Fragen und Antworten : Wie Schulen geflüchtete Kinder aus der Ukraine aufnehmen

Nach Schätzungen der Kultusministerkonferenz könnten bis zu 400.000 ukrainische Kinder und Jugendliche nach Deutschland kommen. Zwar stagnierten die Zahlen der Geflüchteten zum Ende des Schuljahres, sie könnten aber im Herbst wieder steigen. Ziel ist es, die Schülerinnen und Schüler so rasch wie möglich an den Schulen in Deutschland aufzunehmen und in den Regelunterricht zu integrieren. Bis Mitte September wurden bundesweit 179.218 junge Geflüchtete aus der Ukraine an deutschen Schulen aufgenommen. Wie gehen die Länder dabei vor? Das Schulportal gibt einen Überblick und beantwortet die wichtigsten Fragen.

Annette Kuhn 11. März 2022 Aktualisiert am 22. September 2022 4 Kommentare
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Tafel mit Schriftzug Willkommensklasse für geflüchtete Kinder
Die Bundesländer bereiten sich auf geflüchtete Kinder und Jugendliche aus der Ukraine an den Schulen vor.
©Britta Pedersen/dpa-Zentralbild

Zu Beginn des neuen Schuljahres ist ein weiterer Anstieg ukrainischer Schülerinnen und Schüler an deutschen Schulen zu verzeichnen. Der Bundesvorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann, befürchtet, dass Schulen im neuen Schuljahr durch eine wachsende Zahl ukrainischer Schülerinnen und Schüler überlastet werden könnten. Die Schulpflicht für Kinder aus dem Ausland beginne spätestens nach sechs Monaten. Dies bedeutet einen weiteren Zuwachs von ukrainischen Schülerinnen und Schülern in den Schulen , sagte Beckmann den Zeitungen der Funke Mediengruppe bereits im Juli.

Ziel der Kultusministerkonferenz ist es, ukrainische Kinder und Jugendliche an deutschen Schulen möglichst schnell zu integrieren. Es besteht Konsens zwischen den Ländern, dass das Erlernen der deutschen Sprache und die Integration in das deutsche Schulsystem Priorität haben und dass der Online-Unterricht der ukrainischen Seite, das heißt nach ukrainischen Vorgaben, grundsätzlich nur als ergänzende Maßnahme zu betrachten ist, sagte Karin Prien, aktuell Präsidentin der KMK und schleswig-holsteinische Bildungsministerin (CDU) bereits im März.

Bis Anfang September wurden an den allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen in Deutschland bislang 172.787 Kinder und Jugendliche aus der Ukraine aufgenommen. Die KMK fragt seit Ende März wöchentlich die Zahlen in den Ländern ab und veröffentlicht sie regelmäßig auf ihrer Website. Deutschland muss sich aus Sicht der Kultusministerkonferenz allerdings auf bis zu 400.000 geflüchtete ukrainische Schülerinnen und Schüler einstellen und bräuchte dafür 24.000 Lehrkräfte. Bis Mitte September 2022 sind nach einer bundesweiten Abfrage der Deutschen Presse-Agentur bislang aber erst etwa 2.700 Lehr- und Hilfskräfte aus der Ukraine an die Schulen gekommen.

Willkommensklasse oder Regelklasse?

Der Deutsche Philologenverband mahnt zusätzliche Unterstützung für die Schulen an, um den Unterricht für ukrainische Schulkinder zu gewährleisten. Nach einer Umfrage des Verbands unter mehr als 1.700 Lehrkräften an Gymnasien sagten 88 Prozent der Befragten am Ende des vergangenen Schuljahres, sie hätten bislang keine Unterstützung durch zusätzlich eingestellte Lehrkräfte bekommen. 80 Prozent der Lehrkräfte erklärten allerdings auch, dass an ihren Schulen keine Vorbereitungsklassen für geflüchtete Schülerinnen und Schüler eingerichtet wurden. 60 Prozent der befragten Lehrkräfte gaben an, dass geflüchtete Schülerinnen und Schüler nicht ihren Fähigkeiten entsprechend den passenden Schularten zugewiesen werden.

Um geflüchtete Kinder und Jugendliche aus der Ukraine in den Schulalltag integrieren zu können, fordert auch der Deutsche Lehrerverband ein langfristiges Konzept und Hilfe des Bundes. Ohne ein massives Unterstützungspaket des Bundes werden die Länder diese Aufgabe nicht schultern können, sagte Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger dem Redaktionsnetzwerk Deutschland Mitte Juni.

Vielfach hänge es ausschließlich von der Situation vor Ort ab, ob ein Kind in eine Regelklasse oder in eine Willkommensklasse komme, in welchem Umfang es Deutschunterricht gebe und welche zusätzlichen personellen und finanziellen Mittel zur Verfügung stünden, beklagte Meidinger. Das sind äußerst schlechte Voraussetzungen dafür, den Kindern, die in Deutschland länger bleiben werden, eine dauerhafte Integrationsperspektive zu geben. Die Kultusministerkonferenz müsse ein Konzept mit klaren Inhalten erstellen und Zusagen geben, wie viel Personal und Geld die Schulen zusätzlich bekommen sollen.

Das sind die wichtigsten Fragen und Antworten zur Aufnahme geflüchteter Kinder und Jugendlicher aus der Ukraine an den Schulen:

Wer koordiniert die Aufnahme von Kindern und Jugendlichen aus der Ukraine an den Schulen?

Zur Steuerung der Integration von geflüchteten Kindern an Schulen haben die Länder eine gemeinsame „Task Force“ eingerichtet. Darauf haben sie sich bei der Sitzung der Kultusministerkonferenz im März verständigt.

Den Vorsitz der Task Force hat Hans Beckmann, Staatsekretär a.D. aus Rheinland-Pfalz, übernommen. Alle 16 Länder entsenden Mitglieder in die Task Force, die die unterschiedlichen Fachexpertisen der Ministerien repräsentieren. Bei ihrer ersten Tagung am 18. März hat die Task Force unter anderem Fragen einer möglichen Beschäftigung von ukrainischen Lehrkräften oder Erzieherinnen und Erziehern, einer Fortsetzung der Beschulung nach ukrainischem System zum Beispiel durch Online-Plattformen und die Nutzung digitaler Schulbücher und Unterrichtsmaterialien angesprochen.

Unterstützungsangebot der Robert Bosch Stiftung und der Bertelsmann Stiftung

Nach Gesprächen mit der Task Force der KMK haben die Robert Bosch Stiftung und die Bertelsmann Stiftung im vergangenen Schuljahr eine gemeinsame Initiative gestartet, um Schulen bei der Aufnahme geflüchteter Kinder und Jugendlicher zu unterstützen. Eine eigens eingerichtete Gruppe erfahrener Bildungsexpertinnen und Bildungsexperten aus Deutschland und der Ukraine hat praxistaugliche Informationen, Materialien und Lösungsansätze zusammengetragen, die das Schulportal in einem Dossier veröffentlicht hat. Zu der Initiative zählten unter anderem die beiden Schulleitungen der Deutschen Auslandsschule in Kiew, Gregor Miebs und Olena Kovalchuk, und der frühere Berliner Staatssekretär für Bildung Hans-Jürgen Kuhn.

 

Aufnahme Geflüchteter aus der Ukraine in den Bundesländern

Teilweise haben die Länder auch schon im März angekündigt, wie sie bei der Aufnahme geflüchteter Kinder an den Schulen vorgehen wollen. In den meisten Ländern sind zusätzliche Klassen vorgesehen, die je nach Bundesland Willkommensklassen, Vorbereitungsklassen, Intensivklassen, Ankunftsklassen oder Deutschklassen heißen. In einigen Ländern werden Kinder aber auch direkt in Regelklassen aufgenommen und bekommen zusätzlich noch Deutschunterricht.

Eine der größten Herausforderung bei der Aufnahme geflüchteter Kinder und Jugendlicher aus der Ukraine an den Schulen ist es, das nötige Personal dafür an die Schulen zu bekommen. Der Lehrermangel an Schulen in Deutschland ist ohnehin groß. Dazu kommt, dass derzeit auch zusätzliches Personal gebraucht wird, um das Corona-Aufholprogramm umzusetzen.

Nach einer Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft in Köln von Mai 2022 würden zwischen 13.500 und 19.400 zusätzliche Lehrkräfte gebraucht, um die geflüchteten ukrainischen Schülerinnen und Schüler zu unterrichten. Wie viele Lehrerinnen und Lehrer tatsächlich gebraucht würden, hänge von der tatsächlichen Zahl der Kinder und Jugendlichen aus der Ukraine ab, die an den deutschen Schulen ankommen.

In vielen Ländern gibt es bereits konkrete Pläne, wie zusätzliche Lehrerinnen und Lehrer sowie weiteres Personal an die Schulen kommen können. Eine wichtige Rolle spielen dabei auch geflüchtete Lehrerinnen aus der Ukraine. Laut KMK sollen sie unbürokratisch aufgenommen werden, etwa mithilfe von Selbstauskünften, die an Stelle eines Führungszeugnisses oder fluchtbedingt fehlender Ausbildungsnachweise vorgelegt werden könnten.

Das Schulportal zeigt hier, wie die Länder bei der Aufnahme geflüchteter Kinder und Jugendlicher sowie Lehrkräfte aus der Ukraine vorgehen:

Aktuelle Studien zur Integration ukrainischer Kinder an Schulen

Wie soll der Unterricht der geflüchteten Kinder ablaufen?

Unterstützung beim Unterricht geflüchteter Kinder und Jugendliche könnten digitale Lehrmaterialien bieten. KMK-Präsidentin Karin Prien sagte nach der Sitzung der Kultusministerkonferenz Anfang März, dass viele ukrainischsprachige Lehrmaterialien digitalisiert vorliegen und auch in deutschen Schulen zum Einsatz kommen könnten. Die Länder haben ukrainisches Unterrichtsmaterial durch das FWU bereits in großem Umfang gesichert. Neben den in den Ländern bereits existierenden Übersichten zu DaZ-Materialien soll auch länderübergreifend eine Übersicht erstellt und den Schulen zugänglich gemacht werden.

Außerdem gibt es verschiedene ukrainische Online-Lernplattformen, zum Beispiel von der privaten Fernschule Optima, die ihre Unterrichtsangebote mit Beginn des Krieges für Nutzerinnen und Nutzer kostenfrei zur Verfügung stellt. Die gemeinsame Initiative der Robert Bosch Stiftung und der Bertelsmann Stiftung will sicherstellen, dass das Angebot bis Schuljahresende allen ukrainischen Schülerinnen und Schülern in Deutschland zur Verfügung steht. Die Finanzierung dafür sei gesichert.

Lernplattform Schulcloud jetzt auf Ukrainisch

Inzwischen steht auch die sogenannte Schulcloud auf Ukrainisch zur Verfügung. Wie das niedersächsische Kultusministerium in Hannover mitteilte, wurde die sogenannte Schulcloud übersetzt, um ukrainischen Flüchtlingen den Zugang zu erleichtern. Die Software wird von Bundesländern Niedersachsen, Thüringen und Brandenburg im Verbund entwickelt.

Die Übersetzung der Plattform stelle die Basis für eine ortsunabhängige Betreuung ukrainischer Schülerinnen und Schüler durch ukrainisch sprechende Lehrkräfte dar, wie das Ministerium mitteilte. Über die Cloud können Lehrkräfte unter anderen Video-Schalten organisieren, Übungsaufgaben verteilen oder Gruppenarbeiten durchführen. In Niedersachsen nutzen etwa 1.700 Schulen die Plattform, in Thüringen nehmen den Angaben zufolge 890 und in Brandenburg 700 Schulen daran teil.

Drehtürmodell für geflüchtete Kinder aus der Ukraine

Die Robert Bosch Stiftung und die Bertelsmann Stiftung schlagen in einer gemeinsamen Initiative vor, das sogenannte “Pädagogische Drehtürmodell” zu nutzen, um sowohl dem Wunsch von ukrainischen Schulen und Familien nach einer Fortsetzung des aus der Heimat gewohnten Unterrichts zu entsprechen und gleichzeitig den Kindern und Jugendlichen aus der Ukraine zu ermöglichen, deutsche Schulen zu besuchen. Das Drehtürmodell nutzen deutsche Schulen bereits im Rahmen der individuellen Förderung. Dabei würden die ukrainischen Schülerinnen und Schüler für eine gewisse Anzahl an Schulstunden Unterrichtsinhalte aus ihrer Heimat erarbeiten. Den Rest des Schultages verbringen sie im deutschen Klassenverband.

Auch Heinz-Peter Meidinger, der Präsident des Lehrerverbands, fordert, deutsche Schulen müssten mit der Ukraine zusammenarbeiten. Dabei seien ein gemischter Stundenplan aus ukrainischen und deutschen Unterrichtsinhalten sowie digitale Unterrichtsformen denkbar, sagte er der Augsburger Allgemeinen. Über digitalen Unterricht könnten etwa ukrainische Lehrkräfte – egal ob nach Deutschland geflüchtet oder noch in der Heimat – viele Schülerinnen und Schüler erreichen. Diese dürften nicht den Kontakt zum ukrainischen Schulsystem verlieren.

Wie laufen die Abschlussprüfungen für Schülerinnen und Schüler aus der Ukraine?

Die regulären staatlichen Prüfungen zum Erwerb des Sekundarschulabschlusses II in der Ukraine finden in diesem Jahr nicht statt. Geflüchtete Schülerinnen und Schüler aus der Ukraine, die vor dem Abschluss stehen, können das Schuljahr also nicht regulär beenden. Die Kultusministerkonferenz hat inzwischen aber beschlossen, dass sich die Schülerinnen und Schüler des Abschlussjahrgangs trotzdem für ein Studium in Deutschland bewerben können. „Den betroffenen Schülerinnen und Schülern soll hierdurch kein Nachteil entstehen“, so Karin Prien (CDU), Präsidentin der Kultusministerkonferenz und Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Schleswig-Holstein, in einer Mitteilung der KMK.

Ukrainische Schülerinnen und Schüler, die keinen Abschluss machen können und ein Studium in Deutschland aufnehmen möchten, müssen sich beim jeweiligen Studienkolleg ihrer Wunschhochschule bewerben. Die Studienkollegs bereiten ausländische Bewerber auf ein Studium in Deutschland vor. Weitere Informationen zum Hochschulzugang gibt es bei der Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen (ZAB) über das Informationsportal anabin.

Was empfiehlt die Ständige wissenschaftliche Kommission der Kultusministerkonferenz?

Die Ständige Wissenschaftliche Kommission der Kultusministerkonferenz (SWK) hat Ende März eine Stellungnahme zur Integration geflüchteter ukrainischer Kinder und Jugendlicher in Kitas und Schulen veröffentlicht. Kernforderung ist, dass alle Kinder und Jugendlichen so bald wie möglich eine Kita oder Schule besuchen sollten, um Deutsch zu lernen, ihren Bildungsweg fortzusetzen und Kontakte zu Gleichaltrigen knüpfen zu können, so Olaf Köller, wissenschaftlicher Direktor des Leibniz-Instituts für die Pädagogik der Naturwissenschaft und Mathematik (IPN) und Co-Vorsitzender der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission. „Wir müssen davon ausgehen, dass 25 bis 35 Prozent der Kinder und Jugendlichen aus der Ukraine unter schweren psychischen Belastungen leiden”, erklärt Felicitas Thiel, Professorin für Schulpädagogik und Schulentwicklungsforschung an der Freien Universität Berlin und Co-Vorsitzende der SWK.

Ein wichtiges Thema in der Stellungnahme der SWK ist auch, wie Lehrkräfte aus der Ukraine an den Schulen in Deutschland integriert werden können. Das Schulportal hat dazu mit der Bildungsforscherin Miriam Vock, die an der Universität Potsdam bereits 2016 ein Programm für geflüchtete Lehrerinnen und Lehrer initiiert hat, ein Interview geführt.

In der Stellungnahme zur Aufnahme Geflüchteter aus der Ukraine geht es konkret um diese sechs Themen, aus denen die Ständige Wissenschaftliche Kommission ihre Empfehlungen ableitet:

  • Unterstützung bei der Verarbeitung traumatischer Erfahrungen
  • Sprachförderung in der Bildungssprache Deutsch und Zugang zum Fachunterricht
  • Bildungsangebote in ukrainischer Sprache als unterrichtsergänzende Angebote
  • Förderung der Integration in neue Freundschaftsnetzwerke
  • Entwicklung von Qualifizierungs- und Weiterbildungsangeboten für ukrainische Lehrkräfte
  • Möglichkeiten der digitalen Beschulung und Prüfungen auf der Grundlage der ukrainischen Curricula

Der komplette Text der Stellungnahme kann hier abgerufen werden.

Was kostet der Unterricht für geflüchtete Kinder und Jugendliche aus der Ukraine?

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, hat gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland folgende Rechnung aufgestellt: Wenn wir einmal von 250.000 geflüchteten Kindern, die nach Deutschland kommen könnten, ausgehen, brauchen wir dafür 10.000 bis 15.000 Lehrer mehr. Außerdem bräuchten Schulen mehr Platz – im Zweifel auch durch Lösungen mit modern ausgestatteten Containern. Es sei eine richtige Idee, ukrainische Lehrkräfte einzubinden. Die Kultusministerien müssten aber auch alles tun, um pensionierte Lehrkräfte zu reaktivieren und Lehramtsstudenten einzubinden. Und es braucht viel zusätzliches Geld, sagte Meidinger. Wenn die geflüchteten Kinder länger oder dauerhaft blieben, dann gehe es um Milliarden, die man zusätzlich für das Schulsystem brauche.

Auch der Bildungsjournalist Jan-Martin Wiarda geht von enormen Mehrkosten aus: Setzt man die in Deutschland üblichen Bildungsausgaben von gut 9.000 Euro pro Schulkind und Jahr an (und eigentlich sollte es gerade für Geflüchtete mehr sein!) ergäbe das schon bei 200.000 zusätzlichen Schülern 1,8 Milliarden Euro. Allein für dieses Jahr, schreibt er in seinem Blog.

Das Bundesland Bayern, das bislang die meisten geflüchteten Kinder aus der Ukraine aufgenommen hat, hat bis zum Ende dieses Schuljahres fünf Millionen Euro zur Verfügung gestellt, so der Kultusminister Michael Piazolo.

Gibt es eine Schulpflicht für geflüchtete Kinder?

Bis zu den Sommerferien haben noch nicht alle geflüchteten Kinder und Jugendlichen aus der Ukraine Schulen in Deutschland besucht. Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) sagte dazu Ende Juni: „Viele Bundesländer sind mit der Schulpflicht bisher pragmatischer umgegangen, auch weil die Kinder digital aus der Ukraine unterrichtet wurden. Aber nach den Sommerferien wird die Schulpflicht sicher überall greifen.” Dann geht sie davon aus, dass die Zahl der ukrainische Schülerinnen und Schüler weiter steige.

Nach der UN-Kinderrechtskonvention hat jedes Kind das Recht auf Zugang zu Bildung und Schulunterricht. Auch wenn Geflüchtete aus der Ukraine sich in den ersten 90 Tagen ihres Aufenthalts nicht als Kriegsflüchtlinge registrieren lassen müssen, sind die Kinder aber schulberechtigt. Die Kultusministerkonferenz hat betont, dass die Schulpflicht für geflüchtete Kinder und Jugendliche aus der Ukraine noch in diesem Schuljahr umgesetzt wird.

Ab welchem Zeitpunkt die Schulpflicht für Kriegsflüchtlinge und Asylsuchende in Deutschland besteht, ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich, wie eine Bestandsaufnahme vom Informationsverbund Asyl und Migration zeigt. In Berlin gilt die Schulpflicht sofort nach dem Zuzug. In einigen Ländern herrscht Schulpflicht, sobald die Menschen nicht mehr in einer Erstaufnahmeeinrichtung wohnen oder einer Gemeinde zugewiesen wurden. In Bayern und Thüringen tritt die Schulpflicht unabhängig von dieser Regelung nach drei Monaten, in Baden-Württemberg sechs Monate nach Zuzug ein. Die baden-württembergische Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) hat aber betont, dass einem Schulbesuch geflüchteter Kinder rechtlich nichts entgegenstehe. Die verzögerte Schulpflicht trage aber möglichen Traumata Rechnung. Man wolle den Kindern mehr Zeit zur Anpassung geben.

Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD) betont, es gelte in seinem Bundesland die Schulpflicht. Da machen wir keine Ausnahme. Ob es sich um Flüchtlinge handelt, (…) ob es sich um Ureinwohner Hamburgs handelt – das gilt für alle. Allerdings sei die Behörde bei Flüchtlingen insofern tolerant, als dass sich diese am Anfang erst einmal in ihrer neuen Umgebung einfinden müssten und dafür Zeit bräuchten. Außerdem werde die Behörde in den kommenden Wochen schon genug zu tun haben, die bereits angemeldeten Kinder und Jugendlichen unterzubringen.

In Brandenburg ruht die Schulpflicht sechs Wochen für Kinder und Jugendliche, die nicht in einer Aufnahmeeinrichtung des Landes untergebracht sind, nach der Verteilung auf oder den Zuzug in die Landkreise oder kreisfreien Städte.

Für junge Menschen, die im Rahmen der Erstaufnahme in einer Aufnahmeeinrichtung des Landes untergebracht sind, ruht die Schulpflicht für den Zeitraum von drei Monaten nach der Unterbringung in einer Aufnahmeeinrichtung.

Einen Überblick über aktuelle Bestimmungen zur Schulpflicht in den Ländern gibt es auch auf dem Bildungsserver.

Wo gibt es weitere Informationen zum Schulbesuch ukrainischer Kinder und Jugendlichen in Deutschland

Alle Kultus- bzw. Bildungsministerien der Länder haben inzwischen auch eigene Seiten eingerichtet, auf denen es sowohl Informationen zum Unterricht geflüchteter Kinder und Jugendlicher in der Ukraine als auch für ukrainische Lehrkräfte gibt.

Einen Überblick über diese Seiten bietet die Kultusministerkonferenz unter diesem Link.