Konzept

„Global Citizenship Education“ : Schule bewegt die Welt – und umgekehrt

Mit der „Global Citizenship Education“ möchte die Sophie-Scholl-Schule ein weltorientiertes Lernen ermöglichen, das ganzheitlich und fächerübergreifend angelegt ist. Kinder und Jugendliche sollen die Grundlagen erhalten, um die komplexen Zusammenhänge der Globalisierung zu erfassen und handlungsfähig zu werden.

30. November 2018

Die Schule hat es sich zur Aufgabe gemacht, das systemische Denken fest in den Unterricht zu etablieren. Um diese anspruchs­vollen Ziele zu erreichen, ist aus Sicht der Schule ein ganz­heitliches und fächer­über­greifendes, welt­orientiertes Lernen von Nöten.

Informationen zur Schule

  • Name: Sophie-Scholl-Schule
  • Ort: Bad Hindelang, Bayern
  • Schulform: Förderschule (Schwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung) und Schule für Kranke (alle Schularten)
  • Zahl der Schülerinnen und Schüler: ca. 150
  • Zahl der Lehrerinnen und Lehrer: 11
  • Ansprechperson: Angela Dombrowski (Schulleiterin)
  • Kontakt: schule@santa-maria.de
  • Schulpreis im Jahr: 2010
  • Schul-Porträt: http://schulpreis.bosch-stiftung.de

Das Konzept

Die Sophie-Scholl-Schule ist Teil der Alpenklinik Santa Maria und liegt auf 1200 Metern Höhe in Oberjoch im Allgäu. Sie wird von chronisch kranken Kindern und Jugendlichen in der Regel für jeweils sechs bis acht Wochen besucht. Die Schülerinnen und Schüler kommen aus verschiedenen Bundes­ländern und Schul­formen. Viele von ihnen zeigen, bedingt durch ihre Erkrankungen, große Lücken in der Lern­entwicklung. In jahr­gangs- und schul­form­gemischten Lern­gruppen mit bis zu 16 Schülerinnen und Schülern sollen nach­haltige Lern­prozesse bei jeder und jedem (wieder) in Gang gesetzt werden. Dafür nutzen die Lehr­kräfte individuelle Lern­arrangements und viel­fältige gemeinsame Arbeits­phasen.

Die Schule hat festgestellt, dass nach­haltiges Lernen am besten in Zusammen­hängen gelingt und nicht inner­halb isolierter Fach­inhalte. Aus dieser Erkenntnis entstand das themen­zentrierte Lernen: Die Schülerinnen und Schüler forschen alle gemeinsam zu einem Themen­feld, dabei geht jede und jeder einzelne einem anderen Aspekt nach. Viel­fältige Formen des Lernens sind dabei von großer Bedeutung. Mit individuellen Plänen bearbeiten die Kinder und Jugendlichen ihre persönlichen Lern­inhalte innerhalb der vorbereiteten Lern­umgebung. Zudem erfährt jede und jeder in wöchentlichen Ziel­vereinbarungs­gesprächen ein wert­schätzendes Feed­back. So werden die Schülerinnen und Schüler in ihrem persönlichen Lern­prozess begleitet und erfahren gleich­zeitig, dass sie für das eigene Lernen maß­geblich verantwortlich sind. Im Rahmen der persönlichen Lern­arrangements werden die klassischen Lehr­planinhalte vieler Fächer integriert und zusätzlich sinn­hafte Bezüge zur Lebens­umwelt der Kinder und Jugendlichen hergestellt.

Ich dachte, die Menschen in Afrika sind so arm, weil sie nicht hart arbeiten. Durch meine Forscher­arbeit zum Thema Tansania habe ich erfahren, dass das nicht stimmt. Und ich habe entdeckt, dass unser Reichtum hier auch mit der Armut der Menschen dort zu tun hat. Ich will mir beim Einkaufen in Zukunft mehr Gedanken machen. Und ich denke jetzt anders über die Menschen, die zu uns geflüchtet sind.
Ein ehemaliger Schüler (12 Jahre)

Auf Grund der globalen und politischen Heraus­forderungen verlagerte sich die thematische Arbeit immer mehr hin zu umfassenden „Welt­themen“ wie „Brot und Wasser – Menschen­recht oder Luxus?“, „Mein Einkaufs­korb im Regen­wald“ oder „Fashion and Victims“. Einen ersten Zugang zu diesen Themen bieten die „Nachrichten der Woche“, die von den Schülerinnen und Schülern in den Medien verfolgt, gesammelt und immer freitags präsentiert werden. Dabei geht es nicht allein um die Betrachtung der Fakten, sondern auch darum, die Hinter­gründe und systemische Zusammen­hänge zu ergründen. Von besonderer Bedeutung ist es dabei, das Augen­merk der Schülerinnen und Schüler auf Themen zu richten, die für sie selbst wie für alle Menschen von Bedeutung sind. Dafür stehen thematisch vorbereitete Räume wie zum Beispiel zum Regen­wald zur Verfügung. In der Primar­stufe sind all­tägliche Produkte wie Schokolade, Palmöl oder auch Bauxit interessante Lern­inhalte. An ihrem Beispiel kann der Zusammen­hang unseres Konsum­verhaltens mit dem Zustand des Regen­walds und den Lebens­bedingungen der dort lebenden Menschen anschaulich vermittelt werden. Die Arbeit am Thema ist eng mit einer praktischen Tätig­keit verbunden und eröffnet durch den eigenen Lebensstil ein Handlungs­spektrum, das Selbst­wirksamkeit und Verantwortung in sich vereinen soll.

Die Lehrkräfte an der Sophie-Scholl-Schule verstehen sich auch als Modell für eine verantwortliche Gestaltung des eigenen Lebens. Ein bewusstes Konsum­verhalten spielt dabei eine ebenso wichtige Rolle wie ihre Kompetenzen – zum Beispiel die Perspektive des Gegen­übers einzunehmen, Konflikte zu lösen, mit Krisen umzugehen oder auch die Fähigkeit, komplexe Themen in kreativ-anschaulicher Weise aufzubereiten.

Vortrag von Dr. Maja Göpel zum Thema GCED

Wir bedanken uns herzlich bei der Sophie-Scholl-Schule.
Die Schule gehört zum Preis­­träger­­netz­­werk des Deutschen Schul­preises, aus dem die Deutsche Schulakademie die Beispiele guter Praxis gewinnt.

Die Deutsche Schulakademie vergibt jährlich 150 Hospitations­­stipendien an den rund 70 Preis­­träger­­schulen des Deutschen Schul­preises. Mehr Informationen zum Programm finden Sie hier.

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