Buch-Tipps : 10 Kinderbücher für die Sommerferien

Sechs Wochen Ferien – da haben Kinder viel Zeit zu spielen, sich mit Freunden zu treffen, vielleicht auch zu verreisen. Und schön ist auch, wenn sie Zeit finden, mal wieder ein Buch zu lesen. Um Kinder aber zum Lesen zu motivieren, braucht es unterhaltsame und spannende Geschichten. Das Schulportal empfiehlt diese Bücher für Kinder zwischen sechs und zehn Jahren. Uns unter diesem Link finden Sie Buchempfehlungen für Jugendliche.

15. Juli 2022 Aktualisiert am 25. Juli 2022 1 Kommentar
Zwei Kinder in Hängematte mit Kinderbuch
Manchmal braucht es nur das richtige Buch, um bei Kindern die Lust am Lesen zu wecken.
©iStock

Bekannte Schlossgespenster gibt es viele: Sie leben in großen Palästen oder alten Herrenhäusern und treiben dort ihr Unwesen. Doch hat sich schon mal jemand gefragt, ob Schlossgespenster auch an anderen Orten leben? Etwa in einem Türschloss? Die Altbauwohnung, in der Paul mit seinen Eltern lebt, hat ein altes, eisernes Türschloss, und dort hat sich ein kleiner Geist eingenistet. Am Tag nach den Sommerferien lernt Paul das Gespenst Zippel kennen. Schnell sind die beiden unzertrennlich und begeben sich gemeinsam in zahlreiche Abenteuer.

Für Zippel gibt es in der Menschenwelt einiges zu entdecken. Seine Beobachtungen eröffnen auch Paul eine neue Perspektive. Das kleine Gespenst hilft dem Jungen, Mut und Entschlossenheit zu entwickeln. Das verändert auch den Umgang mit seinen Mitschülerinnen und Mitschülern. „Zippel, das wirklich wahre Schlossgespenst“ eignet sich sowohl zum Vorlesen als auch für Erstlesende ab 6 Jahren.


Die Bukowski-Geschwister: das sind Alf, Katinka und Robbie. Sie sind ein paar Tage lang berühmt, als sie zusammen ein Kind vor dem Ertrinken retten. Zur Belohnung ihrer Heldentat erhalten die Geschwister einen ganzen Sommer lang kostenlosen Eintritt für das Freibad. Und so erleben Alf, Katinka und Robbie einen Sommer voller kleiner großer Abenteuer und wachsen dabei über sich hinaus.

Mit viel Humor schafft es der Autor, auch ernstere Themen aufzugreifen und sie in das Buch miteinzuflechten – ohne dass die Geschichte darüber an Unterhaltungswert verliert. Kein Wunder, dass „Freibad: Ein ganzer Sommer unter dem Himmel“ der Kinderbuchpreis 2020 verliehen wurde. Das Buch ist für Kinder ab 8 Jahren geeignet.


Bevor sich Anton durchringt, sich auf den „Horror-Urlaub” auf dem Campingplatz einzulassen, muss er nicht nur seinen Widerwillen gegen die Ekelbrühe im Badesee überwinden. Auch die Kinder am See fordern den coolen Maulhelden und selbst ernannten „Starflashman” heraus, der eher im Internet zu Hause ist als in der Natur.

Der Roman, den die Stiftung Buchkunst wegen der Vignetten von Elke Kusche zu einem der schönsten Bücher 2010 kürte, ist schon wegen der lockeren Sprache des Ich-Erzählers ein Vergnügen für Kinder ab 8 Jahren.

Ein Buch von „mitreißender Erzähllust”, wie die Jury des Deutschen Jugendliteraturpreises hervorhebt, die das Buch 2011 in der Sparte Kinderbuch auszeichnete: „Der pointensicher aus Antons Sicht erzählte Roman besticht durch seine ironische Brechung der Abenteuerheldengeschichte, denn die einzig wahre Heldentat ist der Köpper in den See am letzten Ferientag”.


Anke und ihre große Schwester Eva leben gemeinsam mit ihren Eltern und den Großeltern in einer hessischen Kleinstadt. Der Haussegen kann hier auch schon mal ganz schön schief hängen. Mal schaut man zusammen „Am laufenden Band“ mit Rudi Carrell. An anderen Tagen fliegen die Fetzen zwischen den Schwestern.

„Manno! Alles genau so in echt passiert“ ist eine ehrliche Familiengeschichte mit viel Witz. Die Aufmachung als Comic kann junge Leserinnen und Leser begeistern, die ansonsten vielleicht ein wenig lesefaul sind. Und besonders die Erwachsenen werden ihren Spaß mit Anke Kuhls Buch haben, denn viele Stellen erinnern sicher an Episoden aus der eigenen Kindheit. Der Comic-Band war nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2021 und ist empfohlen für Kinder ab 8 Jahren. Auf der Seite des Arbeitskreises Jugendliteratur finden Lehrerinnen und Lehrer Anregungen zu Einbindung in den Unterricht.



Nils Oma verhält sich plötzlich sehr merkwürdig. Sie backt keinen Kuchen mehr, lässt das Essen auf dem Herd verbrennen und neuerdings stapeln sich Dosen mit Erbsensuppe in der Wohnung der Großeltern. Es wird der erste Fall der neuen Detektiv-Bande um Lina, Nils und Evi. Für Lina, die aus Syrien fliehen musste, ist es eine ganz besondere Art, in Deutschland anzukommen.

Rieke Patwardhan verpackt in diesem Roman auf spielerische Weise schwierige und anspruchsvolle  Themen wie Flucht und Integration. Mit viel sprachlicher Finesse, zum Beispiel wenn sie Nils den juristischen Jargon seiner Eltern in den Mund legt oder Opa plattdeutsche Ratschläge gibt, bringt die Autorin ihre Leserinnen und Leser häufig zum Schmunzeln. Doch lenkt sie dabei nicht von den ernsten Themen ab, die diese Geschichte auch behandelt. Das Buch „Forschungsgruppe Erbsensuppe“ ist eine Leseempfehlung für Kinder ab 8 Jahren.


Pembo liebt ihre türkische Heimat: die Sonne, das Meer, das Essen und ihre Freunde. Doch eines Tages muss die Elfjährige die Türkei mit ihrer Familie verlassen und kommt nach Deutschland. Dort ist für sie alles grau und unbekannt. Pembo ist hin- und hergerissen zwischen ihrem alten und neuen Leben. Es dauert, bis Pembo den Neuanfang im fremden Land akzeptiert und aus zwei Hälften ein ganzes, neues Leben macht.

Ayse Bosse erzählt mit ihrem bildhaften und sehr an der gesprochenen Sprache orientierten Schreibstil eine fesselnde und emotionale Geschichte, die durch die Zeichnungen von Ceylan Beyoglu treffend untermalt sind.
„Pembo“ ist für Kinder ab 9 Jahren geeignet und war für den Jugendliteraturpreis 2021 nominiert. Außerdem wurde das Buch 2021 mit dem KIMI Siegel für Vielfalt und Diversität in Kinder- und Jugendbüchern ausgezeichnet.


Rico ist zehn Jahre alt und „tiefbegabt”, wie er lakonisch feststellt, und lebt in prekären Verhältnissen in Berlin. Er ist temperamentvoll, warmherzig und ein guter Beobachter, wenn auch häufig etwas durcheinander. Als er auf den hochbegabten Oskar trifft, der aus übergroßer Vorsicht nicht ohne Sturzhelm aus dem Haus geht, haben sich zwei Jungen gefunden, die gegensätzlicher nicht sein könnten. Vorbehaltlos lassen sie sich aber aufeinander ein und entlarven in einem spannenden Krimi gemeinsam einen Kindesentführer, der Berlin in Atem hält. Eine hochkomische Freundschaftsgeschichte und feine Milieustudie.

Andreas Steinhöfels mehrfach ausgezeichnetes Großstadtabenteuer, das 2014 auch als Kinofilm herauskam, bringt Kinder ab 9 Jahren ebenso zum Lachen wie Erwachsene. Das Buch wurde  unter anderem mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis 2009 ausgezeichnet.


Der zehnjährige August hat viele Operationen am Gesicht hinter sich und sieht anders aus als die meisten Kinder in seinem Alter. Weil er Angst hat, deshalb nicht akzeptiert zu werden, war er bislang noch nie auf einer regulären Schule. Doch nun kommt er in die fünfte Klasse, und damit steht der erste Schulbesuch für ihn an.
Seine Befürchtungen bestätigen sich. Auch wenn er kein Außenseiter sein will und unter keinen Umständen auffallen will, fällt August auf. Viele Kinder hänseln ihn, doch August weiß, dass die meisten es nicht absichtlich tun. Sie können mit seinem Aussehen nicht umgehen. Es ist letztlich seinem eigenen Mut, seiner Intelligenz und seiner Stärke zu verdanken, dass sich dies ändert.
Was passiert, wenn andere einem das eigene Anderssein vorhalten? Raquel J. Palacio schreibt in ihrem Debütroman über diese schmerzhaften Momente so treffend und prägnant, dass Leserinnen und Leser ab 10 Jahren Augusts Erfahrungen verstehen und nachempfinden können. 2017 erschien eine Verfilmung des Buches.


London, Paris, Dubai, Florida – in Inas Klasse zählen die Kinder stolz ihre Urlaubsziele für die Sommerferien auf. Da kann Ina nicht mithalten. Die Mutter ist arbeitslos, Reisen sind nicht drin. Verzweifelt erfindet die Sechstklässlerin ein Urlaubsziel: „In den Süden” würde sie fahren. Nun muss Ina trotz Hitze in ihrem Zimmer bleiben, damit niemand sie sieht und ihre Notlüge nicht auffliegt. Als der neue Mitschüler Vilmer sie doch entdeckt, tun sich die beiden Außenseiter zusammen und bauen sich ihr Ferienparadies selbst.

Für diesen vielschichtigen sozialkritischen Roman für Kinder ab 10 Jahren wurde die norwegische Autorin mehrfach ausgezeichnet, 2021 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis in der Sparte Kinderbuch. Die Schilderung aus der Ich-Perspektive einer Elfjährigen bietet Schülerinnen und Schüler der Klassen 6 und 7 Anknüpfungspunkte für eine Auseinandersetzung mit Armut und Reichtum, Mobbing, Verrat und den Wert von echter Freundschaft.


Das Buch „Das Mädchen Wadjda” ist eine Adaption des gleichnamigen Kinofilms, in dem die saudi-arabische Autorin und Regisseurin Hayfa Al Mansour die zehnjährige Wadjda in Riad für das Recht kämpfen lässt, ein Fahrrad zu haben. Für Mädchen gilt Fahrradfahren in Saudi-Arabien als unschicklich. Daher darf es auch Wadjda nicht. Doch sie setzt alles dran, sich das Rad selbst zu beschaffen. Am Ende hilft ihre Mutter, die dafür ganz eigene Gründe hat. So wird der Kauf des Fahrrads zur Metapher für Freiheit und Gleichberechtigung.

Ähnlich wie der Film wurde auch das Buch, das sich an Kinder ab 10 Jahren richtet, begeistert aufgenommen. Die Jury des Deutschen Jugendliteraturpreises zeichnete es 2016 als bestes Kinderbuch aus. „Die spannende und berührende Geschichte führt in eine fremde Welt, sie schärft die Wahrnehmung für den arabischen Kulturraum (…) und wirbt um Verständnis und Verstehen”, heißt es in der Begründung.


Welche Kinderbücher empfehlen Sie?

Mit welchen Kinderbüchern wecken Sie bei Kindern die Lust am Lesen? Wir freuen uns über ihre Buch-Tipps! Schreiben Sie uns einen Kommentar – gern auch mit einer Kurzbeschreibung des Buches. Vielen Dank!

Wie sich die Lust am Lesen wecken lässt

  • „Ein gutes Kinderbuch soll in erster Linie unterhalten. Es muss Spaß machen, es selbst zu lesen oder dem Vorgelesenen zu folgen“, sagt Karin Vach, Professorin für Literarisches Lernen an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg und Vorsitzende der Jury für den Deutschen Jugendliteraturpreis, im Interview mit dem Schulportal.
  • Natürlich sind mit dem Inhalt von Kinder- und Jugendbüchern aber auch pädagogische Ziele verknüpft. „Es soll“, so Vach, „etwas über das Leben erzählen, neue Perspektiven eröffnen“. Aus Sicht der Expertin würden Geschichten aber an Attraktivität verlieren, wenn die pädagogische Intention offensichtlich ist.
  • Bei der Auswahl unserer Buchempfehlungen haben wir bewusst die „Klassiker“ ausgespart, weil sie ohnehin bekannt sind und längst Einzug in die Klassenzimmer gefunden haben. Wir haben uns stattdessen auf Bücher konzentriert, die in den vergangenen Jahren erschienen sind. Wir stellen Nominierte und Preisträger des Jugendliteraturpreises vor und haben uns auch an den Empfehlungen der Stiftung Lesen orientiert, in der Bücher auch nach Alter und Lesetyp der Zielgruppe gesucht werden können. Die Stiftung Lesen prämiert außerdem im Lesekompass Neuerscheinungen für Kinder im Vorschul- und Grundschulalter und stellt zu einigen dieser Titel Unterrichtsmaterial bereit.
  • Außerdem haben wir Sie auf unseren Social-Media-Kanälen gefragt, mit welchen Büchern Sie Ihre Schülerinnen und Schüler zum Lesen bringen und gute Erfahrungen im Unterricht gemacht haben. Vielen Dank für die zahlreichen Zuschriften!
  • Und schon mal vormerken: Am 18. November 2022 findet der nächste bundesweite Vorlesetag statt. Seit 2004 gibt es den Vorlesetag als gemeinsame Initiative von DIE ZEIT, Stiftung Lesen und Deutsche Bahn Stiftung. Ziel ist es, jedes Jahr am dritten Freitag im November Kinder und Erwachsene für die Bedeutung des Vorlesens zu begeistern.