Jahresrückblick 2018 : Zehn Ereignisse, die die Schulen bewegten

Im zurückliegenden Jahr gab es viele Ereignisse, die für die Schulen nicht folgenlos geblieben sind. Einige werden ihre Wirkung im kommenden Jahr auch erst voll entfalten. Das Schulportal hat in einem Jahresrückblick eine Übersicht über die großen Bildungsthemen des Jahres 2018 zusammengestellt.

Florentine Anders / 20. Dezember 2018
Ein Feuerwerk ist w‰hrend Deutschlands grˆflter Silvesterparty am Brandenburger Tor am 01.01.2018 in Berlin hinter dem Brandenburger Tor zu sehen. Foto: Ralf Hirschberger/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
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1. Die KMK wird 70 und steht in der Kritik.

Januar: Die Kultusministerkonferenz feierte im Januar ihr 70-jähriges Bestehen. Anlässlich des Jubiläums haben drei ehemalige Mitglieder des Gremiums für Schlagzeilen gesorgt. Michael Voges, Burkhard Jungkamp und Josef Lange forderten eine tief greifende Reform der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder (KMK) und einen neuen Bildungsstaatsvertrag. Gleichzeitig erhielt die KMK im Januar mit dem Thüringer Minister für Bildung, Jugend und Sport, Helmut Holter, erstmals einen Präsidenten der Partei Die Linke. Er folgte turnusgemäß auf die baden-württembergische Ministerin für Kultus, Jugend und Sport, Susanne Eisenmann (CDU).

2. Anja Karliczek (CDU) wird überraschend Bundesbildungsministerin.

März: Nach zähen Verhandlungen zur Regierungsbildung wurde Anja Karliczek (CDU) für viele überraschend zur Bundesministerin für Bildung und Forschung ernannt. Karliczek hatte sich zuvor hauptsächlich mit finanzpolitischen Themen beschäftigt und bis dahin kaum Berührungspunkte mit der Bildungspolitik gehabt. Sie hat eine Ausbildung zur Bank-und Hotelfachfrau absolviert, ein Fernstudium der Betriebswirtschaft abgeschlossen und war als Elternvertreterin aktiv. Ihr größtes Projekt ist die Digitalisierungsoffensive, die bereits ihre Vorgängerin Johanna Wanka (CDU) auf den Weg bringen wollte.

3. Gymnasium klagt gegen Inklusionsklasse.

April: Mit einem Streitfall zur Inklusion vor dem Verwaltungsgericht Bremen sorgte ein Bremer Gymnasium für eine bundesweite Debatte. Ende März hatte die Schulleiterin Klage eingereicht, um sich damit gegen die von der Schulbehörde vorgegebene Einrichtung einer Inklusionsklasse zu wehren. Der Weser-Kurier machte den Vorgang im April öffentlich und löste damit heftige Reaktionen aus. Im Juli wies das Verwaltungsgericht die Klage ab. Das Gymnasium musste die behinderten Kinder zum neuen Schuljahr aufnehmen. Im September gab es dann eine überraschende Wendung: Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD) teilte mit, dass die betroffenen Inklusionskinder spätestens nach den Herbstferien auf andere Schulen gehen werden. Die Schulen hätten angeboten, die Kinder mit geistiger Behinderung individuell zu fördern. Das Gymnasium soll nun zum nächsten Schuljahr eine gute Inklusionsbeschulung vorbereiten.

4. Der Deutsche Schulpreis 2018 geht an die Martinschule nach Greifswald

Mai: Am 14. Mai ging der wichtigste Deutsche Schulpreis 2018 an das Evangelische Schulzentrum Martinschule nach Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern. Damit erhielt den mit 100.000 Euro dotierten Preis eine Einrichtung, die den umgekehrten Weg der Inklusion gegangen ist. Die Martinschule hatte sich in den vergangenen 25 Jahren von einer „Schule für geistig Behinderte“ zu einer inklusiven Leuchtturmschule entwickelt. Fünf weitere Preise in Höhe von je 25.000 Euro erhielten die Gesamtschule Bremen-Ost, die Franz-Leuninger-Schule im hessischen Mengerskirchen, die Integrierte Gesamtschule Hannover-List in Niedersachsen, das Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasium im nordrhein-westfälischen Münster und die Matthias-Claudius-Schule Bochum in Nordrhein-Westfalen.

5. Nationaler Bildungsrat soll für mehr Vergleichbarkeit sorgen.

Juni: Die Große Koalition hat im Koalitionsvertrag festgelegt, dass ein Nationaler Bildungsrat eingesetzt werden soll, um mehr „Transparenz, Qualität und Vergleichbarkeit im Bildungswesen“ zu erreichen. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung ließ keine Zeit verstreichen und legte im Mai einen Vorschlag zur Ausgestaltung und Aufgabenbeschreibung vor. Die Länder entwickelten ihrerseits einen Vorschlag. Auf dem Treffen der Kultusministerkonferenz im Juni wurde deutlich, dass es zwischen den Vorstellungen von Bund und Ländern deutliche Unterschiede gibt, vor allem was die Aufgaben und die Stimmenverhältnisse angeht. Nun sollt eine gemeinsame Verhandlungsgruppe einen Vorschlag erarbeiten.

6. NRW kehrt zu G9 am Gymnasium zurück.

Juli: Nach der jahrelangen Diskussion über die G8-Reform an Gymnasien hat im Juli mit Nordrhein-Westfalen (NRW) nun auch das bevölkerungsreichste Bundesland beschlossen, die Verkürzung der Schulzeit zum Schuljahr 2019/2020 rückgängig zu machen und zu G9 zurückzukehren. Mit der Kehrtwende folgte NRW dem Beispiel anderer Länder wie Bayern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin hatte unterdessen ergeben, dass die Schuldauer am Gymnasium den Lernerfolg nur gering beeinflusst. Auch Kai Maaz und Jessica Ordemann vom Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) sind sich in ihrem Gastbeitrag für das Schulportal einig: „Eine generelle Überlegenheit von G8 oder G9 kann nicht belegt werden.“

7. Dramatischer Lehrermangel zu Beginn des Schuljahres.

August: Tausende offene Stellen für Lehrerinnen und Lehrer waren zum Schuljahresbeginn bundesweit noch unbesetzt. Der Lehrkräftemangel spitzte sich in fast allen Bundesländern zu, besonders stark betroffen waren zum Beispiel Sachsen, Berlin oder Nordrhein-Westfalen. Viele Bundesländer setzen auf Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger, um die Lücken zu füllen. Auch pensionierte Lehrkräfte sollen aushelfen. Gleichzeitig wurden Studienplätze für angehende Lehrkräfte aufgestockt. Eine Übersicht des Schulportals machte deutlich, wie die Personalsituation an den Schulen in den einzelnen Bundesländern zum Schulstart aussah. Die Kultusministerkonferenz hat im Oktober ihre Bedarfsprognose für Lehrkräfte angepasst. Demnach wird es noch bis 2030 einen Mangel an Lehrkräften geben. Die verschiedenen Schulformen und Regionen sind davon unterschiedlich stark betroffen.

8. Streit ums Schreibenlernen.

September: Im September wurde eine Studie zum Schreibenlernen veröffentlicht, die eine langjährige Debatte neu befeuerte. Die Studie der Universität Bonn hatte verschiedene Methoden an Grundschulen verglichen und kam zu dem Schluss, dass Kinder mit der klassischen Fibelmethode Rechtschreibung am besten lernen. Die Methode „Schreiben nach Gehör“ ist daraufhin erneut in die Kritik geraten. Tatsache ist, dass sich die Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler im Bereich Rechtschreibung im Laufe der vergangenen Jahre laut IQB-Bildungstrend in vielen Bundesländern verschlechtert haben. Über die Gründe für diese Entwicklung gibt es geteilte Auffassungen. Das Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache der Universität zu Köln hat im Dezember einen Faktencheck zu der Frage veröffentlicht, wie Kinder am besten Lesen und Schreiben lernen. Hessens Kultusminister Alexander Lorz (CDU), der ab 2019 die Präsidentschaft der Kultusministerkonferenz übernehmen soll, hat bereits angekündigt, „die Stärkung der Bildungssprache Deutsch“ zu einem Schwerpunkt zu machen.

9. Demokratiebildung soll gestärkt werden.

Oktober: Zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft bei der Werteerziehung an Schulen eine große Lücke. Das zeigte auch eine repräsentative Umfrage des Verbands Bildung und Erziehung (VBE). Nach den rechtsextremen Ausschreitungen im August in Chemnitz regte die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Franziska Giffey (SPD), sogar ein Gesetz zur Förderung der Demokratie an. Gleichzeitig sorgten die AfD-Melde-Portale in einigen Bundesländern für Verunsicherung unter den Lehrkräften. Wie viel politische Haltung darf ein Lehrer oder eine Lehrerin zeigen?, lautete die viel diskutierte Frage. Die Kultusministerkonferenz veröffentlichte im Oktober ihre Empfehlungen zur Stärkung der Demokratiebildung an Schulen und sicherte den Lehrkräften ausdrücklich Unterstützung zu. Das Schulportal hat zu diesem Thema ein ganzes Dossier zusammengestellt.

10. Der Digitalpakt soll kommen – aber erst 2019.

Dezember: Eigentlich sollte der Digitalpakt  am 6. Dezember in der Kultusministerkonferenz verabschiedet werden. Kurz darauf sollte der Bundesrat über die bereits im Bundestag beschlossene Grundgesetzänderung abstimmen. Doch der Plan ging nicht auf. Auf ihrer Bundesratssitzung stoppten die Länder den Entwurf der Grundgesetzänderung. Nun soll ein Vermittlungsausschuss einen Kompromiss finden. Die Enttäuschung war an vielen Schulen groß, denn dort wartet man händeringend auf die Gelder für die bessere digitale Ausstattung der Schulen. Der Digitalpakt sieht vor, dass die Länder über einen Zeitraum von fünf Jahren vom Bund fünf Milliarden Euro erhalten.