Lehramtsausbildung : Studierende entwickeln Planspiel „Gute Schule“

Mit ihrem Planspiel „Gute Schule“ wollen die Lehramtsstudierenden Alexandra Bär und Thomas Ahnfeld angehenden und gestandenen Lehrkräften nahebringen, wie Schulentwicklung funktioniert. Die Basis für das Spiel bilden die sechs Qualitätsbereiche des Deutschen Schulpreises.

Regina Köhler / 21. September 2018
Vier Lehrkräfte spielen das Planspiel Gute Schule.
Mit dem Planspiel „Gute Schule“ erfahren Lehrkräfte, wie nachhaltige Schulentwicklung in der Praxis umgesetzt werden kann.
©privat

Wie geht Schulentwicklung? Gibt es Kriterien dafür, was eine gute Schule auszeichnet? Einen Ansatz liefert der Deutsche Schulpreis mit seinen sechs Qualitätsbereichen. Die Macher des Schulwettbewerbs haben diese Kriterien aufgestellt. An ihnen lässt sich gute Schule festmachen: Leistung und Unterrichtsqualität gehören dazu, aber auch der Umgang mit Vielfalt, das Schulklima und Schulleben sowie die Qualitätsbereiche Schule als lernende Institution und Verantwortung.

Alexandra Bär und Thomas Ahnfeld, beide studieren an der Universität Leipzig Lehramt, haben zum ersten Mal auf einer Veranstaltung der Deutschen Schulakademie von diesen sechs Qualitätsbereichen gehört.

Die Mitstudierenden sind von der Idee begeistert

„Uns hat das als Orientierungshilfe für Schulentwicklung derart überzeugt, dass wir es unbedingt an unsere Kommilitoninnen und Kommilitonen weitergeben wollten“, sagt Thomas Ahnfeld. Sie gewannen einen Seminarleiter des Zentrums für Lehrerbildung und Schulforschung (ZLS) für ihr Vorhaben und bekamen zwei Mal 90 Minuten Zeit, um den anderen von ihren Erfahrungen zu berichten. Alexandra Bär erinnert sich: „Beim Nachdenken darüber, wie wir das am besten machen könnten, hatten wir die Idee, unser Wissen mithilfe eines Planspiels weiterzugeben.“ Thomas habe sich das Spiel ausgedacht, sie selbst die Inhalte recherchiert, sagt Bär.

Schulentwicklung wird kaum an der Uni gelehrt

Bär und Ahnfeld haben ihr Spiel „Gute Schule“ genannt und von ihren Kommilitoninnen und Kommilitonen ein „umwerfendes Feedback“ bekommen. Einladungen anderer Seminare folgten. „Von den Studierenden haben wir dann jedes Mal gehört, dass sie über Schulentwicklung im Studium kaum etwas gelernt haben“, sagt Thomas Ahnfeld. Das habe sie ermuntert, ihr Planspiel weiterzuentwickeln und nicht nur Lehramtsstudierenden, sondern auch Schulen anzubieten, es gemeinsam mit ihnen zu spielen. „Wir wollen Studierenden, Lehrkräften und Schulleitungen Lust darauf machen, einige Möglichkeiten von Schulentwicklung, die das Spiel aufzeigt, an ihrer Schule umzusetzen“, sagt Bär. Das Spiel liefere verschiedene konkrete Handlungsempfehlungen, von denen sich die Lehrkräfte aussuchen könnten, welche zu ihrer Schule passen würden.

Nur zwei Wochen hatten Alexandra Bär und Thomas Ahnfeld Zeit, um ihr Spiel so weit fertigzustellen, dass sie es mit den ersten Seminarteilnehmerinnen und -teilnehmern spielen konnten. Mehr als hundert Stunden haben sie daran gesessen, sich über die Inhalte geeinigt und über tausend Pappkärtchen selbst ausgeschnitten und gestaltet. Ein weiteres halbes Jahr haben die beiden gebraucht, um ihr Spiel weiterzuentwickeln. Alles neben dem Studium. „Für uns war das ein wichtiger Prozess – haben wir doch selbst noch viel gelernt über Schulqualität“, sagt Thomas Ahnfeld.

Und so wird „Gute Schule“ gespielt

„Gute Schule“ braucht mindestens drei Mitspielerinnen und Mitspieler. Thomas Ahnfeld und Alexandra Bär empfehlen allerdings, dass das Spiel besser von mehreren Gruppen gespielt wird, die aus bis zu sechs Personen bestehen können. Zum Spiel gehören insgesamt 108 Karten, die jeweils konkrete Entwicklungen an Schulen darstellen. Jede Gruppe muss sich zunächst für ein imaginäres erstes Schulhalbjahr ein bis drei Leitmotive aussuchen. Dafür stehen ihr sechs Karten zur Wahl, wobei jedem Leitmotiv ein gewisser Geldwert zugeordnet ist. Insgesamt kann jede Gruppe 100.000 Euro ausgeben. Mit den gewählten Leitmotiven haben sich die Spielerinnen und Spieler für eine bestimmte Richtung entschieden, die sie dann im zweiten Schulhalbjahr konkretisieren müssen. Dazu können sie sich aus mehreren Karten, die konkrete Maßnahmen beschreiben, einige aussuchen, müssen dabei aber einen gewissen Zeitrahmen einhalten.

Ein Beispiel: Hat sich eine Gruppe entschieden, ihrer Schule das Leitmotiv „Verantwortung“ zu geben, kann sie verschiedene konkrete Maßnahmen auswählen. Dazu gehören zum Beispiel die Anschaffung eines Haustiers, der Aufbau einer Schülerzeitung oder der Einsatz von sogenannten Ökowächtern, die sich um eine saubere und ökologische Schule kümmern. Jede Maßnahme kostet unterschiedlich viel Zeit. Die Spieler müssen also entscheiden, ob sie die gewählten Maßnahmen in der vorgegebenen Zeit auch umsetzen können.

Große Pläne für das Spiel „Gute Schule“

Thomas Ahnfeld und Alexandra Bär hoffen jetzt, dass ein Verlag auf ihr Planspiel aufmerksam wird und es in sein Programm aufnimmt. Erste Gespräche gibt es bereits, doch das Duo darf noch nichts Konkretes verraten. Nur so viel: „Wir hoffen, dass unser Planspiel den künftigen Spielerinnen und Spielern genauso viel Spaß und Erkenntnisgewinn bringen wird wie allen anderen, mit denen wir bereits gespielt haben.“

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Was ist ein Planspiel?

  • Ein Planspiel simuliert reale Situationen und Entscheidungsprozesse mit dem Ziel, diese Situationen zu einer Lösung zu bringen.
  • Am Modell einer vereinfachten Situation werden von den Spielerinnen und Spielern Handlungsentscheidungen gefordert und deren Wirkungen aufgezeigt.
  • Komplexe Prozesse und Lösungswege werden auf diese Art und Weise anschaulich gemacht.
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