Konzept

Individuell Fördern : Individuelle Lösungen für Kinder mit Förderbedarf auch in der Pandemie

Förderschulen hat die Corona-Pandemie vor besondere Herausforderungen gestellt. Gerade Kindern mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung fällt das Lernen im Distanzunterricht schwer. Die Mosaikschule in Marburg hat es dennoch geschafft, alle Kinder auch während der Schulschließungen zu erreichen und sie individuell zu fördern. Möglich wurde das, weil die Kinder ab ihrem Schuleintritt digitale Medien nutzen und lernen, selbstständig und eigenverantwortlich zu arbeiten.

29. März 2021 Aktualisiert am 10. Mai 2021
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Das Konzept

Ziel der Mosaikschule ist es, dass die Schülerinnen und Schüler eine größtmögliche Teilhabe am gesellschaftlichen Leben erreichen. Während der Unterricht an Förderschulen mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung oft eher lebenspraktisch ausgerichtet ist, möchte die Mosaikschule ihren Schülerinnen und Schülern auch Fachunterricht vermitteln. Die Kinder sollen in Deutsch und Mathematik die Kompetenzen Lesen, Schreiben und Rechnen erwerben. Die Mosaikschule macht den Kindern und Jugendlichen dabei individuelle Lernangebote, die auf die jeweiligen kognitiven, sozialen, sprachlichen und körperlichen Kompetenzen abgestimmt sind.

Im Stundenplan der Mosaikschule gibt es ein tägliches sogenanntes Förderband für die Fächer Deutsch und Mathematik sowie Unterstützte Kommunikation und basale Entwicklungsförderung. Die Lehrkräfte arbeiten im Förderband mit den Kindern in Kleingruppen. Dabei wird jedes Kind auf seinem eigenen Niveau abgeholt.

Die Erziehung zur Selbstständigkeit ist der Schlüssel zur gesellschaftlichen Teilhabe.
Schulleiterin Susanne Geller

Möglich wird das unter anderem durch differenzierte Lernmaterialien, die die Schule auf Basis des aktuellen Forschungsstandes selbst entwickelt hat, und ein schulinternes Verfahren zur Lernstandsdiagnostik. Zur Differenzierung des Unterrichts nutzte die Förderschule auch schon vor der Pandemie digitale Medien und hatte ein Videokonferenzsystem angeschafft. Dadurch konnte die Mosaikschule direkt nach den Schulschließungen digitale Konferenzen im Kollegium einrichten. Da auch die Schülerinnen und Schüler im Umgang mit digitalen Medien geübt sind und es zu allen Familien Kontakt gibt, war es möglich, mit vielen Kindern und Jugendlichen über Videokonferenzen zu kommunizieren.

Wichtige Säule im Lernprozess ist die Einbeziehung der Eltern

Großen Wert legt die Schule auf das selbstständige Arbeiten ihrer Schülerinnen und Schüler. „Die Erziehung zur Selbstständigkeit ist der Schlüssel zur gesellschaftlichen Teilhabe“, sagt Schulleiterin Susanne Geller. Um das zu erreichen, schließen die Lehrkräfte mit den Kindern und Jugendlichen regelmäßig Lernverträge ab und führen Lerngespräche.

Eine wichtige Säule im Lernprozess ist auch die Einbeziehung der Eltern. Es besteht ein enger Austausch mit den Familien, sodass die Schule immer einen Überblick über die Lebenssituation der Kinder hat und auf Veränderungen reagieren kann.

Ihr Lernkonzept hat die Mosaikschule im Homeschooling aufrechterhalten. Für die Schülerinnen und Schüler blieb der verlässliche und bekannte Tagesablauf weitestgehend bestehen. So gab es zum Beispiel morgens weiterhin das Förderband. Das Lernen im Distanzunterricht musste aber für jedes Kind individuell angepasst werden – an die jeweiligen Bedürfnisse, die technische Ausstattung zu Hause und die Unterstützungsmöglichkeiten der Eltern.

Dort, wo die Erreichbarkeit über digitale Kanäle schwierig war oder die Eltern ihre Kinder nicht unterstützen konnten, haben Lehrkräfte individuell zusammengestellte Lernmaterialien direkt zu den Familien gebracht. Schulleiterin Susanne Geller hat diese Fahrten „Rotkäppchen-Touren“ genannt.

Für manche Kinder gab es in der Pandemie eine Eins-zu-eins-Betreuung

Als die Schulen wieder im Wechselmodell öffnen konnten, wurden die Klassen geteilt, der Unterricht fand in festen Kleingruppen statt. Damit es den Kindern leichter fiel, Abstandsregeln einzuhalten und um eine Durchmischung der Gruppen zu vermeiden, wurde für jedes Kind ein fester Arbeitsplatz und eine eigene Arbeitsbox mit personalisierten Lernmaterialien eingerichtet. Die Kinder aus der anderen Teilgruppe und die, die zu einer Risikogruppe gehörten und deshalb noch nicht zurück an die Schule kommen konnten, wurden zum Teil in den Kleingruppenunterricht dazugeschaltet.

Der Unterricht in den Kleingruppen fand zunächst an vier Tagen in der Woche in der Schule statt. Damit hatten die Lehrkräfte ausreichend Möglichkeiten, sich an einem Tag in der Woche den Schülerinnen und Schülern zu widmen. Sie lernten zunächst in Einzelförderung die Abstands- und Hygieneregeln, damit sie in den Präsenzunterricht zurückkehren konnten.

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Präsentation des Konzepts der Mosaikschule beim Digitalen Impuls „Alle Schülerinnen und Schüler individuell fördern” vom 30. März 2021.

Die Mosaikschule ist Preisträger des Deutschen Schulpreises 20|21 Spezial. Mit dem Deutschen Schulpreis 20|21 Spezial zeichnen die Robert Bosch Stiftung und die Heidehof Stiftung zukunftsweisende Konzepte aus, die Schulen in der Corona-Krise entwickelt oder weiterentwickelt haben und die das Potenzial haben, das Lernen und Lehren langfristig zu verbessern. Alle Konzepte der Bewerberschulen sehen Sie hier.