Aussteigerin : Vom Klassen­zimmer auf die Bühne

Petra Fröschle ist Lehrerin für Grund- und Hauptschulen. Vor acht Jahren hat sie ihr Referendariat abgeschlossen. Doch statt vor der Klasse steht sie seitdem auf der Bühne und zaubert. Wie es dazu kam, hat die 45-Jährige, die unter dem Künstler­namen „Roxanne“ bekannt ist, dem Deutschen Schul­portal erzählt.

Regina Köhler / 23. Oktober 2018
Petra Fröschle bei der Aufführung
Statt im Klassenzimmer steht Petra Fröschle auf der Bühne, zum Beispiel mit ihrem Kinderprogramm „Miras Sternenreise“.
©Alexandra Klein

Petra Fröschle war noch im Vorschulalter, als sie mit dem Zaubern anfing. „Die Oma hat mir damals den Zauberkasten meines Vaters vom Dachboden geholt“, erinnert sie sich. Die Requisiten aus Holz begeistern sie, und es macht ihr Spaß, der Familie abends ihre eingeübten Tricks vorzuführen. Ihr gesamtes Taschengeld gibt sie von da an für Zauberrequisiten aus – in einem Zauberladen nahe der Wohnung ihrer Großeltern mütterlicherseits, die in Budapest lebten. „Ich habe mir jedes Mal alles vorführen lassen und dann genau überlegt, was ich mir kaufe“, sagt sie.

An der Oberschule wird Petra Fröschle Mitglied der Theater AG, die ihr Lieblingslehrer Eberhard Riese leitet, der in seiner Freizeit ebenfalls zaubert und heute Präsident des Magischen Zirkels Deutschland ist. Ihm hat Petra Fröschle damals ihre Zaubertricks gezeigt. Riese besetzt sie daraufhin schon im ersten Stück so, dass sie ihre Effekte vorführen kann.

Studium und Referendariat machen ihr Spaß

Nach dem Abitur entscheidet sich Petra Fröschle zunächst dafür, Lehrerin zu werden. „Eberhard Riese war auch diesbezüglich ein Vorbild für mich“, sagt sie. Das Studium macht ihr Spaß, genau wie die praktische Arbeit während des Referendariats an der Steinenbergschule in Stuttgart.

„Am Tag meiner letzten Prüfung habe ich mich dann entschieden, es hauptberuflich mit der Zauberei zu versuchen“
Petra Fröschle, Zauberin und Lehrerin

Das Zaubern gibt sie trotzdem nicht auf und arbeitet in jeder freien Minute an einer wettbewerbsfähigen Zauber-Darbietung. Bereits während des Studiums bekommt sie erste Engagements und TV-Auftritte. Ihr Mann Thomas Fröschle alias „Topas“, der bereits professionelle Engagements als Zauberer hat, unterstützt sie dabei, ebenso wie ihr ehemaliger Lehrer Eberhard Riese. „Am Tag meiner letzten Prüfung habe ich mich dann entschieden, es hauptberuflich mit der Zauberei zu versuchen“, sagt Petra Fröschle.

Ihr Vater hatte zwar zunächst mal geschluckt, ihre Entscheidung dann aber akzeptiert und unterstützt. Von da an steht „Roxanne“ auf internationalen Bühnen, sei es in Hollywood oder Schanghai, und wird mit begehrten Preisen ausgezeichnet, wie etwa dem Sarmoti-Award der Magiere Siegfried & Roy in Las Vegas.

Petra Fröschle arbeitet gern mit Menschen – vor allem mit Kindern. Das sei eine wichtige Voraussetzung für ihre beiden Berufe, sagt sie. „Sowohl als Lehrerin als auch als Künstlerin auf der Bühne ist es wichtig, dass mein Gegenüber spürt, dass ich es ernst meine und anderen gern etwas von mir gebe.“ Während des Studiums hat sie zudem gelernt, flexibel zu sein – eine wichtige Eigenschaft, wenn man auf der Bühne bestehen will. „Jeder Tag ist anders – oft heißt es, blitzschnell auf Herausforderungen zu reagieren“, sagt Fröschle.

Fröschles neueste Produktion ist ein Theaterstück für Kinder im Alter von fünf bis zehn  Jahren, in dem natürlich auch viel gezaubert wird. „Miras Sternenreise“ ist ein Stück über das Fremdsein und darüber, wie es gelingen kann, sich woanders zu Hause zu fühlen. Ein aktuelles Thema an den Schulen, in denen derzeit viele Flüchtlingskinder lernen. Fröschle hat das Stück gemeinsam mit ihrem Mann und Eberhard Riese entwickelt. Auf Wunsch kommt sie damit auch an die Schulen.

Die Rückkehr an eine Grundschule ist für die Zauberin nicht ausgeschlossen

Beim Thema Schule wird Petra Fröschle nachdenklich. Angesichts des großen Lehrermangels, der auch an der Schule ihres siebenjährigen Sohns zu spüren sei, überlege sie neuerdings schon, doch wieder in ihrem ersten Beruf zu arbeiten, sagt sie. „Bildung ist unsere Zukunftsressource Nummer eins.“ Die Schulen müssten deshalb so gut wie möglich ausgestattet sein, vor allem mit gut ausgebildetem Personal.

Sie habe aber auch einen gewaltigen Respekt vor dem Beruf. „Wenn ich jetzt wieder einsteigen würde, bräuchte ich lange, um meinen Ansprüchen gerecht zu werden.“ Vorstellbar wäre für sie allerdings nur der Einsatz an der Grundschule. „Um auch an der Hauptschule erfolgreich zu sein, müsste ich mich sehr verändern, mehr Härte und Konsequenz zeigen.“

Bisher ist das aber nur ein Gedankenspiel für Petra Fröschle. Fest steht, dass sie mit dem Zaubern auf keinen Fall aufhören will. Und beide Berufe seien kaum unter einen Hut zu bringen, zumal sie gegenwärtig als Zauberin stark gebucht sei. „Sollte das weniger werden, bin ich auf jeden Fall froh, einen zweiten Beruf zu haben.“

Das wäre dann auf keinen Fall ein Notnagel, sondern eine tolle Arbeit, da ist sie sich sicher.

Auf einen Blick

  • Informationen zum Kinderprogramm von Petra Fröschle gibt es unter www.miras-sternenreise.de
  • Die nächsten Vorstellungen für Schulklassen finden am 27. November 2018 und am 23. Januar 2019 im Theaterhaus Stuttgart statt.
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