Konzept

Persönliche Lernarrangements : Im Gasthaus des Lernens

Mit der individuell passenden Balance zwischen Struktur und Freiheit schafft die Sophie-Scholl-Schule eine Lernumgebung, die inspiriert und persönliche Erfolge ermöglicht.

14. Juni 2018

Bei den persönlichen Lern­arrangements erfolgt das Lernen nicht nach Fächern, sondern nach Themen­feldern, die Frage­stellungen aus verschiedenen Lern­bereichen beinhalten.

Informationen zur Schule

  • Name: Sophie-Scholl-Schule
  • Ort: Bad Hindelang, Bayern
  • Schulform: Förderschule (Schwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung) und Schule für Kranke (alle Schularten)
  • Zahl der Schülerinnen und Schüler: ca. 150
  • Zahl der Lehrerinnen und Lehrer: 11
  • Ansprechperson: Angela Dombrowski (Schulleiterin)
  • Kontakt: schule@santa-maria.de
  • Schulpreis im Jahr: 2010
  • Schul-Porträt: http://schulpreis.bosch-stiftung.de

Die Sophie-Scholl-Schule ist Teil der Alpenklinik Santa Maria und liegt auf 1200 Metern Höhe in Oberjoch im Allgäu. Sie wird von chronisch kranken Kindern und Jugendlichen besucht, die sich aufgrund von Asthma, Neuro­dermitis, Adipositas oder anderen Beschwerden für etwa sechs bis acht Wochen in der Klinik aufhalten. Die Schüler­innen und Schüler kommen aus verschiedenen Bundes­ländern und unter­schiedlichen Schul­formen. Viele von ihnen haben – bedingt durch ihre Erkrankungen – große Lücken in ihrer Lern­entwicklung. Manche haben auch die Freude am Lernen verloren oder zeigen Symptome von Schul­verweigerung. Daher geht es für diese Schüler­innen und Schüler häufig erst einmal darum, mit ihren eigenen Interessen und Möglichkeiten in Kontakt zu kommen und das Lernen zu lernen.

Die externen Erwartungen an die Sophie-Scholl-Schule sind hoch: Lehrkräfte an den Heimat­schulen, Eltern und oft auch die Schüler­innen und Schüler gehen oft davon aus, dass vorhandene Lücken in Oberjoch geschlossen und gleichzeitig neue Lern­inhalte gelernt werden. Die Lehr­kräfte an der Sophie-Scholl-Schule setzen bereits seit Jahren darauf, dass diese Ziele nicht durch klassischen (Frontal-)Unterricht, sondern durch individuelle Lern­prozesse mit gemeinsamer fächer­über­greifender Planung und methodischer Vielfalt erreicht werden.

Warum muss ein Kind erst krank werden, um auf so eine Schule gehen zu dürfen?
SZ-Redakteur Tanjev Schulz in einer Reportage über die Sophie-Scholl-Schule für die Süddeutsche Zeitung

In jahrgangs- und schulformgemischten Lerngruppen mit bis zu 16 Schüler­innen und Schülern sollen nachhaltige Lern­prozesse bei jeder und jedem (wieder) in Gang gesetzt werden. Dafür nutzen die Lehr­kräfte individuelle Lern­arrangements, aber auch viel­fältige gemeinsame Arbeits­phasen. Das Kollegium ist davon über­zeugt, dass Lernen am besten im Zusammen­spiel von offenen und geschlossenen Lern­formen gelingt: Vollkommene Freiheit kann leicht zu Überforderung und Orientierungs­losig­keit führen. Zu enge Vorgaben hemmen dagegen oft sowohl die Motivation und Kreativität der Schüler­innen und Schüler als auch ihr Potential, eigene Zugänge zu Lern­inhalten zu entdecken. Dabei braucht jede Schülerin und jeder Schüler ein unter­schiedliches Maß an Strukturierung und Freiheit Die Kunst der Lehr­person liegt darin, auf Grund­lage genauer Beobachtung und einer guten professionellen Beziehung zu den Schüler­innen und Schülern heraus­zufinden, was jede und jeder Einzelne an Unter­stützung benötigt, um im Lern­prozess voranzukommen. Um sowohl den Anforderungen des Lehrplans, als auch den persönlichen Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler zu entsprechen, greifen die Lehr­kräfte flexibel auf eine Vielfalt von Lern­inhalten, Lern­methoden sowie Lern­settings mit unter­schiedlichen Formen der Anerkennung von Leistung zurück.

Die Schülerinnen und Schüler erarbeiten sich die Inhalte selbst und werden dabei von den Lehrkräften begleitet und unterstützt. Das Lernen erfolgt nicht nach Fächern, sondern nach Themenfeldern, die Frage­stellungen aus verschiedenen Lern­bereichen beinhalten. Diese orientieren sich an der Lebens­wirklich­keit der Schülerinnen und Schüler und wecken dadurch ihr Interesse. Es hat sich gezeigt, dass praktisches Arbeiten mit den Händen, aber auch die selbständige Tätigkeit mit ansprechenden Materialien hervorragende Voraussetzungen für gute Lernergebnisse bieten.

Die Erfahrung, das angeeignete Wissen auch außerhalb der Schule anwenden zu können, motiviert die Schülerinnen und Schüler dazu, über den Seitenrand des Schulbuchs hinaus zu lesen und sich neue Horizonte zu erschließen.

Wir bedanken uns herzlich bei der Sophie-Scholl-Schule.
Die Schule gehört zum Preis­­träger­­netz­­werk des Deutschen Schul­preises, aus dem die Deutsche Schulakademie die Beispiele guter Praxis gewinnt.

Die Deutsche Schulakademie vergibt jährlich 150 Hospitations­­stipendien an den rund 70 Preis­­träger­­schulen des Deutschen Schul­preises. Mehr Informationen zum Programm finden Sie hier.

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