Konzept

Sozialarbeit in Distanz : Wie das Schreiben eines Buchs Gemeinschaft fördert

Schulsozialarbeit ist Beziehungsarbeit. Doch gelingt sie auch kontaktlos im Distanz­unterricht? Wie lässt sich das Zugehörigkeits­gefühl zur Schule erhalten, und wie lassen sich selbst die Vorschul­kinder mitnehmen? In der „Schule am Gehölz”, einer Grundschule im schleswig-holsteinischen Lunden, haben die Schul­sozial­arbeiterin und die Lehrkräfte während des Lockdowns ein gemeinschaftliches Buch­projekt ins Leben gerufen und dabei auf digitale Medien gesetzt. Die zunächst kleine Idee, eine gemeinsame Geschichte als Kontakt­medium zu nutzen, entwickelte sich zu einem großen, identitäts­stiftenden Projekt, das die Lese-, Schreib- und Medien­kompetenzen fördert und lang­fristig Bestand hat.

21. März 2021
©Fabian Thiel

Das Konzept

An der kleinen Grundschule „Schule am Gehölz“ in Lunden ist die Schul­sozial­arbeit ein zentraler und identitäts­stiftender Bereich des Schullebens. Die Sozial­arbeiterin der Schule leitet beispielsweise eine Theater-AG, in der Kinder eigene Stücke nach ihren Vorstellungen schreiben und aufführen. Als infolge der Schul­schließung der direkte Kontakt zu den Kindern und Familien nicht mehr möglich war, entstand die Idee, gemeinsam ein Buch zu schreiben – mit den Ideen, Geschichten und Bildern der Kinder.

Den Auftakt zur Geschichte des gemeinsamen Buchprojekts hat die Sozial­arbeiterin entwickelt: Das Schulmaskottchen, die Eule Lunna, bekommt von ihrem Freund, dem Igel Isi, eine Dose mit magischem Pulver geschenkt. Mit dem Pulver können sich Lunna und Isi in jede mögliche Figur verwandeln und überall hinreisen. Aber auch in der Welt von Lunna und Isi grassiert das Virus. Über diese „Brücke“ konnten in das Projekt Inhalte eingebaut werden, die über die aktuellen Entwicklungen der Corona-Pandemie aufklären.

Die Einführungsgeschichte wurde über die Lernplattform „IServ“ an alle Kinder der „Schule am Gehölz“ verschickt – auch an die Kita-Kids, die im August 2020 dort eingeschult werden sollten. Die Kinder wurden aufgefordert, ihre Ideen einzureichen. In welche Figuren sollten sich die beiden verwandeln, wohin könnten die beiden reisen, welche Abenteuer würden sie dabei erleben? Auch Bilder konnten die Kinder einreichen. Alle eingegangenen Ideen wurden in den Geschichten berücksichtigt. So entstand eine tägliche Fortsetzungs­geschichte über die magischen Abenteuer von Lunna und Isi, in die die Sozial­arbeiterin auch die aktuellen Corona-Neuigkeiten des Tages einbaute und auf diese Weise über neue pandemie­bedingte Auflagen aufklärte. Dazu kam, mit Tipps gegen Lange­weile, auch der Youtube-Kanal „Lunna Isi“.

Das Projekt wurde im im März 2020 gestartet, im ersten Lockdown. Am Ende des Schuljahres erhielten alle Kinder ein gedrucktes Exemplar mit 80 Seiten. Und auch jedes Kita-Kind bekam zur Einschulung das Buch mit dem Titel „Lunnas magisches Abenteuer“ geschenkt.

Als im neuen Schuljahr der Präsenz­unterricht startete, wurde die Idee weiter­entwickelt. Da in den Klassen­räumen keine Advents­kalender erlaubt waren, gab es den digitalen Weihnachts­kalender „Lunna und der verschwundene Weihnachtsmann“ mit Fortsetzungs­geschichten und Ideen für die Weihnachts­zeit. Die Kinder erhielten Hinweise und schrieben dann ihre Ideen auf, wo der Weihnachtsmann gesucht werden müsse. In Video­konferenzen wurden die Geschichten den Kindern von der Schulsozial­arbeiterin vorgelesen.

Die Geschichten wurden zunehmend mit den Unterrichtsaufgaben der Lehrkräfte im Distanz­unterricht verbunden.

Im zweiten Lockdown waren alle Kinder und Eltern im Umgang mit digitalen Endgeräten bereits geschult; Alle Kinder, die Bedarf hatten, bekamen Leihgeräte. Es entstand ein drittes Gemeinschafts­buch, „Die Rettung von Morania“, mit Abenteuer- und Detektiv­geschichten, in denen es darum ging, Rätsel zu lösen. Die Geschichten wurden zunehmend mit den Unterrichtsaufgaben der Lehrkräfte im Distanz­unterricht verbunden. Die Schule nutzte dafür „Padlet“, eine digitale Pinnwand, an der auch die eingesandten Bilder der Kinder hoch­geladen wurden. Außerdem hat die Schule mit der App „Gather“ den Raum der Schulsozial­arbeiterin digital nachgebaut, in dem die Kinder sich wie in einem 2-D-Spiel bewegen und gegen­seitig treffen können.

Aus dem Projekt sind mittlerweile neue Ideen entstanden, die die Schule langfristig immer weiter­entwickeln möchte. Seit dem Schuljahr 2020/21 gibt es eine feste Gruppe „Buchprojekt“ als Angebot der Begabungs­förderung für Kinder ab der dritten Jahrgangs­stufe. Das freie Schreiben wird nun auch stärker im Unterricht aufgenommen. Zudem gibt es eine auf Dauer angelegte Online-Schulzeitung im „Padlet“-Format: „Lunnas Tageblatt“.

Für die vierte Jahrgangsstufe wird jetzt Medien­unterricht angeboten. Informationen für die Eltern in Schule und Kita gibt es digital, auch die Sprech­stunden der Sozial­arbeiterin werden digital angeboten.

Um in der Distanz den Kontakt zu den Kita-Kindern zu halten, wurden nun kleine Videos gedreht, in der Eule Lunna den Kindern die Schule erklärt. Die Videos werden in den Kitas mit den Kindern angeschaut und die Aufgaben dort bearbeitet.

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Mitschnitt der Präsentation des Konzepts beim Digitalen Impuls am 23. März

Youtube-Video aus dem Channel „Lunna Isi“

Das erste Buchprojekt, „Lunnas magische Abenteuer“, brachte ein 80-seitiges Buch hervor, an dem alle Kinder mitgearbeitet hatten, hinzu kam im Frühjahr 2020 der Youtube-Channel „Lunna Isi“ mit Tipps für Beschäftigungen zu Hause.

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Die „Schule am Gehölz“ ist für den Deutschen Schulpreis 20|21 Spezial nominiert. Mit dem Deutschen Schulpreis 20|21 Spezial zeichnen die Robert Bosch Stiftung und die Heidehof Stiftung zukunftsweisende Konzepte aus, die Schulen in der Corona-Krise entwickelt oder weiterentwickelt haben und die das Potenzial haben, das Lernen und Lehren langfristig zu verbessern. Alle Konzepte der Bewerberschulen sehen Sie hier.