Konzept

Teamarbeit : Wie eine Schul­gemeinschaft in der Krise zusammen­wächst

Die Europa-Schule Kairo hat sich schon vor der Corona-Krise als Ziel gesteckt, die Schul­gemeinschaft zu stärken und alle an der Schul­entwicklung zu beteiligen. In der Pandemie hat sie diesen Weg weiter­verfolgt: Schülerinnen und Schüler haben ihre digitalen Kompetenzen für die Gestaltung des Distanz­unterrichts eingebracht, das Kollegium hat seine Zusammen­arbeit im Team auch fächer- und jahr­gangs­über­greifend verstärkt, Eltern haben eigene Projekte an der Schule initiiert.

26. April 2021 Aktualisiert am 10. Mai 2021
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Das Konzept

Die Europa-Schule Kairo begreift sich als große Schulfamilie, und so hat sie auch in der Krise versucht, den Zusammen­halt und die Zusammen­arbeit mit allen Schul­beteiligten zu stärken. Schon 2018 hat sich die Schule als Entwicklungs­ziel gesetzt, als Schul­gemeinschaft stärker zusammen­zu­wachsen. In der Pandemie hat sie dieses Ziel weiter­verfolgt und neue Wege in der Zusammen­arbeit gefunden. Die Europa-Schule hat sich dabei besonders auf drei Schwerpunkte fokussiert: die Organisation des Lernens, die Förderung der Kommunikation und die Stärkung der Resilienz.

Organisation des Lernens

„Vor der Corona-Krise steckte das digitale Lernen erst in den Kinder­schuhen“, sagt Schulleiterin Annette Vogt. Ziel der Schule war es, Digital­unterricht so an der Schule zu etablieren, dass alle beteiligt sind und sich einbringen können. Um das zu erreichen und alle für den Distanz­unterricht fit zu machen, hat die Schule die gewohnten Strukturen der Fortbildungen aufgebrochen. Während sich vor der Corona-Pandemie Fachschaften und Jahr­gangs­teams meist getrennt voneinander fortgebildet haben und diese Fortbildungen meist als klassische Top-Down-Veranstaltungen mit Externen statt­fanden, hat sich das Kollegium jetzt viel stärker als Team verstanden. Über Fach­gruppen und Schul­abteilungen hinweg haben sie sich bei der Bewältigung des Distanz­unterrichts gegen­seitig unter­stützt. So hat zum Beispiel der Chemie­lehrer von der Grund­schul­lehrerin gelernt – und umgekehrt. „Wir sind ein ganz normales 08/15-Kollegium, wie jedes andere auch. Aber allen Kolleginnen und Kollegen war klar, dass wir uns der Situation stellen müssen. Die Technikaffinen haben ausprobiert und dann Tutorials gedreht für alle“, erzählt die Schulleiterin.

Und die Fortbildungen blieben auch nicht auf die Lehrerschaft beschränkt – die Schülerinnen und Schüler haben die Tutorials ebenfalls genutzt, um den Umgang mit der Lern­plattform und dem Video-Tool zu erlernen. Außerdem haben sie – ebenso wie die Eltern – mitunter auch die Rolle der Lehrenden eingenommen und ihre eigenen digitalen Kompetenzen eingebracht.

Die Umstellung erst auf Distanz- und dann auf Wechsel­unterricht verstand die Schule als laufenden Prozess, der ständig evaluiert wurde. Dazu gab es regelmäßig Diskussions­foren und Barcamps, bei denen das Feedback aller gefragt war und genutzt wurde, um Unterrichtsstrukturen anzupassen.

Durch den intensiven Zusammenhalt im Team ist es der Europa-Schule Kairo auch gelungen, dass in der gesamten Corona-Pandemie bislang kein Unterricht ausgefallen ist.

Förderung der Kommunikation

„Unsere Lehrer waren immer für uns erreichbar“, versichert eine Schülerin. „Wir waren als Eltern immer mit der Schule vernetzt“, sagt ein Vater. Kommunikation ist in der Pandemie ein Schlüssel für die erfolgreiche Arbeit an der Europa-Schule. Wichtig dafür war, dass alle einen Zugang zur neu etablierten Lernplattform hatten. Dort wurden Chatgruppen für den Kontakt zwischen Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern, für das Kollegium unter­einander und für die gesamte Schulfamilie eingerichtet. Damit wurde die Kommunikation flexibler, direkter und schneller. Außerdem bekamen die Eltern nun einmal in der Woche einen Eltern­brief, vorher kam der nur einmal im Monat. So konnte die Schule die Familien auch über die Distanz mit allen wichtigen Informationen versorgen. Für die Steuerung der Kommunikation hat die Schule ein spezielles „Krisenteam“ eingerichtet, in dem – wie in allen Arbeits­kreisen – alle Schul­abteilungen (Kindergarten, Grundschule, Gymnasium, deutsche und ägyptische Abteilung), Schülerinnen und Schüler sowie Eltern vertreten waren. Das Team hat für die sichere und schnelle Weiterleitung aller Informationen gesorgt.

Stärkung der Resilienz

Für das Thema macht sich an der Schule schon lange ein Team aus Sozialarbeiterinnen und Sozial­arbeitern, Sozial­pädagoginnen und Sozial­pädagogen sowie der Schulärztin stark. „In der Corona-Krise war es uns wichtig, neben den kognitiven Leistungen der Schülerinnen und Schüler auch aus der Distanz heraus die gesamte Schulfamilie weiter wirklich zu sehen, sie mit ihren Problemen und Sorgen ernst zu nehmen und sie lösungs­orientiert und optimistisch zu begleiten“, erklärt Schulleiterin Annette Vogt. Weil der psychische Druck für alle in der Pandemie sehr groß war, hat die Schule reagiert.

So haben die Lehrkräfte sowie Sonder­pädagoginnen und Sonder­pädagogen sicher­gestellt, dass Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf auf sie zugeschnittene Lern­arrangements bekamen, mit denen sie auch im Distanz­unterricht arbeiten konnten. Bei Bedarf haben sie in Video­meetings auch eine 1:1-Unterstützung bekommen. Und es gab viele Gespräche, die über den Unterricht hinausgingen. In diese Gespräche wurden auch die Eltern mit­einbezogen, um mögliche häusliche Probleme abzufedern. Die Schul­sozial­arbeiterinnen und Schul­sozial­arbeiter kümmerten sich zusammen mit der Schulärztin um die Sorgen und Nöte von Schülerinnen und Schülern, aber auch der Eltern, die bei all den Schwierigkeiten der Pandemie nicht mehr weiter wussten.

Aus der Elternschaft bildete sich das Health Committee, das zum Beispiel die Schulärztin bei der Entwicklung und Umsetzung der Hygienemaßnahmen unterstützt hat. Das Health Committee besteht aus Eltern der Schule, die gleich­zeitig Ärztinnen und Ärzte sind. In gemeinsamen Sitzungen mit der Schulärztin und der Schulleitung ist das Protokoll der Schule im Falle eines Corona-Falls beschlossen worden, das zum Beispiel folgende Fragen beantwortet: Wann wird eine Klasse in Quarantäne und damit ins E-Learning geschickt? Wer wird wie informiert? So waren die Eltern von Beginn an in das Verfahren einbezogen, was zu einer sehr hohen Akzeptanz bei allen geführt hat. Zusätzlich ist das Health Committee in die Klassen gegangen und hat die Schülerinnen und Schüler zum Beispiel über die Bedeutung der Hygienemaßnahmen aufgeklärt.

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Präsentation beim Digitalen Impuls der Deutschen Schulakademie am 27. April 2021.

Nominierung Deutscher Schulpreis 20I21

Die Europa-Schule Kairo ist für den Deutschen Schulpreis 20|21 Spezial nominiert. Mit dem Deutschen Schulpreis 20|21 Spezial zeichnen die Robert Bosch Stiftung und die Heidehof Stiftung zukunftsweisende Konzepte aus, die Schulen in der Corona-Krise entwickelt oder weiterentwickelt haben und die das Potenzial haben, das Lernen und Lehren langfristig zu verbessern. Alle Konzepte der Bewerberschulen sehen Sie hier.