Europainitiative : Wie die Europäische Union die Bildung stärken will

Die Bürger in der Europäischen Union wünschen sich laut Umfragen eine größere Unterstützung und einen intensiveren Austausch zur Aus- und Weiterbildung. Die EU-Kommission hat daher 2018 eine Reihe von Initiativen vorgestellt: zur Lernmobilität, zur stärkeren Beteiligung junger Menschen, zu frühkindlicher Bildung, Fremdsprachenerwerb und zur Stärkung der Kultur. Junge Menschen sollen auf diese Weise konsequent bessere Bildungsmöglichkeiten erhalten. Außerdem sollen sie – unabhängig von ihrer sozialen Herkunft – die Chance erhalten, sich aktiver in die demokratischen Strukturen in Europa einzubringen.

Fabian Schindler / 02. Mai 2019
EU-Fahne
Mit einer Reihe von Bildungsinitiativen will die EU die Bildungsstrukturen in Europa nachhaltig fördern.
©dpa

Langfristige Programme etablieren: Wichtig ist der Europäischen Union (EU) der langfristige Blick in die Zukunft. Da viele Angebote zur Förderung schulischer Entwicklung und schulischen Austauschs über Erasmus+ laufen, dieses Programm aber 2020 ausläuft, hat man sich in der EU Gedanken über eine Fortsetzung gemacht. 2021 soll für sieben Jahre ein Nachfolgeprogramm in Kraft treten, mit deutlich aufgestocktem Budget. Es soll zwölf Millionen Menschen neue Möglichkeiten bei Bildung und Begegnung eröffnen. Darüber hinaus ist die Etablierung weiterer langfristiger Initiativen geplant, um das kulturelle Erbe zu vermitteln und bewahren.

Fremdsprachenkompetenz verbessern: Die Zusammenarbeit der Schulen in der EU soll intensiviert werden. Das Ziel lautet hier: die Fremdsprachkompetenzen von Schülerinnen und Schülern stärken. Dass alle Kinder in der EU zwei Fremdsprachen erlernen sollen, ist bereits 2002 von der EU-Kommission als Ziel definiert worden. Da die Mitgliedsstaaten diesem Ziel angeblich nicht schnell genug näherkommen, werden im Rahmen des Programms Erasmus+ und mittels onlinebasierter Austauschportale für Lehrkräfte – wie etwa eTwinning – inzwischen zusätzliche kreative und bereichernde Angebote für Schulen geschaffen, die sich positiv auf die Sprachvermittlung auswirken sollen. Schulen, Schülerinnen und Schüler aus sozioökonomisch benachteiligten Regionen sollen zudem langfristig stärker finanziell gefördert werden, um Sprachbegegnungen zu ermöglichen und generell das Erlernen von Fremdsprachen zu unterstützen.

Freiwilligenarbeit fördern:
Auch Jugendliche, die ehrenamtlich und sozial im Ausland tätig werden wollen, sollen langfristig mehr Unterstützung erfahren. Bislang beträgt der Anteil an Jugendlichen, die in der EU grenzüberschreitend sozial tätig werden, laut EU lediglich 8 Prozent. Dieser Wert soll durch die Stärkung der EU-Initiative „Europäisches Solidaritätskorps“ gesteigert werden. So soll die Freiwilligenarbeit von Jugendlichen und jungen Erwachsenen künftig europaweit gefördert und als berufliche Zusatzqualifikation anerkannt werden.

Demokratie stärken: Schülerinnen und Schüler sowie Studierende sollen sich zunehmend mit dem Ideal eines gemeinsamen Europa identifizieren können. Lernende sollen in dieser Hinsicht stärker als bisher an den demokratischen Strukturen in der EU beteiligt werden. Dafür werden unter anderem vermehrt Informationen und Daten bereitgestellt, Dialoge in EU-Jugendportalen gefördert und die Zusammenarbeit mit europaweit tätigen Jugendorganisationen intensiviert und ausgebaut. Jugendparlamente, Simulationen und diverse andere digitale Angebote werden intensiver beworben und gefördert. Auch ein spezieller EU-Jugendkoordinator soll innerhalb der EU-Kommission etabliert werden, um die Belange Jugendlicher zu wahren.

Europäischer Studierendenausweis: 90 Prozent der jungen Menschen sind laut Eurobarometer-Umfrage der Ansicht, dass Studierende mit Studierenden aus anderen Ländern an innovativen Projekten zusammenarbeiten sollten. Die EU-Kommission entwickelt daher Maßnahmen, um diese Wünsche zu erfüllen. Eine davon ist der geplante „Europäische Studierendenausweis“. Er soll einen unkomplizierten Überblick über die Studienleistungen von Lernenden bieten und so den Verwaltungsaufwand an Hochschulen reduzieren, etwa bei einem Wechsel der Hochschule oder der Anerkennung von Leistungen in Auslandssemestern. Und Studierende sollen auch anderweitig profitieren: Sie sollen mit dem Ausweis etwa an Hochschulbibliotheken Medien ausleihen oder in der Mensa essen bezahlen können, und sie sollen generell mehr Mobilität innerhalb der EU hinzugewinnen. Der neue Ausweis soll 2021 eingeführt werden.

Europäische Hochschulallianzen: Die EU will die Entwicklung sogenannter „Europäischer Hochschulen“ stärken. Das sind europaweite Hochschulallianzen zur Zusammenarbeit und zum Wissensaustausch. Die Kommission will so das Bildungsniveau heben und die internationale Wettbewerbsfähigkeit von Hochschulen stärken. Momentan läuft eine Pilotphase. Nach deren Abschluss soll das Projekt von 2021 an flächendeckend ausgeweitet werden.