Länderüberblick : Wie die Länder Lehrkräfte aus der Ukraine gewinnen

Um die geflüchteten Kinder und Jugendlichen aus der Ukraine unterrichten zu können, suchen Schulen händeringend nach zusätzlichem Personal. Wichtig sind dabei vor allem Lehrerinnen und Lehrer aus der Ukraine. Sie sollen vor allem für den herkunftssprachlichen Unterricht zum Einsatz kommen. Das Schulportal gibt hier einen Überblick, wie viele Lehrkräfte aus der Ukraine bereits an den Schulen sind und wie die Bewerbungs- und Aufnahmeverfahren in den Ländern laufen.

Annette Kuhn 15. Juni 2022 Aktualisiert am 16. Juni 2022
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Klassenraum ukrainische Lehrkräfte im Unterricht
Bei der Aufnahme ukrainischer Lehrkräfte n den Schulen gehen die Länder unterschiedlich vor.
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Deutschland muss sich auf bis zu 400.000 geflüchtete ukrainische Schülerinnen und Schüler einstellen. So lauteten jedenfalls die Schätzungen der Kultusministerkonferenz im April. Für den Unterricht der geflüchteten Kinder und Jugendlichen an den Schulen in Deutschland brauchen die Schulen zusätzliches Personal und suchen daher auch Lehrkräfte aus der Ukraine.

Wie viele Lehrkräfte brauchen die Schulen für den Unterricht ukrainischer Schülerinnen und Schüler?

Es gibt unterschiedliche Berechnungen, wie viele pädagogische Fachkräfte tatsächlich gebraucht werden. Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Karin Prien (CDU), rechnete im April 2022 vor, dass bis zu 24.000 zusätzliche Lehrkräfte gebraucht werden: 60 Lehrkräfte pro 1.000 Schülerinnen und Schüler. Das sei zumindest dann der Fall, wenn man in den Willkommens- oder Vorbereitungsklassen weiter mit kleinen Gruppengrößen arbeiten wolle.

Nach einer Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft in Köln von Mai 2022 würden zwischen 13.500 und 19.400 zusätzliche Lehrkräfte gebraucht; die genaue Zahl hänge davon ab, wie viele Kinder und Jugendlichen aus der Ukraine tatsächlich an den deutschen Schulen ankommen.

Um den enormen zusätzlichen Bedarf trotz Lehrermangel zu decken und um den Kindern auch herkunftssprachlichen Unterricht geben zu können, versuchen die Länder, Lehrkräfte und weiteres pädagogisches Personal aus der Ukraine an die Schulen zu bekommen.

Laut Kultusministerkonferenz sollen sie unbürokratisch in den Schulen aufgenommen werden, etwa mithilfe von Selbstauskünften, die an Stelle eines Führungszeugnisses oder fluchtbedingt fehlender Ausbildungsnachweise vorgelegt werden könnten.

Wie kommen Lehrkräfte aus der Ukraine an ein Führungszeugnis?

Ukrainische Staatsbürgerinnen und Staatsbürger, die eine Stelle in einer Schule oder in der Kinderbetreuung antreten wollen, brauchen meist ein Führungszeugnis.

Nach Auskunft des Bündnisses Alliance4Ukraine können sie sich ihr Führungszeugnis digital in ukrainischer Sprache ausstellen lassen. Diese Dienstleistung stellt das ukrainische Innenministerium auf seinem Web-Portal für elektronische Verwaltungsdienste zur Verfügung. Das Einloggen funktioniert entweder mittels der DIIA-Signatur oder der Bank-ID. Nach Eingabe von Geburtsdatum, Wohnsitz, Telefonnummer und E-Mail-Adresse wird das Führungszeugnis erstellt und kann heruntergeladen werden.

Das Führungszeugnis enthält keine Unterschrift, aber einen QR-Code. Über diesen gelangt man auf die Seite des Innenministeriums und kann die Informationen dort verifizieren. Der Prozess dauert etwa fünf Minuten; anschließend muss das Zeugnis gegebenenfalls noch ins Deutsche übersetzt werden.

Wie die Länder dabei vorgehen, Lehrkräfte aus der Ukraine an den Schulen aufzunehmen