Expertenstimme

Personalentwicklung : Wie Schulleitungen die Kooperation im Kollegium stärken können

Maßnahmen der Personalentwicklung sollten auf die Entwicklungsziele der Schule abgestimmt sein. Wie Schulleitungen dies in der Praxis gelingt, hat das Projekt „CoMMIT Kooperation an Schulen, Innovation im Team“ untersucht: Ein Wissenschaftlerteam der Universitäten Potsdam und Wuppertal hat hierzu vor allem Schulen befragt, die mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichnet wurden, und sich deren Personalentwicklung angeschaut. In ihrem Gastbeitrag für das Schulportal beschreiben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, mit welchen Personalentwicklungsmaßnahmen es Schulleitungen vor allem gelingt, die Kooperation im Kollegium zu stärken und damit auch die qualitätsvolle Entwicklung ihrer Schule unterstützen.

Ulrike Hartmann, Jenny Kuschel, Eric Richter Ulrike Hartmann, Jenny Kuschel, Eric Richter 25. Oktober 2021 Aktualisiert am 26. Oktober 2021 1 Kommentar
Personalentwicklung für mehr Kooperation zwei Lehrkräfte
Die Kooperationsbereitschaft im Kollegium hängt wesentlich von der Personalentwicklung ab.
©Marc Romanelle/Getty Images

Gesellschaftliche und bildungspolitische Veränderungen erfordern eine kontinuierliche berufliche Entwicklung von Lehrkräften. Schulische Personalentwicklungsmaßnahmen stellen hierbei für Schulleitungen eine Möglichkeit dar, die Kompetenzentwicklung ihrer Lehrkräfte systematisch zu fördern und zu unterstützen. Da schulische Personalentwicklung auf diese Weise auch zur Verbesserung der Unterrichtspraxis der Lehrkräfte und damit der Leistungen von Schülerinnen und Schülern beitragen kann, wird sie als ein Schlüssel zur Entwicklung von Schulqualität verstanden.

Bislang vorliegende Forschungsergebnisse deuten allerdings darauf hin, dass Maßnahmen der Personalentwicklung an Schulen kaum systematisch umgesetzt werden. Schulleitungen haben darüber hinaus ein ganz unterschiedliches Verständnis von Personalentwicklung und verfolgen dabei unterschiedliche Ziele. Eine offene Frage ist bislang, wie es Schulleitungen gelingt, den Einsatz von Personalentwicklungsmaßnahmen auf die Entwicklungsziele ihrer Schule abzustimmen.

Personalentwicklung auf das Leitbild der Schule ausrichten

Idealtypischerweise sollte das Personalentwicklungskonzept einer Schule in den Prozess der Organisationsentwicklung eingebunden sein, sodass die Ziele und Inhalte von Personalentwicklung strategisch auf das Leitbild einer Schule ausgerichtet sind. Da Personalentwicklung eine der Führungsaufgaben der Schulleitung darstellt, nimmt sie eine Schlüsselposition ein. Die Schulleitung steuert den Einsatz von Maßnahmen und ist für die Entwicklung der Lehrkräfte verantwortlich.

Im Rahmen des von der Robert Bosch Stiftung geförderten Projekts „CoMMIT – Kooperation an Schulen, Innovation im Team“ sind wir der Frage nachgegangen, welches Verständnis von Personalentwicklung Schulleitungen von Schulen haben, die mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichnet wurden. Und wir haben dabei auch untersucht, welche Maßnahmen sie einsetzen, um die Professionalisierung von Lehrkräften zu unterstützen. Dazu haben wir unter anderem Interviews mit den Schulleitungen an diesen Schulen geführt und ausgewertet.

Personalentwicklung – nicht nur ein Bündel einzelner Maßnahmen

Die Gruppe der Schulpreis-Schulen schien uns für die Untersuchung gelingender Personalentwicklungsprozesse besonders geeignet, da diesen Schulen ein hohes Innovationsvermögen und außergewöhnliche Leistungen im Bereich der Schul- und Unterrichtsentwicklung zugeschrieben werden.

Die Auswertung der Interviews zeigte, dass die befragten Schulleitungen Personalentwicklung überwiegend im Zusammenhang mit Organisationsentwicklung betrachten und nicht nur als ein Bündel von einzelnen Maßnahmen verstehen. Konkret bedeutet das, dass die persönlichen Entwicklungsziele der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf die schulischen Entwicklungsziele abgestimmt sind.

Schulleitungen nutzen verschiedene Personalentwicklungsmaßnahmen. Als wichtigste Maßnahme betrachten sie dabei das Mitarbeitergespräch.

Eine Schulleitung berichtet beispielsweise, dass in der Gesamtkonferenz gemeinsam schulische Entwicklungsziele erarbeitet werden. Im Anschluss können die Lehrkräfte entscheiden, in welchem Bereich sie sich einbringen möchten, indem sie zum Beispiel eine Fortbildung dazu besuchen. Die Ergebnisse der Befragungen verdeutlichen zudem, dass diese Schulen Personalentwicklung als ein Aufgabenfeld verstehen, das nicht nur die berufliche Ausbildung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter umfasst. Darüber hinaus schafft es vielfältige kooperative Lerngelegenheiten für Lehrkräfteteams und setzt Entwicklungsziele.

Fortbildungen spielen bei Personalentwicklung wichtige Rolle

Außerdem hat sich gezeigt, dass Schulleitungen verschiedene Personalentwicklungsmaßnahmen nutzen. Als wichtigste Maßnahme betrachten sie das Mitarbeitergespräch. Die Schulleitungen nutzen die Gespräche, um sich über das Befinden und die Entwicklung ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu informieren und um gemeinsam mit ihnen weitere Entwicklungsziele festzulegen. Darüber hinaus spielen schulexterne wie schulinterne Fortbildungen und Unterrichtshospitationen durch die Schulleitung eine wichtige Rolle. Vergleichsweise selten kommen bei den befragten Schulen hingegen Coachings und E-Learning-Angebote zum Einsatz.

Neben diesen geläufigen Instrumenten nannten die Schulleitungen zudem weitere Maßnahmen, die sich als nonformale Lerngelegenheiten für Lehrkräftegruppen oder Teams beschreiben lassen. Nonformal bedeutet hierbei, dass Lernprozesse zielgerichtet initiiert werden, allerdings findet dies nicht im Rahmen von Bildungsinstitutionen (wie zum Beispiel Universitäten) statt und führt nicht zum Erwerb eines formalen Abschlusses. Ein Beispiel hierfür sind kollegiale Hospitationen. Für diese Gruppenmaßnahmen entwickelten die Schulen eigene Formate, die im Schulalltag fest verankert sind und dadurch einen regelmäßigen Austausch im Kollegium ermöglichen.

Gegenseitige Akzeptanz und Wertschätzung im Kollegium

Die Schulleitungen schaffen auf diese Weise Gelegenheiten zur Kooperation im Kollegium, wodurch die Lehrkräfte von den vorhandenen unterschiedlichen Kompetenzen im Kollegium profitieren können. Auf diese Weise unterstützen Schulleitungen die Teamentwicklung und schaffen die Grundlage für gegenseitige Akzeptanz und Wertschätzung im Kollegium. Und dadurch teilen die Kolleginnen und Kollegen auch die Überzeugung, Unterricht gemeinsam zu entwickeln.

Für derartige Formen der kollegialen Zusammenarbeit, die sich inhaltlich vor allem auf die Verbesserung der Unterrichtsqualität beziehen, können internationale Studien positive Effekte auf das Lernen der Schülerinnen und Schüler aufzeigen. Doch nicht nur für die Unterrichtsqualität sind vertrauensvolle und unterstützende Kooperationsbeziehungen zwischen Lehrkräften bedeutsam – internationale Forschungsergebnisse belegen ebenso einen Zusammenhang mit der Entwicklung und Aufrechterhaltung eines innovativen Schulklimas.

Fitnessrunde” zur Schulentwicklung

Die Zusammenarbeit im Kollegium kann somit dazu führen, an der Schule gemeinsam Wissen zu erarbeiten und zu teilen, um so die gemeinsame Verantwortung für das Lernen der Schülerinnen und Schüler zu stärken und die Umsetzung von Innovationen zu unterstützen.

Eine Schulleitung beschreibt zum Beispiel in der Befragung, wie sich die Lehrkräfte ihrer Schule in sogenannten Fitnessrunden immer freitags zu einer festen Uhrzeit zusammenfinden, um ein aktuelles unterrichtsrelevantes Thema gemeinsam zu erarbeiten. Da zu dieser Zeit kein Unterricht mehr stattfindet, haben alle interessierten Lehrkräfte die Möglichkeit, an diesen Runden teilzunehmen. Meist wird das Angebot von Lehrkräften aus dem Kollegium gestaltet. Zum Teil laden die Schulen hierfür aber auch externe Referentinnen und Referenten ein.

Dabei setzen die Schulleitungen insbesondere Maßnahmen ein, die Kooperation zwischen den Lehrkräften ermöglichen.

Derartige Angebote beschreiben die Schulleitungen als gewinnbringend, da im Rahmen solcher Maßnahmen auch Lösungen für unterrichtsbezogene Fragestellungen entwickelt werden – zum Beispiel zum Einsatz neuer digitaler Lerntools oder zum Umgang mit heterogenen Leistungsgruppen.

Zusammenfassend zeigt unsere Studie, dass es Schulleitungen an den untersuchten Schulpreis-Schulen auf vielfältige Weise gelingt, Personal- und Organisationsentwicklung miteinander zu verknüpfen. Dabei setzen die Schulleitungen insbesondere Maßnahmen ein, die Kooperation zwischen den Lehrkräften ermöglichen. Somit ist Personalentwicklung für die Weiterentwicklung von Schule im Sinne einer lernenden Organisation von großer Bedeutung und kann damit einen wichtigen Beitrag zur Schulqualität leisten.

Zur Person

  • Ulrike Hartmann arbeitet am DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation in der Abteilung Lehr- und Lernqualität in Bildungseinrichtungen. Sie hat Psychologie an der Universität Münster studiert und an der Universität Göttingen in einem interdisziplinären Team aus Psychologie und Fachdidaktik promoviert. Hartmann befasst sich schwerpunktmäßig damit, wie Lehrkräfte im Studium und im Berufsleben wissenschaftliche Erkenntnisse und Forschungsbefunde für die Weiterentwicklung ihres eigenen Unterrichts nutzen können.
  • Jenny Kuschel arbeitet im Team des Projekts „CoMMIT“ der Universität Potsdam und der Bergischen Universität Wuppertal. Sie hat bis 2018 an der Universität Potsdam Lehramt für die Primarstufe studiert. Seitdem ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin im Arbeitsbereich Erziehungswissenschaftliche Bildungsforschung an der Universität Potsdam. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Lehrkräftefortbildungen sowie Kooperation zwischen Lehrkräften. Mit dem Thema Lehrkräftefortbildungen beschäftigt sie sich auch in ihrer Promotion.
  • Eric Richter absolvierte ein Lehramtsstudium an der Humboldt-Universität zu Berlin. Nach seinem Vorbereitungsdienst promovierte er zum Angebot und zur Nutzung von Lehrkräftefortbildungen an der Universität Potsdam. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter beschäftigt er sich dort heute u.a. auch mit der Digitalisierung und dem Einsatz von Virtual Reality in der Lehrkräfteausbildung sowie mit Lehrkräften im Quer- und Seiteneinstieg.
  • Daneben haben auch Rebecca Lazarides und Dirk Richter von der Universität Potsdam am Beitrag mitgewirkt.