Digitalisierung : Kinderleicht programmieren

Das Fraunhofer-Institut IAIS hat in Berlin die ersten „Coding Hubs“ eröffnet. An diesen außerschulischen Lernorten sollen Kinder ab der dritten Klasse Programmieren lernen können.

Regina Köhler / 23. April 2018
In sogenannten Coding Hubs lernen Kinder und Jugendliche spielerisch das Programmieren kleiner Roboter.
In sogenannten Coding Hubs lernen Kinder und Jugendliche spielerisch das Programmieren kleiner Roboter.
©Fraunhofer IAIS

Grundschülerinnen und Grundschüler programmieren einen Lego-Roboter

Wie bringt man einen Roboter dazu, rückwärts zu laufen? Kinder können das in Berlin jetzt einfach mal ausprobieren und Mini-Roboter selbst programmieren. Seit Mitte März gibt es fünf außerschulische Lernorte, sogenannte Coding Hubs, in denen das möglich ist. „Coding Hub“ bedeutet so viel wie „Programmier-Zentrum“. Weil aber die deutsche Bezeichnung ziemlich sperrig ist, haben die Macher sich für die englischsprachige Version entschieden.

Die Coding Hubs sind ein Projekt des Fraunhofer-Instituts für Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS und der Google Zukunftswerkstatt. Bis 2020 sollen bundesweit insgesamt 30 solcher außerschulischen Lernorte eröffnen. Google.org stellt dafür insgesamt fünf Millionen Dollar bereit. „Wir sind aber auch auf der Suche nach weiteren Unterstützern, zum Beispiel Ministerien, Stiftungen oder andere Initiativen“, sagt Thorsten Leimbach vom Fraunhofer Institut IAIS. Der wissenschaftliche Mitarbeiter ist für das Projekt zuständig. Dass Google als Technologieunternehmen digitale Kompetenzen und Mündigkeit bei jungen Menschen fördern möchte, liegt nahe. Man wolle das Projekt aber auf breitere Füße stellen.

Wir wollen, dass die Kinder die digitalen Geräte nicht nur nutzen, sondern dass sie auch verstehen, wie diese funktionieren, und später mal in der Lage sind, die digitale Welt mitzugestalten.
Thorsten Leimbach, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fraunhofer-Institut IAIS

„Unser Ziel ist es, Kinder und Jugendliche von der dritten Klasse an für Technik zu begeistern sowie grundlegende Kenntnisse in Informatik und Programmieren zu vermitteln“, sagt Leimbach. Jedes Kind habe inzwischen ein Smartphone in der Hosentasche, aber nur wenige wüssten, was so ein Gerät bewirken könne. „Wir wollen, dass die Kinder die digitalen Geräte nicht nur nutzen, sondern dass sie auch verstehen, wie diese funktionieren, und später mal in der Lage sind, die digitale Welt mitzugestalten“, sagt Leimbach.

Auch Schulklassen können Kurse buchen

In Berlin eröffneten die ersten Coding Hubs an der Freien Universität (FU) Berlin, in der Stadtbibliothek Pankow, im Medienzentrum Pankow sowie in der Junge Tüftler gGmbH und im LIFE e.V. Jede Einrichtung wird einen individuellen Schwerpunkt setzen. So will sich der Coding Hub an der FU Berlin unter anderem auf die didaktische Einbindung des Programmierens im Deutsch- und Sachkundeunterricht spezialisieren, während LIFE e.V. das Programmieren als Teil der Berufsorientierung im MINT-Bereich für Mädchen und junge Frauen fördern will.

Coding Hubs sind außerschulische Lernorte, an denen Schulklassen spielerisch ans Programmieren herangeführt werden.
Coding Hubs sind außerschulische Lernorte, an denen Schulklassen spielerisch ans Programmieren herangeführt werden.
©Anika Lampe

Die einzelnen Coding Hubs bieten unterschiedlich lange Kurse an, an denen die Kinder kostenlos teilnehmen können. Auch Schulklassen können diese Kurse buchen. Zunächst geht es vor allem darum, das Interesse der Kinder und Jugendlichen zu wecken und sie spielerisch an das Programmieren heranzuführen. „Dabei haben wir den Kindern erst mal relativ viel abgenommen, damit sie sich nicht gleich überfordert fühlen“, sagt Leimbach. Mitarbeiter des Fraunhofer-Instituts haben eine Programmmaske entwickelt, die es den Schülerinnen und Schülern leicht macht, selbst zu programmieren und relativ schnell voranzukommen.

Eine eigene Programmiersprache für Kinder

Mit nur wenigen Klicks lassen sich aus der Maske Befehle wie Vorwärts- oder Rückwärtsfahren auswählen, um den Mini-Computer zu steuern. Das funktioniert auf dem Bildschirm, aber auch in der Realität, etwa mit kleinen Lego-Robotern, die man vorwärts-, rückwärts- oder im Kreis fahren lassen oder über Lautstärke steuern kann. Man könne aber auch die Ebene hinter den einfachen Befehlen öffnen, auf der die Befehle in technischer Form und damit in der Programmiersprache erscheinen, sagt Leimbach. Fortgeschrittene könnten auf dieser Ebene weitere Befehle dazuschreiben – das wäre dann richtiges Programmieren.

In Coding Hubs können Kinder und Jugendliche Lego-Roboter zum Laufen bringen.
In Coding Hubs können Kinder und Jugendliche Lego-Roboter zum Laufen bringen.
©Fraunhofer IAIS

Schulungen für auch Lehrkräfte

Das Fraunhofer-Institut kümmert sich auch um die Schulung derjenigen, die mit den Kindern in den Coding Hubs arbeiten. Das sind meist Leute, die zum Personal der jeweiligen Einrichtungen gehören, in denen die Hubs eröffnet worden sind. Die zweitägigen Schulungen bestehen aus einem Basis- und einem vertiefenden Modul. „Wir haben diesbezüglich bereits gute Erfahrungen mit der Schulung von Grundschullehrern gemacht“, sagt Leimbach. Dabei ging es um das Projekt „Roberta – Lernen mit Robotern“, das Grundschulkinder in die Welt der Computertechnik einführen soll.

In Berlin sind im vergangenen Jahr bereits 100 Lehrerinnen und Lehrer geschult worden, weitere 100 sollen es in diesem und im kommenden Jahr sein. Auch in anderen Bundesländern gab es bereits derartige Schulungen für Grundschulpädagogen. „Die Lehrkräfte nehmen dieses Angebot gerne an“, sagt Thorsten Leimbach. „Sie wissen längst, dass an der digitalen Bildung nichts mehr vorbeiführt.“

Ob es um Kurse an Grundschulen geht oder um die in Coding Hubs – gemeinsam ist allen, dass sie auf einer Programmiersprache beruhen, die das Fraunhofer-Institut eigens dafür entwickelt hat. „Wir haben zudem eine eigene Software in eine Cloud eingestellt – die ist für alle Betriebssysteme verfügbar“, sagt Thorsten Leimbach. Die Schulen, aber auch die Coding Hubs würden nur einen gängigen Browser benötigen. Mit welchen Computern sie arbeiten, spiele keine Rolle.

Auf einen Blick

  • Coding Hubs bieten Kurse, in denen Kinder und Jugendliche kostenlos das Programmieren lernen können.
  • Insgesamt 30 Einrichtungen stattet das Fraunhofer IAIS mit Unterstützung der Google Zukunftswerkstatt bis 2020 bundesweit mit Laptops und programmierbaren Robotik-Systemen aus.
  • Die Angebote werden in außerschulischen Lernorten eingerichtet, etwa in Bibliotheken, Universitäten oder Jugendeinrichtungen.
  • Das Fraunhofer-Institut IAIS bildet das Personal vor Ort zu zertifizierten Roberta-Teachers aus.
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