Konzept

Lernen individualisieren : Selbstbestimmte Lernprozesse im Alltag begleiten

Die Martinschule in Greifswald hat Abläufe und Prozesse entwickelt, die ihrer heterogenen Schülerschaft dabei helfen sollen, das Lernen in die eigene Hand zu nehmen, sich selbst Ziele zu setzen und erfolgreich zu erreichen.

04. Juni 2019

In der Martinschule in Greifswald lernen Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam in individualisierter Form. Die ehemalige Förder­schule bringt besondere Voraus­setzungen mit, um individuelle Lern­prozesse zu gestalten.

Informationen zur Schule

Das Konzept

Das Evangelische Schulzentrum Martinschule in Greifswald ging aus einer Förder­schule hervor und besteht heute aus einer Grund­schule und einer integrierten Gesamt­schule mit gymnasialer Ober­stufe. In beiden Schul­teilen lernen Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam. Der Unterricht erfolgt in individualisierter Form. Gleich­zeitig werden die Schülerinnen und Schüler dazu angehalten, sich selbst Ziele zu setzen und danach zu streben, diese auch zu erreichen.

Das selbstständige Lernen beginnt bereits in der Grund­schule. Entscheidend sind hier (wie auch später an der IGS) die Ziel­vereinbarungen, die bereits ab der ersten Klasse getroffen werden. Nicht die Lehr­kraft legt die Lern­inhalte fest, sondern vor­rangig die Schülerinnen und Schüler entscheiden im Dialog mit einer Lehr­kraft, was sie interessiert, was sie als nächstes lernen möchten, welcher Schwierig­keits­grad für sie angemessen ist und mit wem sie zusammen­arbeiten wollen. Gemeinsam mit den Eltern und einer Lehr­kraft vereinbaren sie Schwer­punkt­ziele, zum Beispiel den 1×1-Pass zu schaffen, ein Buch zu lesen oder einen Vortrag zu einem bestimmten Thema aus­zu­arbeiten. Bereits ab der ersten Klasse haben die Schüler­innen und Schüler die Möglichkeit, frei zu wählen, mit welchen Themen und Aufgaben sie sich in der Frei­arbeits­zeit beschäftigen möchten und ihren Zielen nach­zu­gehen. Um heraus­zu­finden, inwieweit ihnen das gelungen ist, über­prüfen sie in regel­mäßigen Abständen selbst, was sie in den Fach­bereichen Deutsch, Mathematik und Englisch gelernt haben.

Gutes Lernen bedeutet für uns, dass wir das Lernen individualisieren. Als Lehr­kraft muss ich daher heraus­finden, was jede Schülerin und jeder Schüler braucht und mein Lern­angebot genau darauf ausrichten.
Anne Jeschke, Leiterin Grundschule und Hort

Ab Klasse 3 kommt der Lernplaner als zusätzliches Instrument hinzu. Die Schülerinnen und Schüler planen ihren Lern­stoff damit selbst und lernen, die gesamte Woche in den Blick zu nehmen. Im Fach Englisch gibt es zusätzlich einen Übungs­zeit­planer. Eben­falls ab Klasse drei gibt es in der Grund­schule den offenen Lerntag mit zwei Fach­unterrichts­angeboten (Werken und Darstellendes Spiel). Der offene Lern­tag findet einmal in der Woche von 8 Uhr bis 12:30 Uhr statt. Die Kinder entscheiden, ob sie eines der beiden Fach­angebote wählen oder aber die Zeit nutzen möchten, um weiter an ihren Lern­zielen zu arbeiten.

Was an der GS mit dem einmal wöchentlich statt­findenden offenen Lerntag beginnt, findet an der IGS über die gesamte Woche hinweg in den Bereichen Mathematik, Deutsch und Englisch statt. Jede Schülerin und jeder Schüler erhält in der freien Lern­zeit eigene Aufgaben sowie eine individuelle Förderung von der Lehr­kraft – je nachdem, wo er oder sie gerade steht. Auch die Arbeit mit dem Lern­planer wird fort­gesetzt. An der IGS halten die Schülerinnen und Schüler mehrmals im Schul­jahr die Inhalte fest, die in den nächsten Monaten für sie anstehen. Dabei wissen sie, was sie bereits können und was ihre nächsten persönlichen Ziele sind. Die Lehr­kräfte unter­stützen die Schülerinnen und Schüler bei ihrer Planung. Alle fünf bis zwölf Wochen findet außerdem ein Gespräch zwischen Lehr­kraft, Schülerin/Schüler und Eltern statt, in dem neue Ziele besprochen werden. Im Morgen­kreis, der in der Stamm­gruppe mit etwa 11 Schülerinnen und Schülern statt­findet, nennen alle ihre Tages­ziele. Am Ende des Schul­tages wird im Abschluss­kreis gemeinsam aus­gewertet, was jede und jeder geschafft hat.

Es hat sich gezeigt, dass Klein­gruppen von Schülerinnen und Schülern mit ähnlichen Zielen entstehen, an denen die Lehr­kräfte ihre Unter­richts­angebote ausrichten können.

Wir bedanken uns herzlich bei dem Evangelische Schulzentrum Martinschule.
Die Schule gehört zum Preis­­träger­­netz­­werk des Deutschen Schul­preises, aus dem die Deutsche Schulakademie die Beispiele guter Praxis gewinnt.

Die Deutsche Schulakademie vergibt jährlich 150 Hospitations­­­stipendien an den rund 70 Preis­­träger­­schulen des Deutschen Schul­preises. Mehr Informationen zum Programm finden Sie hier.