Konzept

Bildungsgerechtigkeit : Sendepläne und tägliche Lernreflexionen geben Halt

Die Grundschule am Dichterviertel im nordrhein-westfälischen Mülheim an der Ruhr hat in der Corona-Krise neue Strukturen und Formate für das digitale Lernen entwickelt, die die Kinder vor allem befähigen sollen, eigenständig zu arbeiten. Das ist bei der sehr heterogenen Schülerschaft sehr wichtig, weil viele Kinder oft keine Unterstützung beim Lernen durch die Eltern bekommen. „Bildungsgerechtigkeit ist nicht nur ein Schlagwort, sondern wird bei uns gelebt“, sagt Schulleiterin Nicola Küppers.

12. April 2021 Aktualisiert am 28. Juli 2021
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Präsentation des Konzepts der Grundschule am Dichterviertel beim Digitalen Impuls „Bildungsgerechtigkeit fördern” am 13. April 2021.

Das Konzept

Eine Schule für alle Kinder – das möchte die Grundschule am Dichterviertel sein. Alle Kinder sollen an der kleinen Grundschule in Mülheim an der Ruhr die gleichen Chancen bekommen und die gleiche Wertschätzung erfahren. Unterschiede sieht die Schule als Normalität, Vielfalt als Bereicherung.

Wie bleibt die Seele unserer Schule auch in der Distanz für die Kinder spürbar?
Nicola Küppers, Schulleiterin

Diesen Anspruch hielt die Schule auch in der Zeit der Schulschließungen aufrecht, und sie entwickelte insbesondere das digitalgestützte Lernen weiter und fand passende Lösungen für die knapp 200 Schülerinnen und Schüler und deren Familien, viele in benachteiligten sozialen Lagen. Dabei stellte Schulleiterin Nicola Küppers die zentrale Frage: „Wie bleibt die Seele unserer Schule auch in der Distanz für die Kinder spürbar?“ Wichtig war dafür vor allem, die Beziehung zwischen Lehrkräften, Kindern und Eltern zu stärken und gewohnte Strukturen und Rituale wie den Morgenkreis im Digitalunterricht aufrechtzuerhalten.

Um das zu erreichen, ist die Grundschule am Dichterviertel Schritt für Schritt vorgegangen:

  • Sicherung der Kommunikation: Zunächst gab es vor allem telefonische Kontakte zu den Familien, dann hat die Schule den Messengerdienst „SchoolFox“ eingeführt. Im nächsten Schritt kam dann ein Videokonferenz-Tool dazu.
  • Digitale Beziehungspflege: Die Schule hat die digitalen Kanäle insbesondere genutzt, um die Motivation der Kinder und deren Kommunikation untereinander aufrechtzuerhalten. So wurde eine digitale Wand für Videobotschaften, zusätzliche Lernangebote und Spielideen gegen Langeweile eingeführt. Es gibt auch eine digitale „Freundschaftsbank“: Kinder, die sich allein fühlen, können sich in diesem digitalen Raum einfinden, und andere Kinder gesellen sich dazu. Außerdem gab es zum Beispiel digitale Führungen mittels Livekameras in Zoos auf der ganzen Welt, damit die Kinder wenigstens virtuell die häusliche Enge verlassen konnten. „Wenn die Kinder die Welt nicht erreichen, holen wir die Welten in die Schule“, sagt Nicola Küppers.
  • Digitale Lernwege: Lernformate wie Lernstraßen mit verschiedenen Lernstationen und Kompetenzraster, die die Kinder aus dem Präsenzunterricht kannten, haben die Lehrkräfte an den digitalen Unterricht angepasst. Statt Lernstraßen gibt es nun digitale Lernwege in Mathematik und Deutsch, in die auch selbst entwickelte Erklärvideos und Apps integriert wurden, um den Kindern eine selbstständige Auseinandersetzung mit Lerninhalten zu ermöglichen. Nach und nach stellt die Schule digitale Lernangebote auch für weitere Fächer bereit.
  • Verlässliche Tagesstruktur: Um ihren Schülerinnen und Schülern Halt und Orientierung zu bieten, erstellte die Schule einen digitalen Sendeplan mit festen Abläufen und Strukturen. So beginnt beispielsweise jeder Tag mit einem digitalen Morgenkreis, bestehend aus Begrüßungsritual, „Wort und Zahl des Tages“ und Besprechung der individuellen Lernwegsplanung. Alle Kinder haben einen festen Stundenplan mit angeleiteten Unterrichtsphasen in Videokonferenzen und Zeiten für selbstständiges Arbeiten. Jeden Tag nehmen zudem alle Kinder an einer 15-minütigen „English Time“ teil.
  • Lernbegleitung und Lernwegsreflexion: Während der Phasen des selbstständigen Arbeitens ist eine Lehrkraft digital über Video erreichbar und hilft bei Fragen. Jeder Tag beginnt mit einer individuellen Lernwegsplanung in Gruppen und endet am Nachmittag mit einer Lernwegsreflexion und einem Ausblick.

Aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zum Thema

Im Forschungsmonitor Schule werden wissenschaftliche Studien für Schulpraktikerinnen und Schulpraktiker knapp zusammengefasst und kommentiert.

Die Grundschule am Dichterviertel in Mülheim an der Ruhr ist Preisträger des Deutschen Schulpreises 20|21 Spezial. Mit dem Deutschen Schulpreis 20|21 Spezial zeichnen die Robert Bosch Stiftung und die Heidehof Stiftung zukunftsweisende Konzepte aus, die Schulen in der Corona-Krise entwickelt oder weiterentwickelt haben und die das Potenzial haben, das Lernen und Lehren langfristig zu verbessern. Alle Konzepte der Bewerberschulen sehen Sie hier.