Dieser Artikel erschien am 07.11.2019 in der taz

Kritik an Klassenfahrten per Flugzeug : Das vielfliegende Klassenzimmer

Hamburger Schulkassen steigen oft für Klassenfahrten ins Flugzeug. Deutlich zu oft, findet Hamburgs Schulsenator und verweist auf den Klimaschutz.

Schüler am Flughafen
Warum in die Ferne schweifen? Zwei Schüler genießen den Harz
©Getty Images

Hamburgs Schulen sind im Jetset-Fieber. Angeblich nutzen weiter­führende Schulen bei nahezu jeder vierten Klassen­fahrt das Flugzeug. Das zumindest suggerieren Berichte von Bild-Zeitung und Focus. Auch einige von Hamburgs „Klima­schulen“ entpuppten sich als Viel­flieger, stellt die Bild fest: Die SchülerInnen des Gymnasium Süderelbe etwa stiegen für 10 von 23 Klassen­fahrten ins Flugzeug.

Peter Albrecht, Pressesprecher der Schulbehörde, betont, dass die Zahlen nur das Ergebnis einer nicht repräsentative Stich­probe seien. Lediglich 17 von 376 Hamburger Schulen wurden befragt, die Behörde habe zunächst „ein Gefühl“ dafür bekommen wollen, wohin Klassen reisen – und wie.

Dass nicht jeder Flug notwendig ist, ist klar. Aber Albrecht merkt an, dass die Eltern von Hamburger SchülerInnen dazu unter­schiedliche Stand­punkte haben. Eine Klassen­fahrt dürfe nicht zu teuer sein, es gebe, so Albrecht, eine Richt­linie für eine preisliche Ober­grenze von Klassen­fahrten.

Albrecht merkt auch an, dass Klassenfahrten im Wesentlichen den Zusammenhalt der Klassen­gemeinschaft stärken sollten. Darüber hinaus sollen die SchülerInnen die Möglichkeit haben, etwas zu lernen. Albrecht weist auch auf eine soziale Komponente hin: Nicht alle Eltern können ihren Kindern eine Fern­reise bieten. Für diese Kinder ist es eine besondere Chance, wenn sie mit ihrer Klasse zu einem weiter entfernten Ziel fliegen können.

Es gibt dennoch einen guten Grund, Flug­reisen zu vermeiden: Das Klima. Auch Schul­senator Ties Rabe findet es problematisch, wenn SchülerInnen für eine Klassen­fahrt ins Flug­zeug steigen: „Klassen­reisen sollen bilden, daher sind Flug­reisen nicht grundsätzlich auszuschließen, aber die Anzahl ist deutlich zu hoch! Ich appelliere an die Schulen, hier mit Augen­maß und unter Berücksichtigung des Klima­schutzes zu handeln!“

Das sieht Nele Brebeck von Fridays for Future Hamburg genauso: „Wir würden uns wünschen, dass zukünftig für Klassen­reisen Ziele in Europa oder Deutschland gewählt werden und die Anreise mit dem Bus oder Zug erfolgt.“ Doch die Ziele werden häufig nach Kosten entschieden. Eine Anreise mit dem Zug dauert nicht selten den ganzen Tag. Außerdem ist Fliegen nicht selten günstiger als eine Bahnfahrt, vor allem wenn das Reise­ziel weit entfernt ist.

Brebeck weiß aus persönlicher Erfahrung, dass einige SchülerInnen aus Hamburg trotzdem klima­bewusst handeln wollen. Sie setzen sich bei ihren Schulen dafür ein, bei Klassen­fahrten zukünftig nur noch mit dem Bus oder dem Zug zu verreisen.