Monitor Lehrerbildung : Digitale Kompetenzen sind im Lehramtsstudium selten verpflichtend

Noch immer ist es in Deutschland möglich, ein Lehramtsstudium zu absolvieren, ohne digitale Kompetenzen erwerben zu müssen. Vergleichsdaten des Monitor Lehrerbildung zeigen für die vergangenen Jahre trotz Corona nur geringe Fortschritte. Bildungsexpertinnen und Bildungsexperten  fordern deshalb Bund, Länder und Hochschulen zum Handeln auf.

24. November 2021
Lehrerin mit Tablet vor der Klasse
Verpflichtende Angebote zum Erwerb digitaler Medienkompetenz sind im Lehramtsstudium an deutschen Hochschulen weiter eher Ausnahme als Regel.
©Julian Stratenschulte/dpa

Wer in Deutschland Lehrerin oder Lehrer werden möchte, kann laut einer Untersuchung sein Studium vor dem Gang ins Referendariat noch immer ohne Digitalkompetenz abschließen. Laut einer Mitteilung des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) aus Gütersloh vom 24. November 2021 geben nur 20 Prozent der Hochschulen verpflichtende Angebote für alle Lehramtsstudierenden unabhängig vom Lehramtstyp vor, wie das CHE am Mittwoch mitteilte.

Im Vergleich von Daten aus dem Monitor Lehrerbildung, einer Datenbank mit Infos von 61 Hochschulen aus 16 Bundesländern, hat es laut CHE von 2017 bis 2020 nur geringe Fortschritte bei der Verankerung des Themas in den Lehrplänen gegeben. Digitale Medienkompetenz umfasst laut CHE die Bereiche Medienkritik, Medienkunde, Mediennutzung, Mediengestaltung und Mediendidaktik.

Bildungsexpertinnen und Bildungsexperten des Kooperationsprojektes Monitor Lehrerbildung warnen in einem Policy Brief nun eindringlich vor den Folgen der Stagnation beim Thema Digitalisierung in der Lehrerbildung. Nehme man das bisherige Tempo als Grundlage, dann dauere es beispielweise für das Lehramt an Gymnasien bis ins Jahr 2040, ehe digitalisierungsbezogene Kompetenzen flächendeckend in der ersten Phase der Lehrerbildung etabliert sind. Vorher bleibe esweiterhin möglich, ins Referendariat zu starten, ohne sich im vorausgegangenen Lehramtsstudium jemals mit dem didaktischen Einsatz digitaler Medien und ihrer Bedeutung für Schule und Unterricht befasst zu haben.

Bund, Länder und Hochschulen müssen den nachhaltigen Aufbau digitalisierungsbezogener Kompetenzen bei angehenden Lehrkräften schnellstmöglich viel stärker in den Fokus rücken”, sagt Volker Meyer-Guckel, stellvertretende Generalsekretär des Stifterverbandes. Dagmar Wolf, Bereichsleiterin Bildung bei der Robert Bosch Stiftung, forderte: „Wir brauchen dringend eine digital-didaktische Qualifizierung künftiger Lehrkräfte“. Dazu müsse Digitalisierung zu einem echten Querschnittsthema in der Lehrerbildung werden, von den Fach- und Bildungswissenschaften über die Fachdidaktik bis zum Referendariat.

Bereits 2016 verabschiedete die KMK die Strategie „Bildung in der digitalen Welt“. Anfang Oktober 2021 erarbeitete die neu eingerichtete Ständige Wissenschaftliche Kommission (Stäwiko) der KMK Empfehlungen zur Weiterentwicklung der Strategie, damit die Zielsetzungen auch tatsächlich erfüllt werden.

Der Monitor Lehrerbildung ist ein gemeinsames Projekt von Bertelsmann Stiftung, CHE Centrum für Hochschulentwicklung, Robert Bosch Stiftung GmbH und Stifterverband. dpa/fa