Infografik

Aktuelle Studien : Wie die Corona-Pandemie Kinder und Jugendliche belastet

Homeschooling, Kontaktbeschränkungen, Angst vor Ansteckung: Die Coronakrise hat den Alltag von Kindern und Jugendlichen gewaltig auf den Kopf gestellt. Drei aktuelle Studien haben untersucht, wie sich das auf die jungen Menschen auswirkt. Die Studien zeichnen ein alarmierendes Bild vom aktuellen Seelenleben der jungen Generation. Das Schulportal veranschaulicht die wichtigsten Ergebnisse der Studien in einer Infografik.
Alexandra Mankarios / 27. April 2021
COPSY Studie

Belastung während der Coronakrise gestiegen

Mehr als zwei von drei Kindern und Jugendlichen fühlten sich bereits im Frühjahr 2020 durch die Pandemie belastet. Das zeigt eine Langzeituntersuchung unter der Leitung des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf. Um den Jahreswechsel 2020/21 war der Anteil weiter gestiegen: In einer zweiten Befragung gaben nun schon 83 Prozent der 7- bis 17-Jährigen an, dass sie sich durch die Pandemie belastet fühlten.

Seelische Beschwerden haben der Studie zufolge im Vergleich zur Zeit vor der Pandemie und noch einmal in deren Verlauf deutlich zugenommen. Gleichzeitig nahm die gesundheitliche Lebensqualität bei vielen Befragten ab. Im Vergleich zur Zeit vor der Pandemie haben demnach emotionale Schwierigkeiten, Verhaltensprobleme, Hyperaktivität, Probleme mit Gleichaltrigen sowie Angststörungen zugenommen. Mit 15 Prozent ist der Anstieg bei Angststörungen und Problemen mit Gleichaltrigen etwas stärker ausgeprägt als bei den anderen seelischen Schwierigkeiten.

Ebenfalls zugenommen haben psychosomatische Beschwerden bei Kindern und Jugendlichen: Bauch- und Kopfschmerzen, Niedergeschlagenheit, Schlafschwierigkeiten und Reizbarkeit. Vor allem letztere betraf Ende 2020 beinahe sechs von zehn Kindern und Jugendlichen. Über Kopfschmerzen und Schlafschwierigkeiten klagten zum selben Zeitpunkt fast die Hälfte der Befragten. Bauchschmerzen kamen von allen untersuchten Beschwerden am seltensten vor – aber dennoch erschreckend häufig: Mehr als ein Drittel gab an, mindestens einmal in der Woche darunter zu leiden.

Die Studie liegt aktuell als Vorveröffentlichung (Preprint) vor und ist noch nicht von unabhängigen Wissenschaftlern begutachtet worden.

Studie Universität Krems

16 Prozent der 14- bis 20-Jährigen haben Suizidgedanken

Einen Blick auf Anzeichen psychischer Erkrankungen bei Jugendlichen wirft eine österreichische Studie, die im März 2021 als Preprint erschien. Die Ergebnisse sind alarmierend. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Krems und der Medizinischen Universität Wien hatten im Februar 2021 mehr als 3.000 14- bis 20-Jährige online zu ihrer seelischen Gesundheit befragt. Mit standardisierten Fragebögen erfassten sie unter anderem Anzeichen für Depression, Angsterkrankungen, Schlaf- und Essstörungen.

9 Prozent der Befragten berichteten dabei von nahezu täglichen Suizidgedanken, weitere 7 Prozent denken öfter als die Hälfte der Woche über Suizid nach. Hohe Werte ermittelte die Studie für alle untersuchten Krankheitsbilder. Bei den befragten Mädchen lagen die Werte noch mal höher als bei den Jungen.

Einen deutlichen Zusammenhang zeigt die Studie zwischen dem seelischen Wohlbefinden und der täglichen Nutzungsdauer von Smartphones. Vergleichszahlen aus 2018 haben erwiesen, dass Jugendliche während der Coronakrise deutlich mehr Zeit am Smartphone verbringen. Gleichzeitig zeigt sich bei denjenigen mit einer hohen Nutzungsdauer stärker ausgeprägte Anzeichen seelischer Erkrankungen. Unter anderem offenbart eine Mehrheit der Jugendlichen, die fünf Stunden am Tag oder länger ihr Smartphone nutzen, Anzeichen für eine Depression.

Studie Bertelsmann Stiftung

Junge Menschen fühlen sich nicht gehört

Einen etwas anderen Ansatz verfolgt eine Studie der Bertelsmann-Stiftung: Sie legt den Fokus auf die Sorgen und Bedürfnisse junger Menschen. Dafür hat ein Forschungsverbund der Universitäten Hildesheim und Frankfurt Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 15 und 30 Jahren online befragt. An einer ersten Onlinebefragung im April und Mai 2020 nahmen 5.520 Personen teil. Im November 2020 folgte eine zweite Befragung unter 7.038 Personen.

Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen fühlen sich übergangen, schlecht informiert und ohnmächtig. Das verstärkt ihr Gefühl, belastet und einsam zu sein, und macht Angst um die eigene Zukunft.
„Das Leben von jungen Menschen in der Corona-Pandemie“, Bertelsmann Stiftung (Hrsg.)

Zu den zentralen Ergebnissen der Studie gehört die Erkenntnis, dass viele junge Menschen sich nicht ausreichend wahrgenommen fühlen: Beinahe zwei von drei Befragten waren der Ansicht, dass die Sorgen junger Menschen in der Politik „kaum oder gar nicht gehört“ würden. Die Autorinnen und Autoren der Studie haben analysiert, dass dies entscheidend zu der hohen Belastung beiträgt: „Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen fühlen sich übergangen, schlecht informiert und ohnmächtig. Das verstärkt ihr Gefühl, belastet und einsam zu sein, und macht Angst um die eigene Zukunft.“

Jede oder jeder Dritte hat zudem während der Pandemie zunehmend an Geldsorgen gelitten, jede oder jeder Vierte vermisst überdies einen „Ort zum Abhängen“. Beides liegt den jungen Erwachsenen auf der Seele. Die Forschenden haben ermittelt, dass psychische Belastung, Einsamkeit und Zukunftsängste „besonders ausgeprägt“ sind unter denjenigen Befragten, die von finanziellen Sorgen berichteten oder einen „Ort zum Abhängen“ vermissten.