Konzept

Selbstgesteuertes Lernen : In hetero­genen Gruppen gemeinsam lernen

An der Freiherr-vom-Stein-Schule in Neumünster erfolgt der Unterricht in fächerverbindenden Projekten. Pädagogische Steuerinstrumente wie Logbücher und Kompetenzraster helfen den Schülerinnen und Schülern dabei, ihr Lernen selbst zu planen, durchzuführen und zu reflektieren.

02. Mai 2018

Die Freiherr-vom-Stein-Schule Neumünster hat ein Lern­system aufgebaut, das selbst­organisierten Lern­prozesse in einem besonderen Maße ermöglichen kann.

Informationen zur Schule

  • Name: Freiherr-vom-Stein-Schule
  • Schulform: Gemeinschaftsschule
  • Zahl der Schülerinnen und Schüler: 585
  • Zahl der Lehrerinnen und Lehrer: 43
  • weiteres Personal: 6
  • Ansprechperson: Maike Schubert (Schulleiterin)
  • Kontakt: info@steinschule-nms.de
  • Schulpreis im Jahr: 2016
  • Schul-Porträt: http://schulpreis.bosch-stiftung.de

Das Konzept

Wie können Schülerinnen und Schüler in hetero­genen Gruppen gemeinsam lernen und dabei gut auf ein Leben im 21. Jahr­hundert vor­bereitet werden? Als Antwort auf diese Frage entschied sich die Freiherr-vom-Stein-Schule mit Ein­führung der Gemein­schafts­schulen in Schleswig-Holstein (2007) dafür, ein inklusives Lern­system mit Fächer verbindenden Projekten zu entwickeln. Das Konzept basiert zu einem großen Teil auf selbst­organisiertem Lernen: die Schüler­innen und Schüler setzen sich mit Hilfe von pädagogischen Steuer­instrumenten eigene Lern­ziele, deren Um­setzung sie dann selbst organisieren und evaluieren. In der Unter­stufe findet die Hälfte des Unter­richts in dieser Form statt, in der Mittel­stufe zwei Drittel der Lern­zeit. Die Ein­heiten werden im Kollegium von Fach­teams gemeinsam geplant, die fächer­verbindenden Lern­umgebungen gemeinsam erstellt (Team­teaching). Auch die Leistungs­beurteilung in den Lern­gruppen erfolgt stets parallel, so dass der Unter­richt zu einer gemeinsamen Angelegen­heit wird.

Selbstgesteuertes Lernen ist aus meiner Sicht eine wichtige Fähigkeit, die letztlich auch über den Lebens­erfolg entscheidet. Ich glaube, Menschen, die das können, erreichen mehr und sind glücklicher.
Meike Schubert, Schulleiterin

Die Steuerung des Lern­prozesses über­nehmen die Schüler­innen und Schüler soweit wie möglich selbst. Dabei helfen ihnen persönliche Log­bücher, Advanced Organizer, Lern­land­karten, Kompetenz­raster und Port­folios. Dies sind wichtige Instrumente, um systematische Planungs- und Reflexions­prozesse anzu­leiten. Beispiel Kompetenz­raster: Zum Ober­thema „Krieg und Frieden“ gehören zum Beispiel die drei Säulen „Erster Welt­krieg“, „Zweiter Welt­krieg“ und „aktuelle Konflikte“. Jeder dieser Säulen sind Kompetenz­raster zugeordnet, die so auf­gebaut sind, dass der Schwierig­keits­grad zunimmt und die Schüler­innen und Schüler anhand der abgebildeten Kompetenzen eigene Frage­stellungen ent­wickeln können. Anhand der Advanced Organizer erfahren sie zunächst, was sie zu einem Thema lernen können. Anschließend planen sie ihren Lern­prozess selbst­ändig, indem sie zu Beginn jeder Woche eine Frage­stellung formulieren, die sie in den folgenden Tagen bearbeiten möchten. Hinzu kommt ein tägliches Ziel, das im persönlichen Log­buch vermerkt wird. Am Ende jeder Projekt­phase präsentieren alle Schüler­innen und Schüler ihre Arbeits­ergebnisse im Plenum. Mit­hilfe von Lern­land­karten visualisieren sie außerdem ihre persönlichen Fort­schritte: Grün steht für bereits erworbene Kompetenzen, gelb für teil­weise erlangte, rot für noch nicht erlernte.

Dem selbstgesteuerten Lernen entspricht auch eine veränderte Leistungs­beurteilung, die formativ, ressourcen­orientiert und mit Elementen der Selbst­ein­schätzung angereichert ist. Die Bewertung der Arbeits­ergebnisse erfolgt anhand von Kompetenzen, die hierarchisch in fünf Stufen strukturiert sind: Wissen, Verstehen, Anwenden, Analysieren und Reflektieren (Taxonomie­stufen nach Bloom).

Hinzu kommen verschiedene strukturelle Veränderungen an der Schule. Dazu zählen die Abschaffung von alters­homogenen Klassen­verbänden zu Gunsten von gemischten Lern­gruppen, die jeweils drei Jahr­gänge umfassen (5 bis 7 und 8 bis 10); eine Veränderung des Arbeits­rhythmus mit verschiedener zeitlicher Taktung (30, 60 und 90 Minuten); eine Öffnung der Lernphasen (KULT, Lernzeit, MINT) und Binnen­differenzierung im Sinne einer inklusiven Schule mit Verzicht auf Integrations­klassen.

Wir bedanken uns herzlich bei der Freiherr-vom-Stein-Schule Neumünster.
Die Schule gehört zum Preis­­träger­­netz­­werk des Deutschen Schul­preises, aus dem die Deutsche Schulakademie die Beispiele guter Praxis gewinnt.

Die Deutsche Schulakademie vergibt jährlich 150 Hospitations­­stipendien an den rund 70 Preis­­träger­­schulen des Deutschen Schul­preises. Mehr Informationen zum Programm finden Sie hier.

Sie verwenden einen veralteten Browser. Aktuelle Browser finden Sie hier. x