständigen EU-Arzneimittelbehörde Ema einen Antrag auf Zulassung gestellt. Für alle vier bisher in der EU zugelassenen Impfstoffe gibt es aber einen Studien-Plan für die Anwendung bei Kindern unter 12 Jahren. Sobald die Studien in einer Altersgruppe abgeschlossen sind, kann für diese ein Antrag auf Zulassung gestellt werden. Wann das sein wird, ist nach Angaben der Ema noch unklar.