Corona-Kinderkrankentage : Diese Finanzhilfen gibt es jetzt für Eltern

Erst waren es 10 Tage, dann 20, und nun dürfen sich Eltern 30 Tage lang freistellen lassen, um ihre Kinder zu betreuen. Hier die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Dieser Artikel erschien am 26.04.2021 in DER SPIEGEL
Verena Töpper
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Schon wieder ist die Kita geschlossen, und der Präsenzunterricht an der Schule fällt aus, und schon wieder können Sie nicht in Ruhe arbeiten? In solchen Fällen können Sie Kinderkrankengeld beantragen.

Diese Leistung der gesetzlichen Krankenkassen ist eigentlich dafür gedacht, dass sich Eltern von ihrer Arbeit freistellen lassen können, um ein Kind im Krankheitsfall zu pflegen. Während der Coronakrise wurde diese Definition jedoch erweitert: Eltern dürfen nun auch Kinderkrankentage nehmen, wenn sie schlicht keine Betreuungsmöglichkeit für ihr Kind haben. Und zum zweiten Mal wurde die Zahl der Tage erhöht – auf nun 30 Tage pro Kind und Elternteil.

Hier die Antworten auf die wichtigsten Fragen:

Wer kann Kinderkrankengeld beantragen?

Grundsätzlich alle Berufstätigen, die genau wie die betroffenen Kinder gesetzlich versichert sind und bei denen keine im Haushalt lebende Person die Kinderbetreuung übernehmen kann.

Wie ist es, wenn einer gesetzlich und der andere privat versichert ist?

Anspruch auf Kinderkrankengeld haben Sie nur, wenn Sie selbst und das Kind gesetzlich versichert sind. Ist das Kind mit dem anderen Elternteil privat versichert, besteht kein Anspruch auf Kinderkrankengeld. (Mehr zu den Möglichkeiten für Privatversicherte weiter unten.)

Wie viele Kinderkrankentage kann ich einreichen?

In Vor-Pandemie-Zeiten standen jedem gesetzlich versicherten Elternteil pro Kind zehn Tage Kinderkrankengeld zu. Diese Zahl wurde für das Jahr 2021 erst auf 20 und nun auf 30 Tage erhöht. Wer mehrere Kinder hat, kann maximal 65 Tage Kinderkrankengeld beantragen. Alleinerziehende haben Anspruch auf 60 Tage pro Kind, bei mehreren Kindern maximal 130 Tage.

Beispiel: Bei einer Familie mit zwei Elternteilen und drei Kindern könnten die Eltern insgesamt 130 Arbeitstage – also rund sechs Monate – freinehmen.

Gilt die Regel auch, wenn man im Homeoffice arbeitet?

Ja. Auch Eltern, die im Homeoffice arbeiten oder dies theoretisch könnten, haben bei entsprechendem Kinderbetreuungsbedarf die Möglichkeit, stattdessen Kinderkrankengeld zu beantragen.

Muss ich bei der Krankenkasse den Kinderbetreuungsbedarf nachweisen?

Das kommt auf die Krankenkasse an, bei den meisten reicht aber das Ausfüllen eines (Online-)Formulars. Die Techniker Krankenkasse und die Barmer weisen zum Beispiel explizit darauf hin, dass sie keine Nachweise verlangen, ob eine Notbetreuung möglich wäre.

Was ist, wenn die Schule Präsenzunterricht anbietet oder die Kita eine Notbetreuung, ich mein Kind aber aus Angst vor einer Infektion gar nicht hinschicken will?

Generell gilt: Sie sind nicht dazu verpflichtet, für Ihre Kinder eine Notbetreuung in Anspruch zu nehmen. „Nur weil es theoretisch die Möglichkeit einer Notbetreuung gibt, scheitern Sie nicht mit Ihrem Antrag auf Kinderkrankengeld”, sagt Arbeitsrechtsanwalt Alexander Birkhahn aus Koblenz. Kompliziert könne es allerdings beim Wechselunterricht an Schulen werden. „Da ist entscheidend, ob für Ihr Kind eine Präsenzpflicht gilt oder nicht. Und das kann in jedem Bundesland anders sein.”

Was ist, wenn mein Kind im Wechselunterricht nur jeden zweiten Tag in die Schule darf? Kann ich dann jeden zweiten Tag Kinderkrankengeld beantragen?

Ja, das können Sie bis zu der für Sie geltenden Maximalanzahl an Tagen. Bei einigen Krankenkassen müssen Sie in so einem Fall das Kinderkrankengeld auch nicht jeden Tag neu beantragen, sondern können Zeiträume angeben, an denen Sie Ihr Kind tageweise betreuen, beispielsweise immer montags, mittwochs und freitags.

Wie alt dürfen die Kinder maximal sein, um für ihre Betreuung Kinderkrankengeld zu bekommen?

Die Regelung gilt für Kinder bis zwölf Jahre. Der Anspruch erlischt am zwölften Geburtstag. Für Kinder mit Behinderung, die auf Hilfe angewiesen sind, gibt es keine Altersgrenze.

Kann ich ungenutzte Tage an den anderen Elternteil überschreiben?

Gesetzlich besteht darauf kein Anspruch, aber es ist grundsätzlich möglich – wenn der Arbeitgeber, der einen Elternteil dann freistellen muss, damit einverstanden ist. Betroffene, die ihre Kinderkrankentage schon ausgeschöpft haben, sollten deshalb als Erstes das Gespräch mit dem Arbeitgeber suchen.

Kann mein Arbeitgeber verlangen, dass ich erst Überstunden abbaue, bevor ich Kinderkrankengeld beantrage?

Nein. Wenn Eltern Kinderkrankentage nehmen, haben sie einen Anspruch auf Freistellung. Ein Abbau von Überstunden kann auch nicht mit Verweis auf andere Regelungen oder Betriebsvereinbarungen verlangt werden.

Kann ich auch Kinderkrankengeld für halbe Tage bekommen?

Nein. Die gesetzliche Regelung sieht einen Anspruch für die unbezahlte Freistellung für einzelne Arbeitsstunden oder halbe Tage nicht vor.

Ich arbeite Teilzeit. Stehen mir genauso viele Kinderkrankentage zu?

Obwohl gerade Eltern häufig in Teilzeit arbeiten, ist dieser Fall gesetzlich nicht ganz eindeutig definiert. „Interessanterweise wird diese Frage weder in der juristischen Wissenschaft noch in der Rechtsprechung diskutiert”, sagt Arbeitsrechtsanwalt Alexander Birkhahn. Seines Erachtens besteht der volle Anspruch aber auch bei Teilzeitbeschäftigung. „Da das Gesetz keine Einschränkung für Teilzeitbeschäftigte vorsieht, dürften die Werte für alle gelten.”

Was ist mit Schulferien?

Werden Ferien durch die Pandemie verlängert oder außerplanmäßig beschlossen, gilt in diesem Zeitraum ebenfalls Anspruch auf Kinderkrankengeld. Für reguläre Ferienzeiten ist dies nicht der Fall.

Wie viel Kinderkrankengeld bekomme ich?

Das Kinderkrankengeld beträgt etwa 90 Prozent des ausgefallenen Nettolohns. Hat man in den vorigen zwölf Monaten Einmalzahlungen wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld bekommen, kann der Betrag sogar zwischen 90 und 100 Prozent des Nettogehalts liegen.

Was gilt für Privatversicherte oder Selbstständige?

Da gelten gesonderte Regeln:

  • Privatversicherte: Ist ein Kind über einen privat versicherten Elternteil krankenversichert, hat keiner der beiden Elternteile Anspruch auf das Kinderkrankengeld – auch nicht der gegebenenfalls gesetzlich versicherte Partner. Für privat Krankenversicherte gibt es die Möglichkeit einer Entschädigung für Verdienstausfall nach dem Infektionsschutzgesetz. Hier ist die Entschädigung allerdings bei 2016 Euro pro Monat gedeckelt.
  • Selbstständige: Wer hauptberuflich selbstständig und gesetzlich krankenversichert ist, kann nur dann das Kinderkrankengeld beantragen, wenn im Versicherungsschutz ein Anspruch auf das reguläre Krankengeld besteht.
  • Beamte: Für Bundesbeamte gilt ebenfalls ein Anspruch auf die erweiterten Kinderkrankentage. Über die Regelung für Landesbeamte entscheiden die einzelnen Landesbehörden.
  • 450-Euro-Jobber: Eltern mit geringfügig entlohnter Beschäftigung haben keinen Anspruch auf Kinderkrankengeld, da sie nicht krankenversicherungspflichtig sind. Sie haben jedoch Anspruch auf unbezahlte Freistellung von der Arbeit.
  • Personen in Kurzarbeit: Auch während der Kurzarbeit steht gesetzlich Versicherten das Kinderkrankengeld zu. Aber: Kurzarbeitergeld und Kinderkrankengeld dürfen nicht gleichzeitig bezogen werden.

Wie beantrage ich das Kinderkrankengeld?

Der Antrag läuft direkt über die jeweilige gesetzliche Krankenkasse. Die Kassen haben auf ihren Websites Formulare für die neue Regelung zum Download bereitgestellt.

Für welchen Zeitraum gilt die Regelung?

„Sie gilt, solange eine epidemische Lage festgestellt ist”, sagt Arbeitsrechtsanwalt Alexander Birkhahn. Sie können das Kinderkrankengeld auch rückwirkend bis zum 5. Januar 2021 beantragen.

Welche anderen finanziellen Hilfen gibt es für berufstätige Eltern?

Alle Eltern haben unabhängig vom Kinderkrankengeld zusätzlich einen Anspruch auf Corona-Sonderurlaub und eine damit verbundene Verdienstausfallzahlungen nach Paragraf 56 Absatz 1a des Infektionsschutzgesetzes. Dies umfasst bis zu zehn Wochen pro Elternteil und bis zu 20 Wochen bei Alleinerziehenden. Allerdings beträgt die Entschädigung nur etwa 67 Prozent des Nettogehalts und ist bei 2016 Euro pro Monat gedeckelt. Gezahlt wird das Geld vom Arbeitgeber, der sich die Leistung anschließend vom Gesundheitsamt erstatten lassen kann.

Welche Voraussetzungen müssen für eine solche Verdienstausfallzahlung gegeben sein?

Sie müssen dem Arbeitgeber glaubhaft machen, dass es keine anderweitig zumutbare Betreuungsmöglichkeit für Ihr Kind gibt. Keine Verdienstausfallzahlung bekommen Sie für die Tage, an denen Sie für die Betreuung des Kindes Arbeitszeitguthaben abbauen oder für die Sie oder der andere Elternteil schon Kinderkrankengeld beantragt haben. Und der Anspruch endet mit dem zwölften Geburtstag eines Kindes, es sei denn, das Kind hat eine Behinderung.