Konzept

Zusammenarbeit in Teams : Mit einem starken Team den Unterricht voran­bringen

Die Gesamtschule Körnerplatz in Duisburg startete unter schwierigsten Bedingungen in die Corona-Krise: In der Schule gab es kein WLAN. Die wenigsten Schülerinnen und Schüler hatten digitale Endgeräte. In vielen Familien wird kein Deutsch gesprochen. Die Schule leidet extrem unter dem Lehrermangel. Trotz dieser Heraus­forderungen hat es die Schule mit ihrem starken Teamgeist und viel Engagement geschafft, kein Kind zu verlieren und ihr Unterrichts­konzept digital weiter­zu­entwickeln.

26. April 2021 Aktualisiert am 28. Juli 2021
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Das Konzept

Basis der Schul- und Unterrichtsentwicklung an der Gesamtschule Körnerplatz (vormals: Sekundarschule Rheinhausen) ist die Kollaboration. Auf dieser Basis arbeitet das Kollegium und lernen auch die Schülerinnen und Schüler. „Bildung und Lernen kann nur dann gelingen, wenn die Beteiligten gute, nahe und vor allem solidarische Beziehungen ausbilden“, so die Schul­leiterin Martina Zilla Seifert.

Das Kollegium steht immer in engem Austausch – bei der Unterrichts­entwicklung, bei schulinternen Fortbildungen oder bei der Ausbildung von Quer­einsteigerinnen und Quer­einsteigern. Sie machen etwa die Hälfte des Kollegiums aus, weil die Schule vom Lehrer­mangel stark betroffen ist.

Das Teammodell der Schule hat auch wesentlich dabei geholfen, die Heraus­forderungen der Corona-Krise zu bewältigen. Für die einzelnen Jahr­gänge gibt es an der Gesamtschule Körnerplatz multi­professionelle Teams und feste Team­sitzungen. Diese unterscheiden sich je nach Jahrgang in Umfang und Schwerpunkten. Die „Teamstunden“ der Kolleginnen und Kollegen werden im Stunden­deputat angerechnet, sodass innerhalb des Teams vom Arbeits­umfang her keine Ungerechtigkeiten entstehen. Die Schule sieht dies als wichtige Voraussetzung für die Akzeptanz der Teamarbeit. Oft würden die Lehrkräfte für ihre Arbeit im Team nämlich nicht „bezahlt“.

Jede Teamsitzung beginnt mit einer Warm-up-Phase – das galt auch für die digitalen Team­sitzungen. Das kann zum Beispiel eine überraschende Frage sein, zu der jeder etwas einbringen kann – ganz gleich, ob er schon lange oder erst seit Kurzem zum Kollegium gehört. Gegen­seitige Hospitationen und eine ausgeprägte Feedback­kultur fördern den Blick füreinander und erweitern zugleich den eigenen Horizont.

Wichtig ist der Schule, dass sich alle als „Teil eines großen Ganzen“ verstehen, wie es eine Quer­einsteigerin beschreibt. Nicht zuletzt wegen ihres ausgeprägten Teamgeists ist die Gesamtschule Körnerplatz Referenz­schule für den Bereich Teamentwicklungsprozesse der Qualitäts- und Unter­stützungs-Agentur des Landes­instituts für Schule des Landes Nordrhein-Westfalen (Qua-LiS NRW).

Lernen nach den Prinzipien von Norm und Kathy Green

Auch das Unterrichtskonzept an der Gesamtschule Körnerplatz basiert auf dem Lernen in Kooperation. Dieses vom Team gemeinsam entwickelte Konzept gab allen auch während der Schulschließungen eine stabile Lern­situation. Beim kooperativen Lernen orientiert sich die Schule am Konzept von Norm und Kathy Green. Der Kanadier Norm Green hatte Ende der 80er-Jahre aus dem Bezirk Durham, dem Schlusslicht im kanadischen Bildungs-Ranking, den „innovativsten Schul­bezirk der Welt gemacht“, so die Bertelsmann Stiftung damals. Geschafft hatte er dies mit einer Lernstruktur, die auf die Zusammen­arbeit in Klein­gruppen setzt. Die Gruppen­mitglieder lernen, wie sie am besten gemeinsam zum Ziel kommen, wie wichtig eine gute Kommunikation ist, wie sie sich gegenseitig unterstützen und Verantwortung übernehmen können. 2002 startete Norm Green dann gemeinsam mit seiner Frau Kathy in Mönchengladbach das erste deutsche Regionalprojekt, mit dem er den „Durham-Prozess“ auf die deutschen Verhältnisse übertragen wollte.

Das Konzept von Norm Green hat die Gesamtschule Körnerplatz an die Bedürfnisse ihrer Schülerinnen und Schüler angepasst und drei Aspekte des Lernens heraus­gestellt: kooperatives Lernen, projekt­orientiertes Lernen – ein Tag in der Woche ist ein reiner Projekt­tag – und inter­kulturelles Lernen über Theater- und Musik­projekte, die auch vom Kooperations­partner, der inter­nationalen Kinder- und Jugendbühne „Bahtalo“, umgesetzt werden.

Ziel der Schule in der Corona-Krise war, dieses Konzept in den digitalen Raum zu übertragen. Keine leichte Aufgabe, wenn man bedenkt, dass die Schule vor der Pandemie überhaupt nicht mit digitalen Medien gearbeitet hatte und dafür auch gar nicht ausgestattet war.

In kürzester Zeit musste sie viel in Gang bringen: Am Freitag, den 13. März wurden die Schul­schließungen beschlossen. Am Montag bereits hatte das Admin-Team, das für IT und Digitales zuständig ist, die Lernplattform „IServ“ aktiviert und das Kollegium im Umgang mit der Plattform geschult. Erste Lern­materialien standen schon nach drei Tagen zur Verfügung.

Am ersten Tag der Schul­schließungen hat das Team feste Kommunikations­strukturen vereinbart

Gemeinsam haben die Lehrkräfte in den folgenden Wochen digitale Lernangebote entwickelt, die auf die Bedürfnisse der Schülerschaft abgestimmt waren. Dabei haben sie erst mal diskutiert, welche Kriterien die Formate erfüllen müssen. Wichtig war vor allem die Einrichtung von „Breakout Rooms“ auf der Lern­platt­form, digitalen Räumen also, in denen die Schülerinnen und Schüler auch in der Distanz in Klein­gruppen zusammen­arbeiten können.

Am ersten Tag der Schulschließungen wurden im Kollegium außerdem verbindliche Kommunikations­strukturen vereinbart. Das Team traf sich zweimal in der Woche per Videokonferenz. Die Kontinuität war wichtig, um allen Halt zu geben und Unsicherheiten in der neuen Situation abzubauen. Außerdem wurde ein fester Rahmen vereinbart, wie und wie oft sich die Klassen­leitung bei Schülerinnen und Schülern meldet und wie die Gespräche geführt werden. Dafür wurde ein eigener Gesprächsbogen entwickelt.

Oberstes Ziel der Schule war, während der Schul­schließungen den direkten Kontakt zu allen Schülerinnen und Schülern zu halten. Anfangs hatte die Klassenleitung bis zu dreimal in der Woche mit jedem Kind telefoniert. Später lief der Kontakt vor allem über Video. In den Gesprächen ging es erst mal darum, zu erfahren, wie es den Schülerinnen und Schülern in der Pandemie-Situation geht und wie ihr Lerntag zu Hause aussieht. So haben die Lehrerinnen und Lehrer immer wieder im Team die Aufgaben an die individuellen Interessen und Bedürfnisse sowie die individuellen digitalen Voraussetzungen jeder und jedes Einzelnen angepasst.

Wenn die Schulleiterin zurückblickt auf das vergangene Jahr und die Herausforderungen, denen sich die Gesamtschule Körnerplatz in der Corona-Pandemie gestellt hat, sagt sie: „Das war eine Mammutaufgabe – eine sehr emotionale Aufgabe.“

Aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zum Thema

Im Forschungsmonitor Schule werden wissenschaftliche Studien für Schulpraktikerinnen und Schulpraktiker knapp zusammengefasst und kommentiert.

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Präsentation beim Digitalen Impuls der Deutschen Schulakademie am 27. April 2021.

Die Gesamtschule Körnerplatz ist Preisträger des Deutschen Schulpreises 20|21 Spezial. Mit dem Deutschen Schulpreis 20|21 Spezial zeichnen die Robert Bosch Stiftung und die Heidehof Stiftung zukunftsweisende Konzepte aus, die Schulen in der Corona-Krise entwickelt oder weiterentwickelt haben und die das Potenzial haben, das Lernen und Lehren langfristig zu verbessern. Alle Konzepte der Bewerberschulen sehen Sie hier.