Konzept

Zusammenarbeit : Ein Krisenkonzept von allen für alle

Das Johannes-Gutenberg-Gymnasium im nieder­bayerischen Waldkirchen hat schon einige Wochen vor den Schul­schließungen 2020 damit begonnen, ein Konzept für den Distanz­unterricht zu entwickeln. An der Entwicklung war die ganze Schul­gemeinschaft in verschiedenen Teams beteiligt. Bei der Umsetzung und Weiter­entwicklung haben vor allem eine starke Kommunikation und das Feedback der Schülerinnen und Schüler geholfen. Die Erfahrung hat den Teamgeist in der Schule gestärkt.

26. April 2021 Aktualisiert am 20. August 2021
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Das Konzept

Schon einige Wochen bevor im März 2020 die Schulen tatsächlich schlossen, hat sich das Johannes-Gutenberg-Gymnasium Waldkirchen auf den Ernst­fall vorbereitet und verschiedene Szenarien für den Distanz­unterricht erwogen. Im Februar wurde ein Planungs­stab mit verschiedenen Gruppen eingerichtet, in dem nicht nur Schul­leitung und Lehrkräfte, sondern sukzessive Vertreterinnen und Vertreter aller Gremien der Schul­gemeinschaft einbezogen wurden. Etwa 30 Prozent der Lehrkräfte und Mitglieder in den Gremien waren letztendlich an der Entwicklung des Konzepts beteiligt, „was zu einer außer­ordentlich hohen Akzeptanz aller schulischen Maßnahmen beigetragen hat“, so der Schul­leiter.

In mehreren Schritten hat die Schule ihr Konzept für die Krise umgesetzt und fort­laufend weitere­ntwickelt:

1. Vorsorgephase

Drei Steuerungsgruppen haben sich mit verschiedenen Fragestellungen befasst: Team „Hygiene“, Team „Organisation“, Team „JGG dahoam“ (Fokus Distanz­unterricht). Zusammen haben sie eine Art Masterplan zum Distanz- und Präsenz­unterricht unter verschiedenen Rahmenbedingungen entwickelt sowie Vorsorge- und Hygienemaßnahmen eingeleitet.

2. Vorbereitungsphase

Die Schule hat auf Basis von Mebis eine eigene Lernplattform, „JGG-dahoam“, eingerichtet. Die Plattform enthält unter anderem digitale Klassen­zimmer, ein digitales Lehrer­zimmer sowie einen Treffpunkt für den gemeinschaftlichen Austausch der Schul­familie. Innerhalb des Kollegiums fanden Schulungen zur Arbeit auf „JGG dahoam“ statt. Schülerinnen und Schüler arbeiteten noch vor den Schulschließungen probe­weise in der digitalen Lern­umgebung, um den „Ernstfall“ zu proben, und die Eltern wurden in einem Eltern­brief über die Planungen informiert.

3. Initialphase

Mit Beginn der Schulschließungen ist das Johannes-Gutenberg-Gymnasium komplett auf „JGG dahoam“ umgezogen. Dabei gab es umfang­reichen technischen Support für Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler – telefonisch, per Mail und per Video­konferenz, anfangs auch am Wochenende. Wie die Arbeit auf der Lern­platt­form ablaufen sollte, wurde im Kollegium verbindlich und einheitlich geregelt, um für alle rasch Routine und Verlässlichkeit sicher­zu­stellen. Wichtig war dabei auch, den Digital­unterricht zunächst so zu gestalten, dass alle Einheiten auch über das Smartphone laufen konnten, damit Schülerinnen und Schüler teilnehmen können, auch wenn sie zu Hause keinen Computer oder WLAN-Anschluss haben.

4. Weiterentwicklungs­phase

Um den Digitalunterricht zu optimieren und besser an die Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler anzupassen, hat die Schule schon im April 2020 in der ganzen Schul­gemeinschaft eine große Online-Umfrage durch­geführt. Außerdem haben sich die Lehrerinnen und Lehrer in den folgenden Wochen immer wieder das Feedback der Schülerinnen und Schüler eingeholt und entsprechend Anpassungen vorgenommen. Ein Wunsch aus der Schülerschaft war zum Beispiel, dass Aufgaben individueller besprochen werden. Daraufhin haben die Lehr­kräfte ein individuelles Lerncoaching entwickelt. Für die Befragungen nutzt die Schule die App „FeedbackSchule“ mit standardisierten Fragebögen.

5. Flexibilisierungsphase

Mit der schrittweisen Öffnung der Schulen ab Ende April waren dann vor allem die Teams „Organisation“ und „Hygiene“ damit beschäftigt, den Wechsel­unterricht zu gestalten und in der Schule die Hygiene­regeln umzusetzen. Das Team „JGG dahoam“ war neben der Weiter­entwicklung des Fern­unterrichts damit befasst, die technische Ausstattung in der Schule und bei den Schülerinnen und Schülern weiter zu verbessern. So hat die Schule zur Optimierung der Performance und zur Sicher­stellung des Daten­schutzes einen Server angemietet; außerdem hat sie dafür gesorgt, dass über externe Sponsoren rasch mehr Leihgeräte für Schülerinnen und Schüler zur Verfügung stehen.

6. Verstetigung

Das Konzept für den Distanzunterricht hat sich inzwischen verstetigt, zugleich ist es aber Anspruch der Schule, sich weiter zu verbessern. Daher holt sie sich weiterhin regelmäßig Feedback im Kollegium und in der Schülerschaft ein und arbeitet auf dieser Grundlage an der Optimierung.

Bei allem technischen und organisatorischen Aufwand war es der Schule auch wichtig, in einer Zeit, in der nie alle zugleich in der Schule sind, Gemeinschaftserlebnisse zu schaffen, um den Zusammenhalt zu stärken. So hat sie „Challenges of the Week“ ausgerufen. Das sind Aufgaben, bei deren Lösung oder Bewältigung sich die gesamte Schul­familie beteiligen kann. So entstanden bislang Strophen für eine eigens komponierte Schulhymne, es gab gemeinsame Koch-Events per Video unter Anleitung eines Sternekochs oder Online-Workouts mit einem Fitness­trainer, bei dem jeder von zu Hause aus mitmachen konnte. Auch die Abifeier fiel nicht aus, sondern wurde ins Autokino verlegt. Noch heute schmückt das gesamte Schulgebäude ein „Vogelschwarm“ aus mehr als 300 Zeichnungen, mit denen die Schülerinnen und Schüler während des ersten Lockdowns aufmunternde Botschaften in die Schule schickten.

Wichtigste Bedingungen, damit die Arbeit in der Krise erfolgreich ist, waren für die Schule Kommunikation und Partizipation. „Kommunikation wird als wesentlicher Aspekt der schulischen Integration verstanden und in unserer Schule strukturiert nach den Schwerpunkten Information sowie Feedback und Dialog“, erklärt Schulleiter Andreas Schöps.

Schülerinnen und Schüler des Johannes-Gutenbergs-Gymnasiums schätzen wiederum vor allem, dass sie Vorschläge einbringen können und nicht über sie bestimmt wird. „Ich kann mich auf einer Ebene mit der Schul­leitung unterhalten“, lobt der Schülersprecher Felix Traxinger. Und Christian Weishäupl vom Schul­leitungs­team ergänzt: „Schulkultur bedeutet für uns, dass nicht von oben nach unten Entscheidungen weitergegeben werden, sondern dass der partizipative Ansatz gelebt wird.“ Durch die Beteiligung aller Schul­beteiligten an den Steuerungs­gruppen „ist ein besonderer Teamgeist entstanden“, sagt Julia Liedl, eine Lehrerin an der Schule.

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Die Präsentation beim Digitalen Impuls der Deutschen Schulakademie am 27. April 2021.

Nominierung Deutscher Schulpreis 20I21

Das Johannes-Gutenberg-Gymnasium Waldkirchen ist für den Deutschen Schulpreis 20|21 Spezial nominiert. Mit dem Deutschen Schulpreis 20|21 Spezial zeichnen die Robert Bosch Stiftung und die Heidehof Stiftung zukunftsweisende Konzepte aus, die Schulen in der Corona-Krise entwickelt oder weiterentwickelt haben und die das Potenzial haben, das Lernen und Lehren langfristig zu verbessern. Alle Konzepte der Bewerberschulen sehen Sie hier.