Schulentwicklung : Dank School Turnaround startet die Refik-Veseli-Schule durch

Erst klagten Eltern, weil ihre Kinder zur Refik-Veseli-Schule mussten. Nun klagen sie, weil sie nicht dürfen. Wie die Refik-Veseli-Schule in Berlin-Kreuzberg den Wandel mit­hilfe des Projekts „School Turn­around“ geschafft hat, erklärt Schul­leiterin Ulrike Becker im Inter­view mit dem Schulportal.

Antje Tiefenthal / 27. September 2018
Schüler und Lehrer der Refik-Veseli-Schule stehen vor einem Tor
Die Refeki-Veseli-Schule hat sich dank des Pilotprojekts „School Turnaround -Berliner Schulen starten durch“ von ihrem einst schlechten Image befreit.
©Tobias Bohm

Schulportal: Frau Becker, Sie leiten seit Februar 2014 die Refik-Veseli-Schule. Was war Ihr erster Eindruck von der Schule?
Ulrike Becker: Damals gab es fast keine Anmeldungen von Schüler­innen und Schülern. Auch Eltern wollten auf keinen Fall, dass ihre Kinder hier­her­kommen. Es hielt sich das Gerücht, dass es an der Refik-Veseli-Schule sehr viel Gewalt gibt. Wegen des schlechten Rufs der Schule gab es keine Bewerbung auf offene Stellen, Leitungs- und Funktions­stellen blieben unbesetzt, und fast jeder dritte Jugendliche hat die Schule ohne Abschluss verlassen. Doch entgegen allen Gerüchten war mein erster Eindruck positiv. Das Schul­gebäude war schon damals schön, und alle Menschen – ob nun die Lehrer­innen und Lehrer oder die Schüler­innen und Schüler – waren sehr nett.

Das heißt, es gab eine große Diskrepanz zwischen der öffentlichen Meinung und Ihrem persönlichen Bild?
Genau, das war ein großer Wider­spruch. Die Gerüchte über das Schul­klima und das schlechte Image haben sich gehalten, obwohl sich die Schule zum Zeit­punkt meines Antritts schon verändert hatte.

Wie hat sich die Refik-Veseli-Schule weiter verändert, seit Sie dort die Leitung über­nommen haben?
Inzwischen wird die Schule sehr positiv in den Medien dar­gestellt, und im letzten Jahr hatten wir nur noch rund elf Prozent Schüler­innen und Schüler ohne Abschluss. Außerdem haben wir mehr Bewerbungen als Stellen, die wir besetzen können. Die Schule ist im dritten Jahr in Folge über­nach­gefragt – zuletzt hatten wir 110 Anmeldungen für 72 Plätze. Es haben sogar Eltern versucht, ihre Kinder in die Schule ein­zuk­lagen! Ein Kollege, der seit 30 Jahren hier unter­richtet, sagt: Früher haben die Eltern geklagt, weil ihre Söhne und Töchter zur Refik-Veseli-Schule mussten. Heute klagen sie, weil sie nicht zu uns dürfen.

Welche Rolle spielt die Schul­leitung, um den „School Turn­around“ – also buch­stäblich die „Schul­umkehr“ – zu schaffen?
Die Schulleitung ist sehr wichtig! Aller­dings kann die Schul­leitung nur wirken, wenn sie Unter­stützung bekommt – vom Schul­träger, von der Schul­auf­sicht, von der Senats­verwaltung. Noch wichtiger: Alle müssen gemeinsam an einem Strang ziehen.

Wie hat die Refik-Veseli-Schule es geschafft, alle Partner an einen Tisch zu bekommen?
Das hat erst das Projekt „School Turn­around“ möglich gemacht. Die Robert Bosch Stiftung hat eine gemeinsame Projekt­verein­barung mit allen Beteiligten auf den Weg gebracht. Ganz besonders hilf­reich für unseren Schul­ent­wicklungs­prozess war darüber hinaus der externe Berater, der uns über mehrere Jahre im Rahmen des Projekts begleitet und unter­stützt hat.

Nun haben nicht alle Schulen in kritischer Lage das Glück, im Rahmen eines groß angelegten Projekts an die Hand genommen zu werden. Was raten Sie Schulen, die sich auf den Weg machen und weiter­entwickeln wollen?
Die Schulleitung kann sich an die Schul­auf­sicht wenden und um einen gemeinsamen Termin und eine gemeinsame Ziel­vereinbarung bitten. Das ist ein wichtiger erster Schritt und aus meiner Sicht auch unabhängig von einem Projekt möglich.

Mehr zum Thema

  • Die Refik-Veseli-Schule ist eine von insgesamt zehn Berliner Schulen in einst kritischer Lage, die mit dem Projekt „School Turn­around – Berliner Schulen starten durch“ Unter­stützung erfahren haben.
  • Die Robert Bosch Stiftung hat das Projekt gemeinsam mit der Berliner Senats­verwaltung für Bildung, Jugend und Familie getragen.
  • Das Ziel von „School Turn­around“: die Handlungs­fähig­keit der Schulen stärken und buch­stäblich gemeinsam die „Schul­umkehr“ schaffen.
  • „School Turnaround – Berliner Schulen starten durch“ lief von 2013 bis 2017. Jetzt ist dazu eine aktuelle Begleit­studie der Robert Bosch Stiftung erschienen. Die Publikation fasst die zentralen Ergebnisse des Pilot­projekts zusammen und gibt darüber hinaus Handlungs­empfehlungen für die Praxis.

Zur Person

  • Ulrike Becker ist seit Februar 2014 Leiterin der Refik-Veseli-Schule in Berlin.
  • Sie lehrt außer­dem an der Universität Potsdam.
  • Ihr aktuelles Schwer­punkt­thema ist dort „Planung von Förder­maß­nahmen und Evaluationen im Unterricht“.
Sie haben JavaScript deaktiviert oder verwenden einen veralteten Browser. Aktuelle Browser finden Sie hier. x