Schulen in der Corona-Krise : Dürfen die Kinder zurück?

Seit Monaten sind die Klassenräume leer, und die Angst vor Infektionen ist groß. Jetzt haben Epidemiologen, Ärzte und Pädagogen einen Plan, wie in den Schulen sicher unterrichtet werden kann.

Dieser Artikel erschien am 11.02.2021 in DIE ZEIT
Johanna Schoener, Jan Schweitzer und Jeannette Otto
leeres Klassenzimmer in der Corona-Pandemie
Ein leeres Klassenzimmer wartet auf Schülerinnen und Schüler (Symbolbild)
©dpa

Fast ein Jahr hat es gedauert, ein Konzept für einen Schulalltag mit Corona zu entwickeln. Elf lange Monate, in denen Kinder und Jugendliche zum Spielball der Politik wurden: Schulen zu, Schulen ein bisschen auf, Schulen ganz auf, Schulen zu. Die Folgen des bildungspolitischen Zickzackkurses sind nicht mehr zu übersehen. Kinder leiden unter Isolation, Jugendliche unter Zukunftsangst. Bildungsforscher warnen vor Wissenslücken, Ärzte vor psychischen Erkrankungen. Eltern fühlen sich zerrieben zwischen zu vielen Anforderungen. Lehrkräfte ächzen unter der Last, Hunderte ministerielle Schreiben umzusetzen. Elf Monate, in denen Politiker und Wissenschaftler viel Zeit damit verbrachten, Streitigkeiten auszutragen – und sich nie einig wurden, ob Kinder nun Treiber dieser Pandemie sind oder nicht. In denen 16 Bundesländer beteuerten, sie würden den Kurs der Kanzlerin mittragen, aber dann doch machten, was sie für richtig hielten.

Kein Wunder, dass kaum noch jemand hinhört, wenn ein neuer Plan verkündet wird. So ging fast unter, was am Montag bei einer Pressekonferenz in Berlin präsentiert wurde: Endlich gibt es ein Konzept für den Präsenzunterricht unter Corona-Bedingungen. Die wissenschaftliche Leitlinie, die federführend von der Epidemiologin Eva Rehfuess erarbeitet wurde, könnte tatsächlich etwas ändern in der festgefahrenen Debatte um die Schulen. Insbesondere, wenn man sie gemeinsam anwendet mit einer neuen Teststrategie für Kinder und Lehrer, die nun der ZEIT exklusiv vorliegt.

In München sitzt Eva Rehfuess vor der Kamera ihres Rechners und bittet, ihre Augenringe zu entschuldigen. Sie leitet an der Ludwig-Maximilians-Universität den Lehrstuhl für Public Health, im vergangenen Vierteljahr hat sie viele Tage und so manche Nacht durchgearbeitet. Die von ihr koordinierte Leitlinie wurde nicht nur in einer für die Wissenschaft irren Geschwindigkeit erstellt – sie wird zudem auch von allen relevanten medizinischen Fachgesellschaften und Verbänden aus dem Bildungsbereich mitgetragen. Und das ist bei der disparaten Debatte der vergangenen Monate, bei der sich mal diese, mal jene Interessengruppe zu Wort meldete, ein enormer Fortschritt. Doch die Dimension der Leitlinie drang bei der öffentlichen Vorstellung nicht durch. Stattdessen fing ein allgemeines Gemäkel an: Was an den Vorschlägen überhaupt neu sei?

Und es stimmt ja, Maske tragen, Klassenstärken reduzieren, Verdachtsfälle zu Hause lassen – all das ist lange bekannt.

Ziel der Leitlinie war es aber auch nicht, neue Maßnahmen zu entwickeln. Überprüft wurde vielmehr ihre wissenschaftliche Evidenz: Was bringen sie tatsächlich? Und unter welchen Umständen? Und wie kann man sie wann am besten anwenden? Rehfuess und ihr Team haben mit diplomatischem Geschick geschafft, was seither niemandem gelungen war: Fast schon feindlich gesinnte Lager empfehlen nun gemeinsam Maßnahmen zur Prävention und Kontrolle von Sars-CoV-2-Übertragungen in Schulen.

„Es gab bislang kein einheitliches Schutzkonzept, jedes Bundesland – und manchmal jede Schule – hat gemacht, was es für richtig hielt. Das versuchen wir nun mit der Leitlinie zu ändern“, sagt Eva Rehfuess.

Nur eine Frage haben sie und ihre Mitstreiterinnen ausgespart: Wie kann das Infektionsgeschehen im Schulalltag gründlicher als bisher überwacht werden? Das untersucht gerade Jörg Dötsch, Chef der Kinderklinik der Uni-Klinik Köln. Mit einem Team aus Infektiologen, Virologen, Kinder- und Jugendärzten des Nationalen Forschungsnetzwerks der Universitätskliniken in Deutschland arbeitet er seit fast einem halben Jahr an der Schulüberwachungsstudie „B-Fast“. An fünf Standorten in vier Bundesländern haben die Mediziner zwischen Oktober und Ende Dezember 2020 Schulkinder getestet. Ihr Ziel war es, Infizierte aufzuspüren und rasch zu isolieren, damit es nicht zu weiteren Ansteckungen kommt. Die Ergebnisse sind noch nicht publiziert. Doch je länger die Schulen zu sind, umso größer wird der Handlungsdruck und desto relevanter werden die Daten der Gruppe. Deshalb hat sich Dötsch entschieden, schon jetzt einen Einblick in seine Studie zu gewähren.

Rehfuess und Dötsch sind keine prominenten Einzelkämpfer. Ihre Namen stehen für enorme wissenschaftliche Kraftanstrengungen. Aus ihren Arbeiten lässt sich erstmals eine realistische Gesamtstrategie für einen Präsenzbetrieb an Schulen ableiten, der auch unter Pandemiebedingungen verantwortbar wäre.

Die Auswirkungen von Schulschließungen auf das Infektionsgeschehen

Die Wissenschaft hat damit vorgelegt, sie hat gezeigt, wie sich widerstreitende Interessen, verhärtete Lagerkämpfe auflösen lassen. Nun sind die Politiker gefragt, die einen absurden Flickenteppich geschaffen haben, der selbst mit unterschiedlichen Inzidenzen nicht mehr zu erklären ist. Während in Bayern aktuell nur Abschlussklassen im Präsenzunterricht lernen, gehen in Niedersachsen und Hessen etwa ein Viertel der Schüler in die Schulen, im Stadtstaat Bremen werden etwa 85 Prozent der Grundschüler vor Ort unterrichtet und über 50 Prozent der Kinder und Jugendlichen der weiterführenden Schulen.

Das föderale Bildungssystem steht in Pandemie-Zeiten nicht für Freiheit und Unabhängigkeit, es steht für Chaos und Ungerechtigkeit. Die Angst der Kultusminister ist groß, in dieser unübersichtlichen Lage Fehler zu machen. Besonders jetzt, da einerseits die Infektionszahlen sinken, sich andererseits aber die mutierten Virusvarianten weiter ausbreiten. Schon vor dem Treffen der Länderchefs mit der Kanzlerin am Mittwoch, dessen Ergebnisse erst nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe bekannt wurden, war abzusehen, dass die Schulfrage erneut zum Hauptstreitpunkt werden würde.

Dabei ist immer noch nicht klar, welche Rolle Schulschließungen beim Senken von Infektionszahlen überhaupt spielen. Von Beginn an standen Kinder unter Verdacht, „Pandemietreiber“ zu sein, also maßgeblich dazu beizutragen, dass sich das Virus schnell verbreitet. Für keine andere Bevölkerungsgruppe wurden derartige Zuschreibungen getroffen. Doch mit der Zeit zeigte sich, dass der Verdacht nicht zutraf, die Rolle der Kinder überschätzt worden war. Zwar gibt es Studien, die Schulen eine wichtige Rolle bei der Ausbreitung des Virus zuschreiben oder die in Schulschließungen ein wirksames Mittel zur Bekämpfung der Pandemie sehen. Genauso gibt es aber auch Untersuchungen, die zeigen, dass offene Klassenzimmer keine Gefahr sind, wenn strenge Hygienemaßnahmen gelten.

Ende Dezember hat die europäische Seuchenbehörde ECDC den Wissensstand zusammengefasst – und Erfahrungen aus 17 Ländern berücksichtigt. Ihre Schlussfolgerung bleibt uneindeutig: Schulschließungen können die Verbreitung des Coronavirus vermindern. Aber: Die Schulöffnungen Mitte August seien wohl „keine treibende Kraft“ für den Anstieg der Neuinfektionen gewesen, den man ab Oktober in vielen EU-Ländern beobachten konnte.

Ende Januar war im angesehenen Fachjournal Jama von Wissenschaftlerinnen der amerikanischen Seuchenbehörde CDC zu lesen, es gebe kaum Hinweise darauf, „dass Schulen wesentlich zu einer erhöhten Übertragung in der Gemeinschaft beigetragen haben“. Britische Forscher wiederum, die die maßgeblichen Studien ausgewertet hatten, raten Politikern, „einen maßvollen Ansatz zu wählen“, da die Evidenz so unterschiedlich sei und Schulschließungen schädliche Auswirkungen haben könnten.

Nichts Genaues weiß man also nicht – bis auf dies: Kinder und Jugendliche werden nur selten krank, wenn sie sich mit Sars-CoV-2 infizieren, viele zeigen nicht einmal Symptome.

Auch die Epidemiologin Eva Rehfuess und ihr Team haben sich durch Studien gewühlt – und insgesamt 40 Untersuchungen zu Präventionsmaßnahmen im Schulbetrieb gefunden. „Doch es waren vor allem Modellierungsstudien, deren Übertragbarkeit ins wirkliche Leben ist begrenzt“, sagt Rehfuess. Was an Evidenz herauszuholen war, ist in die Leitlinie eingeflossen. Seine Kraft aber zieht das Papier vor allem aus dem Konsens, der mit den verschiedensten Verbänden und Gruppierungen erzielt wurde, darunter das Robert Koch-Institut, die Gesellschaft für Virologie oder die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin, aber auch Lehrerinnen- und Schülervertreter, Gesundheits- oder Schulämter. Die Ideen mögen nicht neu sein, doch es kann schließlich auch nur dann Erfahrungen und Studien geben, wenn etwas bekannt ist und schon praktisch angewendet wurde. Nur so kann es bewertet werden.

Über viele Empfehlungen war man sich einig. Etwa darüber, dass abhängig vom Infektionsgeschehen die Schülergruppen reduziert werden sollten oder dass Schüler einen medizinischen Mund-Nasen-Schutz tragen sollen, wenn die Zahl der Neuinfektionen hoch ist. „Mehr diskutiert haben wir über die Frage, wie man mit Kindern umgeht, die Erkältungssymptome zeigen“, sagt Jörg Timm, Direktor des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Düsseldorf, der an der Leitlinie beteiligt war. Wer darf noch zur Schule, wer nicht? Am Ende hätten sie einen „ausgewogenen Kompromiss gefunden“: Schüler, bei denen nur die Nase läuft oder die nur gelegentlich husten und kein Fieber und keine Geschmacksstörungen haben, „sollten weiterhin regulär am Präsenzunterricht teilnehmen“ steht in der Leitlinie.

Die Angst vor einer vorschnellen Öffnung

Auch über die Mutationen des Virus wurde gesprochen. „Prinzipiell greifen die empfohlenen Maßnahmen auch, wenn die neuen Varianten sich verbreiten“, sagt Rehfuess. Man müsse aber gegebenenfalls die Intensität des Infektionsgeschehens, an dem sich die Maßnahmen orientieren, höher einordnen, „sodass man selbst bei einer relativ niedrigen Inzidenz angesichts der Gefahr neuer Varianten entscheidet, noch mal vorsichtiger vorzugehen“. Ohnehin ist vorgesehen, die Leitlinie fortwährend zu aktualisieren.

Was aber passiert jetzt mit den Erkenntnissen? Greift die Politik zu und setzt sie um? Können sich Schüler, Eltern und Lehrer je nach Infektionslage auf konkrete Szenarien einstellen?

Egal in welchem Kultusministerium man sich umhört: Die Bildungsminister begrüßen die Leitlinie als „wichtigen Diskussionsbeitrag“. Sie enthalte allerdings „im Kern nichts Neues“, ist etwa aus dem niedersächsischen Kultusministerium zu hören. Die angeführten Maßnahmen würden bereits umgesetzt. Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Britta Ernst, fügt hinzu: Da, wo es bislang keine Übereinstimmung zu aktuellen Maßnahmen gebe, „werden wir uns die Empfehlungen nochmals genauer anschauen und ihre Umsetzung prüfen“. In ihren Beratungen am Montagabend haben die Kultusminister ihre Öffnungspläne für die unteren Jahrgänge bekräftigt. In vielen Bundesländern liegen längst konkret terminierte Szenarien dafür vor.

Noch nie standen die Bildungspolitiker der Länder so unter Druck und in der Kritik wie in den vergangenen Monaten. Die Kultusminister haben es versäumt, den Schulbetrieb mit 8,3 Millionen Schülerinnen und Schülern und rund 800.000 Lehrerinnen und Lehrern konsequent an die veränderten Anforderungen einer Pandemie anzupassen.

Darauf weisen in diesen Tagen vor allem die Lehrerverbände hin. „Für uns ist immer noch die Balance zwischen Gesundheitsschutz und Bildungsauftrag entscheidend“, sagt Heinz-Peter Meidinger, der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes. Er kennt die Sorgen der Pädagogen. Die Angst vor einer vorschnellen Öffnung, vor einem nicht kalkulierbaren Risiko durch die neuen Mutationen sei groß. Gleichzeitig sind sich viele Lehrer bewusst, dass noch längere Schulschließungen für manche Schüler kaum zu verantworten sind.

Simone Fleischmann würde es begrüßen, wenn der Schulbetrieb endlich von Maßnahmen begleitet wird, deren Wirksamkeit bewiesen ist. „Die müssen dann aber auch gut erklärt und überall umgesetzt werden.“ Nur so würden sich Lehrer und Schüler überhaupt wieder in die Schule trauen, sagt die Präsidentin des Bayerischen Lehrerverbandes. In Nürnberg haben sich kürzlich Schülerinnen und Schüler der Abiturientenklassen geweigert, in den Präsenzunterricht zu gehen. Was jetzt helfen und zuversichtlicher stimmen würde? Wenn sich Lehrer früher impfen lassen könnten als geplant und „eine realistische, bezahlbare Teststrategie“.

Der Mediziner Jörg Dötsch hat genau das erprobt. Bei den 3.500 Kindern und Lehrkräften, die die Forscher um den Chef der Kinderklinik in Köln jeweils über drei Wochen getestet haben, ist es fast in allen Fällen gelungen, asymptomatisch infizierte Kinder rechtzeitig zu erkennen und aus den betroffenen Klassen und Kohorten herauszunehmen. In Absprache mit den Gesundheitsämtern durfte der Rest der Gruppe ohne Quarantäne-Vorsichtsmaßnahmen weiter unterrichtet werden.

Testen nach „Lollipop-Methode“

Zur Frage, wie realistisch eine Ausweitung solcher Tests wäre, ist auch das Verfahren interessant, mit dem die Studie arbeitet. Die Kinder durften auf einem herkömmlichen Abstrichtupfer herumlutschen. Mit dieser „Lollipop-Methode“ wurden Speichelproben von der ganzen Klasse gesammelt und gepoolt. Das heißt: Die Proben wurden zusammengefasst und nur einem einzigen PCR-Test unterzogen. Erst wenn ein positiver Fall darunter war, wurde der Pool aufgelöst – alle Kinder der Klasse wurden einzeln getestet. Deutlich günstiger und 100- bis 1.000-mal sensitiver als Schnelltests seien die so gewonnenen Proben, sagt Dötsch. „Wir können davon ausgehen, dass wir mit Speicheltests die allermeisten infektiösen Kinder herauspicken können.“

Wer die „B-Fast“-Ergebnisse kennt, kann nur staunen über die aktuellen Diskussionen um Testverfahren in den Bundesländern – wenn sie denn überhaupt stattfinden. Eine Strategie ist bisher kaum zu erkennen. Man setzt häufig auf Schnelltests für Lehrer. Kinder werden in die Überlegungen meist gar nicht einbezogen.

„Schnelltests sind grundsätzlich eine Alternative“, sagt Dötsch, „aber unser Verfahren ist präziser, billiger und einfacher für Kinder und Lehrkräfte.“ Allerdings sei der logistische Aufwand nicht zu unterschätzen. Jemand müsste geschult werden, um den Speicheltest anzuleiten. Danach muss man die gepoolten Proben in die Labore schicken. Die müssen die Kapazitäten vorhalten – was auch mal schwierig werden kann, wenn es lokal etwa zu größeren Ausbrüchen kommt. Bei positiven Verdachtsfällen würde das Gesundheitsamt eingeschaltet, das dann entsprechende Maßnahmen einleiten würde.

Wie realistisch ist es also, dass bald in ganz Deutschland Schülerinnen und Schüler zweimal pro Woche auf Tupfer-Lollipops herumkauen, damit sie gemeinsam mit ihren Freunden Mathe oder Englisch lernen können? Das hängt zum einen davon ab, welches Szenario man wählen würde. Theoretisch wäre so ein Verfahren flächendeckend an allen Schulen anwendbar, allerdings mit enormem Aufwand und hohen Kosten. „In dieser Größenordnung wird das aber vielleicht gar nicht nötig sein“, sagt Dötsch. Er und seine Kollegen schlagen vor, zehn Prozent der Schüler zu testen – das würde vermutlich ausreichen, um auf ein Gesamtbild schließen zu können. Eine solche Menge, das hätten Gespräche mit Gesundheitsämtern und Laboren ergeben, sei realistisch. Es müsste allerdings noch ein Testszenario entworfen werden, das das tatsächliche Infektionsgeschehen abbildet. Dafür plant Dötsch eine dreiwöchige Pilotphase in Köln. Eine dritte Möglichkeit wäre, mit den Tests nur situativ auf das Infektionsgeschehen zu reagieren, etwa wenn es in einem Stadtteil zu größeren Ausbrüchen kommt.

Angenommen, eine Stadt mit einer Million Einwohnern entscheidet sich für das zweite Szenario und testet zehn Prozent seiner Schüler: Knapp 100.000 Euro würde das die Kommune pro Woche kosten – so haben es die Wissenschaftler berechnet. Ob eine so umfangreiche Strategie flächendeckend eingesetzt werden wird, hängt also auch von der Frage ab, wie viel uns der Schulbetrieb während der Pandemie wert ist.

Jörg Dötsch ist auch Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin. Blickt er in dieser Rolle auf seine Studienergebnisse – und auf die potenziellen Folgen von Schulschließungen für Kinder und Jugendliche, insbesondere aus bildungsfernen Elternhäusern, ist seine Schlussfolgerung eindeutig: „Wir sollten die Schulen möglichst schnell wieder aufmachen. Wenn man sie gut überwacht, sind wir in der Lage, das Infektionsgeschehen dort zu kontrollieren.“

Der Streit um die Schulen ist der emotionalste in dieser Krise. Dass die Situation heute anders und durch die Virusvarianten noch bedrohlicher ist als vor einem Jahr, macht Entscheidungen so kompliziert. Doch noch nie wurden konkrete Empfehlungen von einer so breiten Basis an Wissenschaftlern, Ärzten und Pädagogen mitgetragen. Nach einem Jahr Ausnahmezustand hat die Politik damit keine Ausreden mehr, Kindern und Jugendlichen wieder eine echte Perspektive zu geben.