Jahresvorschau : Was die Schulen 2020 erwartet

Der Nationale Bildungsrat ist gescheitert – wie geht es weiter? Was macht guten Unterricht in Zeiten der Digitalisierung aus? Wie schneiden deutsche Grundschülerinnen und -schüler im internationalen Vergleich ab? Wer gewinnt den Deutschen Schulpreis? Diese Fragen werden die Schulen in diesem Jahr beschäftigen – bei Kongressen, in politischen Debatten, bei der Vorstellung der TIMSS-Ergebnisse und nicht zuletzt bei der Preisverleihung des Deutschen Schulpreises. Das Schulportal stellt die wichtigsten Ereignisse vor.

Annette Kuhn / 02. Januar 2020
Jahreszahl 2020 aus Wunderkerzen geschrieben
Mit 2020 hat für die Schulen ein spannendes Jahr begonnen.
©Foto: Patrick Pleul/dpa

Rheinland-Pfalz übernimmt KMK-Präsidentschaft
Am 16. Januar 2020 wird Stefanie Hubig (SPD), Bildungsministerin in Rheinland-Pfalz, bei der Amtsübergabe in Berlin zur neuen Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK). Sie löst dann den hessischen Kultusminister Alexander Lorz (CDU) ab. Passend dazu, dass Deutschland 2020 auch die EU-Ratspräsidentschaft übernimmt, hat Hubig für das neue KMK-Jahr das Motto „Europa – (er)leben und gestalten“ gewählt. „Ich möchte unsere Schülerinnen und Schüler wieder stärker für Europa, für seine Werte und das demokratische Miteinander begeistern“, sagte sie bei ihrer Wahl zur Präsidentin im Dezember. Beschäftigen wird Stefanie Hubig unter anderem auch die Frage, wie es nach dem Scheitern des Nationalen Bildungsrats weitergeht, und es sind noch viele Fragen zur Realisierung des Ganztagsausbaus an den Schulen zu lösen.

Kongress der Schulleitungen
Vom 19. bis 21. März 2020 findet im Kongresszentrum CCD in Düsseldorf der 9. Schulleiterkongress statt. Es ist die größte kommerzielle Fachveranstaltung für Schulleitungen im deutschsprachigen Raum. Veranstaltet wird sie vom Verlag Wolters Kluwer und dem Verband Bildung und Erziehung (VBE). Mehr als 3000 Schulleiterinnen und Schulleiter werden zum Kongress erwartet, bei dem es zum Beispiel um neue Lösungsansätze für den Lehrkräftemangel geht, um die Verbesserung der Unterrichtsqualität und um Fragen zur Digitalisierung.

Größte Fachmesse rund um Bildung
Die Didacta gilt als Europas größte Fachmesse für Bildung. Sie findet in diesem Jahr vom 24. bis 28. März 2020 auf dem Messegelände in Stuttgart statt. Die Didacta gilt als Europas größte Fachmesse für Bildung und gibt mit einem umfangreichen Fortbildungsprogramm Einblick in das gesamte Bildungswesen von der frühkindlichen über die berufliche Bildung bis zum lebenslangen Lernen.

Preisverleihung Deutscher Schulpreis 2020
Im Mai/Juni wird der renommierte Deutsche Schulpreis verliehen. Sechs Schulen können sich dann auf Auszeichnungen freuen. Im Dezember 2019 hat die Jury aus allen Bewerbungen 20 Schulen ausgewählt, die sie im Januar und Februar jeweils zwei Tage für Gespräche und Unterrichtshospitationen besucht. Im März werden bis zu 15 Schulen für den Deutschen Schulpreis 2020 nominiert. Wer die sechs Preisträger sind, erfahren die Schulen erst bei der Preisverleihung. Seit 2006 vergeben die Robert Bosch Stiftung und die Heidehof Stiftung den Deutschen Schulpreis – die wichtigste Auszeichnung für Schulen in Deutschland. Die Ausschreibung für das nächste Wettbewerbsjahr endet am 15. Oktober 2020.

Niedersachsen zurück zu G9
Zum Schuljahr 2015/2016 hatte Niedersachsens Kultusministerium die Umstellung von G8 auf G9 beschossen, und 2019 haben die niedersächsischen Abiturientinnen und Abiturienten die Schule letztmalig nach zwölf Jahren verlassen. Nun gibt es das Abitur wieder nach 13 Schuljahren. Das heißt, an den Gymnasien finden in diesem Frühjahr erstmals keine Abiturprüfungen statt. An Abendgymnasien, Gesamtschulen und beruflichen Gymnasien gibt es aber wie gewohnt Abiturprüfungen.

Achter nationaler Bildungsbericht erscheint
Voraussichtlich im Sommer wird der nächste nationale Bildungsbericht vorgestellt. Er erscheint alle zwei Jahre und wird von einer unabhängigen Gruppe von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern unter Federführung des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) im Auftrag der Kultusministerkonferenz und des Bundesministeriums für Bildung und Forschung erstellt. Er ist Bestandteil des Bildungsmonitorings in Deutschland und zeigt Entwicklungen aus allen Bildungsbereichen – von der frühkindlichen Bildung über die Schule und Hochschule bis zur beruflichen Weiterbildung. Der Bericht liefert Zahlen etwa zu Bildungsausgaben und zum Bildungsstand der Bevölkerung.

Aus der Praxis für die Praxis
Die Deutsche Schulakademie veranstaltet am 17. und 18. September 2020 in Berlin ein Forum für Schulpraktikerinnen und Schulpraktiker zum Thema Digitalisierung.Weitere Informationen zur Veranstaltung folgen demnächst auf der Seite der Deutschen Schulakademie. Mitverantwortlich für die Veranstaltung ist Maike Schubert. Sie war bis Anfang 2019 Schulleiterin der Freiherr-vom-Stein-Schule Neumünster und hat dort das Lernen mit digitalen Medien in einem innovativen Lernsystem umgesetzt. 2016 bekam die Schule dafür den Deutschen Schulpreis.

30 Jahre Deutsche Einheit
Im vergangenen Jahr feierte Deutschland den 30. Jahrestag des Mauerfalls, und in diesem Jahr steht der 30. Geburtstag der deutschen Wiedervereinigung an. Auch in den Schulen gibt es viele Anknüpfungspunkte, sich mit der deutsch-deutschen Geschichte auseinanderzusetzen.

Wie die Deutschen über Schule denken
Nach dem erfolgreichen Start folgt im Herbst 2020 die zweite Ausgabe des Deutschen Schulbarometers. Im vergangenen Jahr hat das Umfrage-Institut infas Eltern im Auftrag der Robert Bosch Stiftung und des ZEIT-Verlags zum Beispiel zu Hausaufgaben und zum Umgang mit Handys befragt. In diesem Jahr wird es um weitere Themen rund um Schule gehen.

Den digitalen Wandel gestalten
Das Forum Bildung Digitalisierung veranstaltet am 19. und 20. November 2020 ihre Jahreskonferenz in Berlin. Im Vorjahr ging es um die Kernfrage, wie sich Schule auf eine zunehmend digitalisierte Welt vorbereiten kann. Das Programm für die diesjährige Konferenz wird im Frühjahr veröffentlicht.

Studie zu Mathematik und Naturwissenschaft
Ende des Jahres erscheinen die Ergebnisse von TIMSS (Trends in International Mathematics and Science Study). Die Studie erfasst das mathematische und naturwissenschaftliche Grundverständnis von Schülerinnen und Schülern am Ende der vierten Jahrgangsstufe. Die Studie wird alle vier Jahre von der IEA (International Association for the Evaluation of Educational Achievement) durchgeführt. Für Deutschland ist dabei ein Konsortium von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern für die Bereiche Mathematik- und Naturwissenschaftsdidaktik unter der Leitung der Universität Hamburg verantwortlich. Wie die aktuelle Vergleichsstudie PISA, deren Ergebnisse im Dezember veröffentlicht wurden, gezeigt hat, haben sich in Deutschland die 15-jährigen Schülerinnen und Schüler in Mathematik und Naturwissenschaften gegenüber der PISA-Studie 2015 verschlechtert.