Konzept

Schule öffnen : Netzwerkarbeit im ländlichen Raum

Im hessischen Mengerskirchen initiierten die Lehrkräfte der Grundschule ein kommunales Netzwerk, das Familien im ländlichen Raum auf vielfältige Art und Weise unterstützt.

18. Oktober 2019

Ziel des Bildungsforums Mengerskirchen ist es, mit vereinten Kräften alle Kinder und Jugendlichen der Region best­möglich zu fördern und auf ihrem Weg zu begleiten.

Informationen zur Schule

Das Konzept

Die Franz-Leuninger-Schule ist eine inklusive, im Ganztag betriebene Grund­schule am Rande des hessischen Wester­waldes und wird von Kindern aus den fünf zur Gemeinde Mengerskirchen gehörenden Ort­schaften besucht.

Getreu dem Motto „Stärken stärken, Schwächen schwächen“ versucht die Schule, jeder Schülerin und jedem Schüler gerecht zu werden – auch solchen mit Behinderungen oder mit einer Hoch­begabung. Dabei hilft ein kommunales Netz­werk, das Bildungs­forum Mengerskirchen (BFM). Dieses ist auf Initiative der Schule entstanden, die sich bis heute als Herz und Motor des Netzwerks versteht. Das BFM ist ein offener Zusammen­schluss von Institutionen und Personen, die an der Erziehung und Bildung von Kindern vor Ort beteiligt sind. Die Akteure verstehen sich als Team, kennen sich gut und wissen um die jeweiligen Ressourcen und Arbeits­schwer­punkte. Wechsel­seitige Unters­tützung und Hilfe können so zu jeder Zeit abgerufen werden.

Die Schulleiterin der Franz-Leuninger-Schule ist Sprecherin und Haupt­verantwortliche des kommunalen Netz­werkes. Weitere Mitglieder sind Vertreterinnen und Vertreter der Krippen und Kitas, der weiterführenden Schule, der Kommune, der Kirchen­gemeinde, des Familien­zentrums, der Vereine, der heimischen Wirtschaft und ansässige Therapeuten. Die Anzahl der Mitglieder ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen.

Alle Mitglieder im Bildungs­forum über­legen, wie sie sich mit ihren Perspektiven und Professionen einbringen können, so dass jedes Kind auf seinem Weg begleitet wird und die Familien die Unter­stützung finden, die sie benötigen.
Nicole Schäfer, Schulleiterin

Getreu dem afrikanischen Sprich­wort „Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen“, wirken alle gemeinsam mit zum Wohle der Kinder. Ziel ist es, dass jedes Kind die besten Entwicklungs­chancen erhält und niemand wegen seiner Herkunft abgehängt oder wegen seines Handicaps aus­geschlossen wird. Auch Kinder mit Migrations­hinter­grund und Flucht­erfahrung sollen integriert werden. Die Eltern werden dabei als Partner gesehen und aktiv eingebunden.

Wenn Kinder in manchen Bereichen Schwierig­keiten haben, greift ein individuelles Förder­konzept. Um dies professionell auf­zu­stellen, gehören neben 22 Lehr­kräften auch eine Erzieherin und eine Sozial­pädagogin zum Team der Schule. Hinzu kommen eine Psychologin, eine Ergo­therapeutin und eine Logopädin, die ebenfalls dem Netz­werk angehören. Steht der Über­gang in die weiter­führende Schule an, kommen alle Personen, die mit dem Kind arbeiten und es gut kennen, zu einem Gespräch zusammen. Das können neben den Eltern, Lehr­kräften und Erzieherinnen zum Beispiel auch Sozial­pädagogen, Psychologinnen und Therapeuten sein.

Die Unterstützung für die Familien setzt jedoch bereits weit­aus früher an. So wird jedes Kind mit seiner Geburt offiziell von der Kommune begrüßt. Die Eltern erhalten bei Bedarf Unter­stützung durch verschiedene Ansprech­partnerinnen, die bei Problemen bereit­stehen. So gibt es z.B. für Arzt­besuche einen Fahr­dienst, eine Ehren­amts­börse bietet ihre Dienste an, ein Härte­fond hilft bei finanziellen Schwierig­keiten. Alle zur Kommune gehörenden Kitas haben jeweils eine Gruppe für Vor­schul­kinder eingerichtet. Die so genannten „Schul­schlümpfe“ besuchen einmal die Woche die Grund­schule, essen dort zu Mittag und lernen dabei die Räumlichkeiten und die Lehr­kräfte kennen.

Wir bedanken uns herzlich bei der Franz-Leuninger-Schule.
Die Schule gehört zum Preis­­träger­­netz­­werk des Deutschen Schul­preises, aus dem die Deutsche Schulakademie die Beispiele guter Praxis gewinnt.

Die Deutsche Schulakademie vergibt jährlich 150 Hospitations­­­stipendien an den rund 70 Preis­­träger­­schulen des Deutschen Schul­preises. Mehr Informationen zum Programm finden Sie hier.