Dieser Artikel erschien am 11.09.2018 in der taz
Autorin: Anna Lehmann

Bildungsbericht der OECD : Eltern prägen Chancen lebens­lang

Je höher gebildet die Eltern, desto besser die Chancen der Kinder, zeigt der jüngste Bildungs­bericht der OECD. Sehr stark ist auch der Einfluss der Herkunft.

Viel zu sehr bestimmt die Bildung der Eltern die Chancen ihrer Kinder.
Viel zu sehr bestimmt die Bildung der Eltern die Chancen ihrer Kinder.
©Unsplash/Annie Spratt

Der Einfluss des Elternhauses auf gleiche Chancen nimmt im Laufe des Lebens eher zu als ab. Zu diesem Schluss kommt der Bildungs­bericht der OECD „Bildung auf einen Blick“, der am Dienstag in Berlin vor­gestellt wird. Dabei spielen Faktoren wie der soziale Status der Eltern, Geschlecht und Herkunft eine starke Rolle.

Demnach ist die Wahrscheinlichkeit eine Kita zu besuchen, die Hoch­schul­reife zu erlangen und ein Studium oder eine vergleichbare höhere Berufs­bildung zu absolvieren, für diejenigen, deren Eltern einen niedrigeren Bildungs­stand haben, geringer als für diejenigen mit mindestens einem Eltern­teil mit einem Hoch­schul­abschluss haben.

Und: Wer nur eine einfache Berufs­bildung erworben hat, ist mit geringerer Wahr­scheinlich­keit in Beschäftigung und verdient weniger als jemand mit einem Hoch­schul­abschluss.

In Deutschland hat sich der Anteil der Unter-Drei­jährigen, die eine Kita besuchen seit 2005 deutlich erhöht und zwar von 17 auf 37 Prozent. Kinder, deren Mütter einen Hoch­schul­abschluss haben profitieren aller­dings in größerem Ausmaß von früh­kindlicher Bildung – fast jedes zweite unter Drei­jährige besucht eine Kita oder Tages­mutter.

13 Prozent der Jüngeren haben keinen Berufs­abschluss

Die OECD konstatiert, dass sich in den meisten Ländern nichts an dem starken Einfluss der Herkunft auf die Bildungs­chancen geändert habe und misst dies am Beispiel der Mathe­matik­leistungen. So liegt der Anteil der Kinder, die aus dem sozial benachteiligsten Milieu stammen und in Mathe­matik elementare Kenntnisse erreichen, in Deutschland mehr als 20 Prozent unter dem Anteil der Kinder aus der höchsten sozialen Status­gruppe.

In Deutschland haben 13 Prozent der Mittzwanziger bis Mittdreißiger keinen Berufsabschluss. Der Anteil ist etwas geringer als vor zehn Jahren, damals lag er bei 15 Prozent. Wer ohne Berufsabschluss bleibt, ist später fünfmal häufiger arbeitslos als Menschen mit einem Abschluss.

Zwischen Erwachsenen, die im Ausland und solchen, die im Inland geboren sind, gibt es allerdings erhebliche Unterschiede. Jeder dritte im Ausland geborene Erwachsene hat keinen Berufsabschluss, unter den inländischen Deutschen sind es nur neun Prozent. Diese Schere klafft in anderen Ländern weniger weit auseinander.

Der Anteil der Ausländer mit Hoch­schul­abschluss in Deutschland liegt wiederum leicht über ihrem Anteil an der Bevölkerung von einem Fünftel.

Höhere Bildung zahlt sich aus

Der Anteil der Menschen in Deutschland, die eine Hoch­schule besucht oder eine Meister- oder Techniker­prüfung abgelegt haben ist in zehn Jahren von 23 auf 31 Prozent gestiegen. Im gleichen Zeit­raum sank der Anteil derer, die einen Berufs­abschluss gemacht haben von 62 auf 56 Prozent. Damit liegt Deutschland inter­national im Trend – der Anteil der höher gebildeten stieg OECD weit eben­falls um 10 Punkte und beträgt aktuell 44 Prozent.

Dass höhere Bildung sich auszahlt, belegt der OECD-Bericht erneut: wer zumindest ein kurzes Studium oder eine Meister­aus­bildung absolviert hat, verdient rund 50 Prozent mehr als Menschen mit einfacher Berufs­bildung. Bei einem abgeschlossen Master­studium oder gar einer Promotion betragen die Einkommens­vorteil im Schnitt schon über 80 Prozent.