Konzept

Jugendschule am Schlänitzsee : Ein Lern- und Arbeitsort in der Natur

Schülerinnen und Schüler aus den Klassenstufen sieben und acht der Montessori-Ober­schule in Potsdam verbringen die Hälfte ihrer Unter­richts­zeit unter freiem Himmel. Fernab von der Enge eines Klassen­raums arbeiten und experimentieren die Jugendlichen in Land­wirtschaft und Natur. Dabei lernen sie selbst­ständig zu denken und zu handeln.

27. April 2018

Die Montessori Oberschule Potsdam hat am Schlänitzsee einen ganz besonderen Lern- und Arbeitsort für 12- bis 14-Jährige geschaffen.

Informationen zur Schule

  • Name: Montessori Oberschule Potsdam
  • Schulform: Gesamtschule
  • Zahl der Schülerinnen und Schüler: 480
  • Zahl der Lehrerinnen und Lehrer: 45
  • Ansprechpersonen: Ulrike Kegler (Schulleiterin), Mathias Peeters (Landwirt und Pädagoge), Mario Panade (Lehrer und Mitglied im Vorstand des Vereins „Jugendschule Schlänitzsee“)
  • Kontakt: info@potsdam-montessori.de
  • Schulpreis im Jahr: 2007
  • Schul-Porträt: http://schulpreis.bosch-stiftung.de

Mit der Jugendschule am Schlänitzsee hat die Potsdamer Schule ein Konzept umgesetzt, das Maria Montessori einst als „Erd­kinder­plan“ beschrieb. Konkret geht es darum, Schüler­innen und Schülern in der Pubertät einen Raum zu geben, in dem sie sich entfalten können und der es ihnen gleich­zeitig ermöglicht, die Verbindung des Menschen mit der Natur praktisch zu erfahren. Die Jugend­schule umfasst ein Gelände von etwa fünf Hektar. Es liegt gut 12 Kilometer nord­westlich von der Schule zwischen Feldern und dem Schlänitzsee. Auf dem Gelände befinden sich drei Bau­wagen, auch für Unter­richt geeignet, sowie eine alte Garage, die als Werk­statt und Aufenthalts­raum dient. Über einen Zeit­raum von zwei Jahren halten sich die Schüler­innen und Schüler der Jahr­gangs­stufe 7/8 jeweils zwei Wochen im Monat dort auf. Nach den Sommer­ferien ist es für die Neuen eine der ersten Aufgaben, die tägliche Fahrt zur Jugend­schule zu organisieren – mit öffentlichen Verkehrs­mitteln oder in Klein­gruppen mit dem Fahr­rad. Hilfe durch die Eltern ist nicht erwünscht, denn eigen­ständig Wege zu finden und zu bewältigen, selbst­ständig zu denken und zu handeln, sind wichtige Lern­ziele des Projekts.

Früher haben wir gesagt: Obwohl unsere Schülerinnen und Schüler sich viel außerhalb der Schule aufhalten, machen sie gute Abschlüsse. Heute sagen wir: Weil sie so oft draußen sind, machen sie gute oder sehr gute Abschlüsse.
Ulrike Kegler, Schulleiterin

Täglich sind zwischen 8:30 und 16:00 Uhr etwa 30 bis 35 Schüler­innen und Schüler gemeinsam mit zwei Lehr­kräften und zwei Experten aus der Land­wirtschaft vor Ort. Die 12- bis 14-Jährigen sind in verschiedene Klein­gruppen eingeteilt: Eine Gruppe besorgt Lebens­mittel und Getränke und kocht in einer Außen­küche ein Mittag­essen für alle. Eine zweite sät, pflügt oder erntet auf den Feldern der Jugend­schule. Eine dritte Gruppe pflegt den Kompost, eine vierte reinigt die Kompost­toilette. Alle Aufgaben rotieren. Daneben gibt es theoretische Lern­ein­heiten, zum Beispiel zur Nahrungs­situation in Deutschland und welt­weit. Ein anderes Thema sind die historischen und praktischen Grund­lagen der Drei-Felder-Wirtschaft. Ausgehend von diesen Kenntnissen entscheiden die Jugendlichen gemeinsam, was auf dem Feld angebaut werden soll. Sie einigen sich darauf, welches Saatgut sie benötigen und bestellen es eigen­ständig. Ein Teil der Ernte verkaufen sie auf einem Stand vor der Schule. Damit sind sie in die ökonomischen Kreis­läufe eingebunden, ihre Vorhaben profitierten von den Erlösen. Manchmal entwickeln sich in der Jugend­schule auch neue oder spezielle Aufgaben, zum Beispiel Experimente mit seltenen Getreide­sorten oder die Anlage eines Teiches.

Von den sechs Lerngruppen der Klassenstufe 7/8 halten sich immer jeweils zwei auf dem Gelände am Schlänitzsee auf. Zwei weitere Lern­gruppen haben in dieser Zeit Unterricht in der Schule. Die fünfte Gruppe ist zuständig für den Verkauf am Markt­stand vor dem Schul­gebäude sowie für die Herstellung von Produkten, die im Schul­café verkauft werden. Die sechste Gruppe ist im Tier­praktikum – sie besucht gemeinsam mit einer Lehr­kraft einen Hof mit Bio­hühnern oder befasst sich mit der Haltung von Schafen, Eseln, Ziegen oder Bienen. Lern­ziel ist es, Verantwortung für diese Tiere über­nehmen zu können.

Die Schülerinnen und Schüler sammeln in der Land­wirtschaft und bei der Selbst­verpflegung wichtige Erfahrungen; zum Beispiel, dass Arbeiten und Lernen keine Gegen­sätze sind, sondern einander bedingen. Theorie und Praxis werden ständig mit­einander verknüpft, indem die Jugend­schule immer an realen Vorgängen ansetzt. Dazu gehört der geschichtliche Hinter­grund des Grundstücks als ehemaliges Ferien­gelände der Staats­sicherheit ebenso wie die Erfahrung, ein Stück Boden wieder in ein ökologisches Gleich­gewicht zu bringen. Im Selbst­verständnis der Jugend­schule sind die Lehrenden, wenn auch mit anderen Kompetenzen ausgestattet, genauso lernende wie die Jugendlichen. Auch sie müssen mitunter Probleme lösen, die neu für sie sind.

Ein solches Vorhaben kann nur gelingen, wenn alle Akteure hinter dem Projekt stehen. Daher sind die Eltern, die Schüler­innen und Schüler, die Lehr­kräfte wie auch die beteiligten Experten partizi­pativ in das Projekt eingebunden.

Wir bedanken uns herzlich bei der Montessori Oberschule Potsdam.
Die Schule gehört zum Preis­­träger­­netz­­werk des Deutschen Schul­preises, aus dem die Deutsche Schulakademie die Beispiele guter Praxis gewinnt.

Die Deutsche Schulakademie vergibt jährlich 150 Hospitations­­stipendien an den rund 70 Preis­­träger­­schulen des Deutschen Schul­preises. Mehr Informationen zum Programm finden Sie hier.

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