Online-Kongress : Eltern wollen Mut für mehr Inklusion machen

Wie erleben Eltern die inklusive Schule? Welche Hindernisse müssen sie mit ihren förderbedürftigen Kindern überwinden und wo finden sie Unterstützung? Vom 21. bis 28. März findet der erste von Eltern initiierte Online-Kongress zum Thema Inklusion statt, auf dem Eltern sowie Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Praxis ihre Erfahrungen austauschen. Das Schulportal hat mit der Initiatorin gesprochen.

Florentine Anders / 20. März 2019
Eltern gehen mit Kind auf einem Weg spazieren
Eltern mit behinderten Kindern berichten auf dem Online-Kongress zur Inklusion über ihre Erfahrungen im Bildungssystem. Expertinnen und Experten geben Tipps und stellen Forschungsergebnisse vor.
©Getty Images

Bettina Krück ist Mutter, hat einen siebenjährigen Sohn mit einem „Extra-Chromosom“ (Trisomie 21) und eine fünfjährige Tochter „mit extra viel Energie“. „Jedes Kind ist anders und auf seine Art normal“, sagt sie. Für die Mutter war schon in der Kita klar, dass für ihren Sohn eine inklusive Schule genau der richtige Ort zum Lernen sei. Doch auf der Suche nach einer passenden Schule stieß sie auf viele Hürden.

Um Erfahrungen zu teilen und anderen Eltern sowie Fachkräften Mut zu machen, hat sie den ersten Online-Kongress zum Thema Inklusion unter dem Titel „alle.s inklusiv“ organisiert.

Vom 21. März, dem Welt-Down-Syndrom-Tag, bis zum 28. März werden für die angemeldeten Teilnehmerinnen und Teilnehmer Interviews mit renommierten Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Praxis online gestellt, die dann in einem Zeitraum von 24 Stunden kostenlos abgerufen werden können. Außerdem gibt es Erfahrungsberichte von ehemaligen Schülerinnen und Schülern und von Lehrkräften. Beratungsstellen geben zusätzlich praktische Tipps zum Thema inklusive Beschulung.

Schulen und Eltern in der Umgebung zeigten sich skeptisch gegenüber der Inklusion

Anderthalb Jahre vor der Einschulung ihres Sohnes hatte Bettina Krück begonnen, sich mit der Suche nach einer inklusiven Schule für ihn zu beschäftigen. Die UN-Behindertenrechtskonvention war da schon seit acht Jahren in Kraft. Das gemeinsame Lernen von behinderten und nichtbehinderten Kindern war längst ein verbrieftes Recht in Deutschland. Doch in ihren Gesprächen mit Schulen, Eltern und Lehrkräften in der näheren Umgebung stieß sie vor allem auf viel Skepsis. In Baden-Württemberg sei Inklusion noch längst nicht selbstverständlich. Entsprechende Angebote gebe es wenige, sagt Bettina Krück.

Die Mutter begann, sich zu informieren. Sie nahm an Workshops teil, durchforstete Studien, trat einer Selbsthilfegruppe bei. Dabei hat sie vor allem eines gelernt: „Inklusion funktioniert, und es gibt sehr erfolgreiche Schulen“, sagt sie. Ende Juni – kurz vor Beginn der Sommerferien, als alle anderen zukünftigen Erstklässler bereits seit mehreren Monaten in der Schule angemeldet waren – hatte sie endlich eine Schule zugewiesen bekommen, in der ihr Sohn nun seit September 2018 stolzer Erstklässler ist. „Mit dem Online-Kongress will ich anderen Eltern und Fachkräften Mut machen, diesen Weg zu gehen“, sagt sie. Wenn man über den Tellerrand schaue, gebe es viele ermutigende Beispiele, auch wenn die Rahmenbedingungen zur Umsetzung oft alles andere als ideal seien.

Auf einen Blick

  • Der erste Online-Kongress zum Thema Inklusion findet vom 21. bis 28. März statt.
  • Registrierten Teilnehmerinnen und Teilnehmer können sich die Videos mit den Interviews 24 Stunden lang kostenlos ansehen. Registrierungen sind vor und während des Kongresses möglich.
  • Die Inhalte werden im Anschluss  in einem virtuellen Tagungsband, dem e-Tagungsband, zusammengefasst und stehen als Video-, Audio- und PDF-Datei gegen eine Gebühr zum Download bereit.
  • Mit dabei unter den Referentinnen und Referenten sind zum Beispiel der Inklusionsaktivist Raúl Krauthausen, der Inklusionsforscher Hans Wocken oder auch Christina Marx von Aktion Mensch.