Konzept

DaZ-Cluster : Individuelles Lernen im geschützten Raum

Mit neuen Formen der Unterrichts­organisation begegnet ein Berufliches Schul­zentrum in Kiel der Hetero­genität von jugendlichen Geflüchteten. Die Schüler­innen und Schüler erlernen Deutsch als Zweit­sprache (DaZ) mit Hilfe von persönlichen Arbeits­plänen, aber auch durch kreative Angebote wie Malen, Basteln, Singen und Spielen. Dabei findet der Unter­richt in dafür aus­gewiesenen Räumlich­keiten statt – dem DaZ-Cluster.

10. März 2019
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Deutsch als Zweitsprache ist ein Sprachlernangebot für junge Menschen, Kinder und Jugendliche, die nicht deutscher Herkunftssprache sind. Darüber hinaus bietet das DaZ-Cluster in der RBZ Wirtschaft Kiel einen Raum der Geborgenheit und des Wohlfühlens.

Das Konzept

Jugendliche Geflüchtete bringen ganz unterschiedliche Kenntnisse der deutschen Sprache mit; auch ihre Kulturen und Lern­erfahrungen unter­scheiden sich. Um einer derart hetero­genen Gruppe gerecht zu werden, bedarf es neuer Formen der Unterrichts­organisation. Am Regionalen Berufs­bildungs­zentrum (RBZ) Wirtschaft in Kiel sind vier Berufs­integrations­klassen mit Deutsch als Zweit­sprache (BiK-DaZ) entstanden, in denen die Schüler­innen und Schüler in ihrem persönlichen Tempo und in geschützter Lern­umgebung die deutsche Sprache erlernen. Angestrebt wird, dass die Jugendlichen inner­halb eines Jahres das Sprach­niveau A2 (nach GER) erreichen und einen Über­gang in weiter­führende Bildungs­gänge oder in die Aus­bildung erfolg­reich meistern. Zudem erhalten sie eine erste Vor­stellung vom deutschen Schul- und Bildungs­system, lernen verschiedene Berufs­felder und grund­legende Werte und Regeln unserer Gesellschaft kennen.

Wir versuchen, möglichst viele verschiedene Methoden in das Cluster zu integrieren, damit wirklich jede und jeder einzelne auf ihre Weise Zugang zur deutschen Sprache findet und motiviert ist, zu lernen.
Raika Wiethe, Koordinatorin im Team für die Angebote des DaZ-Clusters

Seit Herbst 2016 arbeiten zwei der BiK-DaZ-Klassen an einem Vor­mittag pro Woche gemeinsam in einem offenen Lern­arrangement. Dieses findet in vier neben­einander­liegenden Räumen statt – zwei Klassen­räumen, einem Sprach­labor und einem Kunst­raum –, dem sogenannten DaZ-Cluster. Der Vor­mittag teilt sich in zwei verschiedene Abschnitte: Auf eine Phase der konzentrierten Still­arbeit nach individuellen Lern­plänen zu den Lehr­werken folgt ein Unter­richts­block mit gemeinsamen Aktivitäten, in denen die deutsche Sprache auf spielerische Art erlernt und angewandt wird. Beispiele: Eine Kunst­lehrerin bastelt gemeinsam mit den Jugendlichen eine Welt­kugel aus Papp­maché und alle berichten von ihren Herkunfts­ländern; ein Sport­lehrer übt durch den Einsatz von Bewegungs­spielen Präpositionen ein. Am Anfang und am Ende jedes Vor­mittages im DaZ-Cluster steht ein Stuhl­kreis als festes Ritual für die Gruppe.

Durch die Zusammen­fassung von zwei Klassen können mehrere Lehr­kräfte gleich­zeitig vor Ort sein, um die Jugendlichen individuell zu unter­stützen und ihnen verschiedene Lern­angebote zu unter­breiten. Zusätzlich werden sie von Studierenden des Faches Germanistik der Universität Kiel unter­stützt, die so erste Lehr­erfahrungen in der Praxis sammeln können und als junge angehende Pädagoginnen und Pädagogen den Lernenden auch in außer­schulischen Fragen zur Seite stehen. Für die Zukunft ist geplant, dass sich alle Schüler­innen und Schüler der BiK DaZ-Klassen an jeweils zwei Tagen pro Woche im „DaZ“-Cluster treffen. An einem weiteren Tag widmen sich die Schüler­innen und Schüler in Lern­gruppen unter­schiedlichen Niveaus aus­schließlich der Mathe­matik (Mathe­matik­tag). Die übrigen Fächer werden, so der Plan, an den verbleibenden zwei Tagen in methodischer Offen­heit unter­richtet.

Das DaZ-Cluster beginnt mit einem Stuhlkreis; der Begrüßung und einer Einführung in den Tagesablauf.
Das DaZ-Cluster beginnt mit einem Stuhlkreis, der Begrüßung und einer Einführung in den Tagesablauf.
©Lars Rettberg (Die Deutsche Schulakademie)
Bei der Einführung sind alle Lehrkräfte anwesend und gemeinsam wird der Tag geplant.
Bei der Einführung sind alle Lehrkräfte anwesend und gemeinsam wird der Tag geplant.
©Lars Rettberg (Die Deutsche Schulakademie)
Nach der Einführung begeben sich die Schülerinnen und Schüler in Stillarbeit in offene Lernarrangements.
Nach der Einführung begeben sich die Schülerinnen und Schüler in Stillarbeit in offene Lernarrangements.
©Lars Rettberg (Die Deutsche Schulakademie)
Durch die Zusammenarbeit mit Der Uni Kiel können Studentinnen und Studenten unterstützend als Förder-Lehrkräfte eingesetzt werden.
Durch die Zusammenarbeit mit Der Uni Kiel können Studentinnen und Studenten unterstützend als Förder-Lehrkräfte eingesetzt werden.
©Lars Rettberg (Die Deutsche Schulakademie)
In der Stillarbeit arbeiten die Schülerinnen und Schüler mit ihren individuellen Arbeitsplänen.
In der Stillarbeit arbeiten die Schülerinnen und Schüler mit ihren individuellen Arbeitsplänen.
©Lars Rettberg (Die Deutsche Schulakademie)
Die Arbeit erfolgt lehrwerksgebunden in unterschiedlichen Niveaustufen.
Die Arbeit erfolgt lehrwerksgebunden in unterschiedlichen Niveaustufen.
©Lars Rettberg (Die Deutsche Schulakademie)
Nach der Stillarbeitsphase geht es dann über in eine freiere Phase mit unterschiedlichen Lernangeboten.
©Lars Rettberg (Die Deutsche Schulakademie)
Spielerisches Lernen von Zahlen und Verben mit viel Bewegung sorgt für hohe Motivation.
Spielerisches Lernen von Zahlen und Verben mit viel Bewegung sorgt für hohe Motivation.
©Lars Rettberg (Die Deutsche Schulakademie)
Eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern erstellt einen Willkommensfilm für die nächsten Generationen.
Eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern erstellt einen Willkommensfilm für die nächsten Generationen.
©Lars Rettberg (Die Deutsche Schulakademie)

Wir bedanken uns herzlich beim Regionalen Berufsbildungszentrum Wirtschaft.
Die Schule gehört zum Preis­­träger­­netz­­werk des Deutschen Schul­preises, aus dem die Deutsche Schulakademie die Beispiele guter Praxis gewinnt.

Die Deutsche Schulakademie ermöglicht Hospitationen an Preisträgerschulen des Deutschen Schulpreises. Mehr Informationen zum Hospitationsprogramm finden Sie hier.