Kolumne

Schulferien-Ende : Endlich wieder Alltag!

Vielen Eltern graut es am Ende der Sommerferien davor, den Alltag zwischen Erwerbs-, Familien- und Hausarbeit wieder in Angriff zu nehmen. Unser Kolumnist Fabian Soethof dagegen sieht dem neuen Schuljahr nicht nur mit negativen Gefühlen entgegen.

Fabian Soethof Fabian Soethof 24. August 2022
Schulranzen zum Schulstart nach den Sommerferien
Nach den Sommerferien wieder in den Schulalltag zurückzufinden, ist gar nicht so einfach - aber auch ein bisschen befreiend.
©Bernd Thissen/dpa

Je näher die Sommerferien rücken und je abschließender Arbeitszeiten und Betreuungslogistik geplant sind – die wenigsten arbeitnehmenden Eltern können und wollen sechs Wochen Urlaub am Stück nehmen –, desto größer die Vorfreude auf den Familienurlaub: Baden! Sonnen! Bücher statt E-Mails lesen! Faulenzen!

Wohlgemerkt: Sofern sie sich dies leisten können. Aktuelle Daten zeigen, dass jedem fünften Mensch in Deutschland das Geld für einen auch nur einwöchigen Urlaub pro Jahr fehlt. Alleinerziehende und kinderreiche Familien sind besonders betroffen – sie sind auf Hortbetreuung oder alternative Freizeitangebote für ihre Kinder angewiesen.

Urlaub mit Kindern hat nicht viel mit Entspannung und „Me Time“ gemein

Doch selbst bei Verreisenden setzt, am Ort der Sehnsucht angekommen, oft die erste Ernüchterung ein: Verdammt, hier herrscht ja immer noch Alltag – zwar in anderer Umgebung, aber dafür haben wir die Kinder 24/7 an der Backe! Sofern kein „All inclusive“-Familienhotel mit Kinderanimation gebucht wurde, heißt es also: aufräumen, Brote schmieren, Strandtasche packen, Geschwisterstreit moderieren, Wunden pflegen, über „Ninjago“ zugetextet werden, Kinder mit Sonnenmilch eincremen, Schwimmflügel an, aus, „Papa, komm mit ins Wasser!“, Abendessen kochen und so weiter. Oft folgen Urlaubsversuche, von denen nur erfahrene Eltern wissen, dass die mit Urlaub im Sinne von Entspannung und „Me Time“ nicht mehr viel gemein haben – bis die Kinder Teenager sind und ihr eigenes Ding machen.

Man will halt immer das, was man gerade nicht hat.

Je länger der Urlaub dauert, desto größer wird deshalb oft der entgegengesetzte Wunsch: Wann kann ich die Racker endlich wieder um 7.50 Uhr aus dem Haus schicken und „in Ruhe“ arbeiten? Es gilt, wie so oft, die viel zitierte Wohlstandsweisheit: Man will halt immer das, was man gerade nicht hat.

Trotzdem ist die allfamiliäre Wiedereingliederung in unseren von funktionalen Zwängen bestimmten Alltag kein leichtes Unterfangen, weil ja auch dort jedes Familienmitglied anders tickt: Bei uns etwa freut sich der Sechsjährige diebisch auf seine Einschulung – für die wir noch Stifte, Farbkasten, Schultüte, Geschenk besorgen und all den anderen damit einhergehenden Mental Load schleppen und verteilen müssen. Der bald Neunjährige wiederum hat weniger Bock auf Schulbeginn, obwohl er in der dritten Klasse endlich am Schwimmunterricht, einem seiner liebsten Hobbys, teilnehmen darf. Er würde am liebsten „drölf“ weitere Wochenenden am kroatischen Strand chillen, schnorcheln und „Harry Potter“ und die „Lustigen Taschenbücher“ lesen. Ich kann’s ihm kaum verübeln.

Nach drei Tagen wissen wir schon nicht mehr, wo uns Kopf und Verstand stehen.

An uns Eltern ist dabei zuletzt gedacht: Während wir uns „freudig“ bei den Kolleg:innen zum Dienst zurückmelden, 300 Mails beantworten, Projekte aufarbeiten, die Steuererklärung angehen, Urlaubswäsche waschen und nach drei Tagen schon wieder nicht mehr wissen, wo uns Kopf und Verstand stehen, wird uns von schulischer Seite ein schlechtes Gewissen und Orga-Druck macht: „Denken Sie bitte an das Klassengeld? Packen Sie zum Ausflug morgen bitte Sonnencreme, Lunchbox und Kopfschutz ein! Ihr Kind braucht dringend neue Schnellhefter! Die Hausaufgaben von letzter Woche wurden nicht erledigt! Üben Sie bitte die Königszahlen!“ An Arztbesuche, Fußballtraining und Freizeitverabredungen habe ich dabei noch nicht mal gedacht.

Zwei Wochen nach Ende der Sommerferien wieder urlaubsreif

Was erschwerend bei uns persönlich hinzukommt: Der ABC-Schütze kommt nicht auf die selbe Schule wie sein Bruder. Kein Platz, nicht mal für alle Erstis, schon gar nicht für alle Geschwisterkinder. Willkommen in Berlin. Glück im Unglück: Beide Schulen sind direkt ums Eck im Kiez, teilen sich einen großen Schulhof und sprechen sich angeblich auch bei Schließzeiten ab. Und unser bisheriges Kindergartenkind, der Sechsjährige, freut sich trotzdem wie Bolle, weil ein Freund in dieselbe Klasse kommt, weil er Bock auf neue Kinder und aufs Lernen hat und wir uns relativ sicher sind, dass er dort eine gute Zeit haben wird.

Ich für meinen Teil weiß trotzdem genau: Zwei Wochen nach Ende der Sommerferien werde ich uns schon wieder in den Urlaub zurücksehnen. Wobei – ganz ehrlich – vielleicht auch einfach nur mal mich allein …

Disclaimer: Diese Kolumne hat Fabian Soethof am Strand ins Handy getippt, während die Kinder schnorchelten. Eingecremt, versteht sich.

Zur Person

  • Fabian Soethof ist Journalist und Redakteur. Seit 2016 leitet er die Online-Redaktion des „Musikexpress“, seit Ende 2017 in Teilzeit.
  • Er bloggt unter newkidandtheblog.de über Elternthemen zwischen Wahn und Sinn und hat im März 2022 sein erstes Sachbuch veröffentlicht: „Väter können das auch! Es ist Zeit, Familie endlich gleichberechtigt zu leben“ (Kösel-Verlag).
  • Mit seiner Frau und zwei Kindern (8 und 6) lebt er in Berlin-Kreuzberg.
  • Für das Schulportal schreibt er Kolumnen über den Schulalltag aus Elternsicht.
Fabian Soethof
Fabian Soethof
©Hella Wittenberg