10 Tipps : Wie kann ich ein Webinar optimal nutzen?

Fortbildungen werden zunehmend digital angeboten. Für viele Lehrkräfte sind Online-Workshops, Webinare und digitale Barcamps eine neue Erfahrung. Wie kann ich mich in einem Webinar einbringen? Wie gelingt es, sich ohne Kaffeepause zu vernetzen? Das Schulportal hat Jöran Muuß-Merholz von der Agentur „J&K – Jöran und Konsorten“ nach seinen Tipps für Teilnehmende befragt. Die Agentur konzipiert Online-Konferenzen im Bildungsbereich, unter anderem auch in Kooperation mit der Deutschen Schulakademie die Online-Themenwoche „Digitale Schule? Auf den Kulturwandel kommt es an!“, die vom 20. bis 26. September stattfindet.

Florentine Anders / 18. September 2020
Häufig scheint es schwieriger, in einer Online-Fortbildung die Aufmerksamkeit zu halten als in einem Hörsaal.
©Armin Weigel/dpa

1. Programm genau lesen

Der Tipp klingt banal, ist es aber nicht. Immer wieder verirren sich Lehrkräfte in ein Webinar, dessen Thema sie gar nicht tangiert. Umgekehrt kommt es häufig vor, dass Teilnehmende Programmpunkte für sich ausschließen, nur weil ihnen die Überschrift nicht passend scheint. Ratsam ist es, auch die Beschreibung unter der Überschrift genauer zu lesen, um zu wissen, was die Teilnehmenden tatsächlich erwartet. Noch besser ist es, sich zudem fünf Minuten Zeit zu nehmen, um sich zu notieren, welche Schnittstellen das Thema zur eigenen Arbeit bietet und welche Fragen man in dem Webinar gern beantwortet bekommen würde.

2. Technik-Check

Sollte der Anbieter des Webinars einen Technik-Check vor Beginn der Veranstaltung anbieten, empfiehlt es sich, diesen auch zu nutzen – vor allem dann, wenn man mit dem Tool noch nicht vertraut ist. Viele Lehrkräfte haben bei Online-Fortbildungen das Problem, dass sie sich zu Beginn gleichzeitig auf die Technik und auf die Inhalte konzentrieren müssen. Dadurch geht viel Aufmerksamkeit verloren.

3. Arbeitsplatz einrichten

An dieser Stelle raten die meisten dazu, sich an einen Schreibtisch in einem abgeschirmten Ort zu setzen, am besten ausgestattet mit einem Glas Wasser und einer Banane. Jöran Muuß-Merholz regt dazu an, erst mal herauszufinden, an welchen Orten man am besten lernen kann. „Möglicherweise ist es das Sofa oder auch der Balkon. Umfragen in meinen Workshops haben gezeigt, dass der eigene Schreibtisch oft gar nicht die erste Wahl ist“, sagt er.

4. Aufmerksamkeit steuern

Häufig scheint es schwieriger, in einer Online-Fortbildung die Aufmerksamkeit zu halten als in einem Hörsaal. Das liegt auch daran, dass alle Teilnehmenden vor einem Computer sitzen: Es treffen E-Mails ein, im Internet kann man unbekannte Begriffe googeln … Die Ablenkungen sind vielfältig, deshalb ist es wichtig, die eigene Aufmerksamkeit aktiv zu steuern. Es gibt Lerntypen, denen es hilft, Neues zu reflektieren, wenn sie parallel chatten, andere dagegen würde der Chat ablenken. Fakt ist, dass niemand 90 Minuten lang mit voller Aufmerksamkeit dabei ist – das ist auch in Präsenzveranstaltungen nicht der Fall. Einigen Teilnehmenden reicht es bereits aus, mit halber Aufmerksamkeit als sogenannte „Lurker“ die Veranstaltung zu verfolgen.

5. Notizen machen

Die meisten Veranstalter weisen darauf hin, dass alle Folien zu Vorträgen nachträglich digital zur Verfügung stehen. Einige schicken sie sogar vorab an alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Notizen sind also eigentlich nicht nötig, um später etwas nachzulesen. Oft sind sie aber hilfreich für die eigene Konzentration. Stichpunkte oder Mindmaps helfen, das Wesentliche für sich herauszufiltern. Im Zuge des Aufschreibens verinnerlicht man das Gehörte.

6. Fragen stellen

Im Idealfall erklärt der Veranstalter zu Beginn des Webinars, an welcher Stelle Fragen beantwortet werden und ob diese im Chat geschrieben oder per Handzeichen vorgetragen werden. Sollte das nicht der Fall sein, ist es sinnvoll, gleich am Anfang danach zu fragen. Bei den Fragen  sollte man prüfen, ob diese auch für die anderen Teilnehmenden von Interesse sind. Andernfalls ist es sinnvoller, den Referenten oder die Referentin an anderer Stelle zu kontaktieren. Falls wenig Zeit bleibt, ist es ratsam, zu überblicken, welche der Fragen in Kürze beantwortet werden können und welche den Rahmen sprengen würden.

7. Eigene Beiträge leisten

Alle Teilnehmenden können davon profitieren, wenn Lehrkräfte von ihren Erfahrungen zu einem besprochenen Thema berichten. Wer einen solchen Beitrag leistet, sollte immer zunächst erklären, in welcher Region und in welchem Kontext er oder sie arbeitet. Denn in Online-Veranstaltungen sind nicht immer nur Lehrkräfte angemeldet. Viele Formate sind offen. Beteiligt sind auch Eltern, Verwaltungskräfte oder andere Interessierte. Sich in diesem Kreis den anderen vorzustellen dient nicht nur dem besseren Verständnis, sondern hilft auch dabei, sich später miteinander zu vernetzen.

8. Austausch untereinander

Der eigentliche Wert eines Webinars besteht nicht nur in den Vorträgen Einzelner, sondern auch im Austausch untereinander. Die Form des digitalen Austauschs müssen wir alle erst einüben. Während auf einer Präsenz-Tagung jeder und jede weiß, wie man in der Kaffeepause oder in Kleingruppen miteinander ins Gespräch kommt, ist das im virtuellen Raum weniger selbstverständlich. Werden in Webinaren die Teilnehmenden in virtuelle Kleingruppen zum Austausch eingeteilt, schweigen die meisten zunächst und warten ab. Oft füllen dann jene die Lücken, die sich immer lautstark zu Wort melden, um ihre Position zu unterbreiten. „Um das zu vermeiden, sollte jeder die Hemmschwelle möglichst schnell überspringen. Das geht zum Beispiel, indem man sich erst mal ganz locker vorstellt“, sagt Jöran Muuß-Merholz.

9. Vernetzung

Herkömmliche Präsenz-Tagungen sind immer auch Orte der Vernetzung. Wer sich für das Konzept einer Schule interessiert, verabredet sich zu gegenseitigen Hospitationen oder tauscht zumindest Telefonnummern aus. Das funktioniert auch digital – allerdings auf noch ungewohnten Wegen. Bei der Online-Themenwoche der Deutschen Schulakademie gibt es zum Beispiel Gruppen über den Messenger-Dienst Telegram, in denen die Teilnehmenden einer Region oder auch thematisch miteinander Verbundene auf Wunsch von Anfang an miteinander vernetzt werden. Einige Veranstalter bieten sogar „digitale Kaffeepausen“ zum informellen Austausch. Ein Problem ist, dass mit dem Ende der Veranstaltung der digitale Raum meist automatisch geschlossen wird. Anders als in der Offline-Konferenz können sich nicht mehr vor der Tür die üblichen Grüppchen bilden. Bei der Online-Themenwoche bleibt der virtuelle Raum deshalb nach dem Ende der Veranstaltung noch eine halbe Stunde geöffnet: Wer Lust hat, zu bleiben, der bleibt.

10. Nachbereitung

Hilfreich ist es, eine halbe Stunde mehr einzuplanen und nach dem Ende der Veranstaltung nicht gleich zum nächsten Termin weiterzueilen. Wer sich die Zeit nimmt, die Ergebnisse für sich zu reflektieren und zusammenzufassen – sei es im Selbstgespräch oder auf einem Zettel –, wird nachhaltiger in seiner Tätigkeit davon profitieren. Dazu gehört auch, sich klarzumachen, welche Fragen noch offengeblieben sind.

Auf einen Blick

  • Die Online-Themenwoche der Deutschen Schulakademie, „Digitale Schule? Auf den Kulturwandel kommt es an!“, findet vom 20. bis 26. September statt.
  • Neben vielen Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Gesellschaft werden Vertreterinnen und Vertreter aus Preisträgerschulen des Deutschen Schulpreises ihre Erfahrungen teilen und zeigen, wie Schule und Unterricht in Zeiten der Digitalisierung gelingen.
  • Täglich gibt es drei Webinare und einen abendlichen Impuls. Am Ende der Woche steht ein ganztägiges Barcamp. Die Teilnahme ist kostenfrei, Interessenten können entscheiden, welche und wie viele der Angebote sie nutzen.