Konzept

INFamilie : Sozialräumliche Verankerung im Stadtteil

Die Dortmunder Grundschule Kleine Kielstraße kooperiert eng mit anderen sozialen Akteuren im Stadtteil, um bestehende Bildungsangebote besser zu verknüpfen und neue zu schaffen. Kinder und Familien werden beim Übergang von einem Angebot zum nächsten gezielt vermittelt und begleitet.

20. April 2018

In einem sozialen Brennpunkt von Dortmund gelegen, ist die Grundschule Kleine Kielstraße durch ihr Leitbild und Engagement ein wichtiger Anker im Leben der Menschen im Stadtteil.

Informationen zur Schule

  • Name: Grundschule Kleine Kielstraße
  • Schulform: Grundschule
  • Zahl der Schülerinnen und Schüler: 430
  • Zahl der Lehrerinnen und Lehrer: 30
  • Ansprechperson: Maren Reimann (Stellvertretende Schulleiterin)
  • Kontakt: 192296@schule.nrw.de
  • Schulpreis im Jahr: 2006
  • Schul-Porträt: http://schulpreis.bosch-stiftung.de

Das Konzept

Gemeinsam mit dem Familien­zentrum Haus der Generationen und dem Familien-Projekt der Stadt Dortmund hat die Grund­schule Kleine Kielstraße 2011 das Netz­werk INFamilie gegründet. Ziel ist es, den Kindern in der Dortmunder Nord­stadt angemessene Start­chancen in Schule und Beruf zu ermöglichen und möglichst früh pass­genaue, unter­stützende Angebote bis hin zu Präventions­ketten anzu­bieten. Dazu ist jede Institution nicht länger nur für bestimmte Lebens­ab­schnitte eines Kindes zu­ständig, sondern alle Akteur­innen und Akteure fühlen sich für die gesamte Bildungs­bio­graphie ver­ant­wortlich. Zum Netzwerk gehören neben der Grund­schule auch eine örtliche Kita sowie das Förder­zentrum der Diakonie.

In unserem Netzwerk geht der Blick aller Beteiligten über die eigenen Arbeits- und Berufs­grenzen hinaus. Das macht aus meiner Sicht den Erfolg des Projektes INFamilie aus.
Ingolf Sinn, zuständiger Mitarbeiter des Familien-Projekts der Stadt Dortmund

Gemeinsam identifizieren die am Netz­werk Beteiligten Angebots­lücken im Stadt­teil und entwickeln Lösungen, um diese zu schließen. So entstanden in vier Wohn­blocks die so genannten „Kinder­stuben“ für Kinder von ein bis drei Jahren. Dieses Betreuungs­angebot ist direkt in die Nach­bar­schaft integriert: Kurze Wege und ein guter Betreuungs­schlüssel (drei Tages­mütter, neun Kinder) tragen dazu bei, dass die Kinder früh an die deutsche Sprache heran­geführt werden. Bereits bestehende Angebote wurden durch das Netz­werk so erweitert, dass sie besser zu den Lebens­bedingungen der Menschen passen. So wird in den Räum­lich­keiten der Grund­schule inzwischen zum Bei­spiel ein Turn- und Bewegungs­angebot für Klein­kinder an­geboten, da viele Eltern nicht die Grenzen des Quartiers über­winden, um Angebote in anderen Stadt­teilen wahr­zunehmen. Daneben entwickelte das Netz­werk verschiedene Brücken­angebote, um einen lücken­losen früh­kind­lichen Bildungs­prozess zu gewähr­leisten: Neben der erwähnten Betreuung in den Kinder­stuben zählen dazu zum Beispiel die Spiel­gruppe „Erd­männchen“ für Vier- und Fünf­jährige ohne Kita-Platz. Diese Kinder werden wochen­tags von 8:00 Uhr bis 12:15 Uhr in den Räumen, in denen sich nach­mittags die Schüler­innen und Schüler des Ganz­tags auf­halten, von pädagogischen Fach­kräften betreut und auf den Schul­beginn vor­bereitet.

Die Zusammenarbeit zwischen Eltern­haus und Schule nimmt in der Grund­schule Kleine Kiel­straße eine zentrale Stellung ein. So war von Beginn an klar, dass der Grund­schule als erste staatliche Institution, mit der Familien konfrontiert werden, im Rahmen der Netz­werk­arbeit eine Schlüssel­rolle zufällt, denn im Unter­schied zu frei­willigen Angeboten erreicht die Schule alle Eltern. Bereits neun Monate vor der Einschulung findet die Schul­ein­gangs­diagnostik statt. Sind bei dem Kind Entwicklungs­defizite im Bereich Sprache, Motorik oder Zahlen­verständnis zu erkennen, erhält es einen Platz in einem vor­schul­ischen Förder­kurs. Die Eltern der zukünftigen Erst­klässler­innen und Erst­klässler werden ab Dezember einmal im Monat zu einem zwei­stündigen Eltern­gesprächs­kreis in die Schule ein­ge­laden. Hier können sie sich mit anderen Eltern über ihre Sorgen und Vor­freuden aus­tauschen, erhalten Tipps zur vor­schulischen Förderung ihrer Kinder und können erste Ein­blicke in Schul­all­tag und Unter­richt gewinnen. Bei jeder Anmeldung von Schul­anfängern und Schul­anfänger­innen oder neu­zugewanderten Kindern wird systematisch nach jüngeren Geschwistern gefragt, um diese dann in die entsprechenden Angebote des Netz­werks zu vermitteln. Auch für die Eltern gibt es Angebote: Das Eltern­café ist ein nieder­schwelliges Kontakt­angebot, in dem Mütter und Väter die Möglich­keit haben, Kontakte zu knüpfen, Sprach- und Computer­kurse zu besuchen oder sich bei individuellen Problemen beraten zu lassen. Sogenannte „Ruck­sack­mütter“, die bereits Deutsch sprechen, unter­stützen Eltern aus der gleichen Ethnie, denen diese Kenntnisse noch fehlen.

Wir bedanken uns herzlich bei der Grundschule Kleine Kielstraße.
Die Schule gehört zum Preis­­träger­­netz­­werk des Deutschen Schul­preises, aus dem die Deutsche Schulakademie die Beispiele guter Praxis gewinnt.

Die Deutsche Schulakademie vergibt jährlich 150 Hospitations­­stipendien an den rund 70 Preis­­träger­­schulen des Deutschen Schul­preises. Mehr Informationen zum Programm finden Sie hier.

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