Krisenpläne der Kommunen : Steigende Energiekosten zwingen Schulträger zum Handeln

Steigende Energiepreise haben auch Konsequenzen für die Schulen. Viele Kommunen planen Sparprogramme, beispielsweise durch abgesenkte Raumtemperaturen. Und Schulcaterer sehen sich gezwungen, ihre Preise zu erhöhen. Das Schulportal hat bei verschiedenen Schulträgern nachgefragt, wie sie auf die Herausforderungen durch die Energiekrise reagieren.

Regina Köhler 22. September 2022 Aktualisiert am 30. September 2022
Essensausgabe in einer Schulkantine
Veränderungen wird es wohl auch bei den Preisen für das Schulessen geben.
©Foto: Jens Kalaene/dpa

Nicht nur Privathaushalte, Firmen und Betriebe sehen sich im bevorstehenden Herbst und Winter mit steigenden Preisen für Energie und Lebensmittel konfrontiert. Auch die Schulen beziehungsweise Schulträger müssen mit diesen Herausforderungen fertigwerden. Wir haben Kommunen in verschiedenen Bundesländern gefragt, wie sie damit umgehen werden.

Sachsen will Flure und Treppenhäuser in Schulen möglichst nicht mehr beheizen

Roman Schulz, Pressesprecher des Landesamts für Schule und Bildung Sachsen, betont, dass es in seinem Bundesland keine verbindlichen Vorgaben gibt, was die Raumtemperatur an Schulen betrifft. „Für Unterrichtsräume gibt es die Empfehlung, die Temperatur bei 20 Grad Celsius zu halten.“ Für Turnhallen seien es 17 Grad. Flure und Treppenhäuser in Schulen sollten möglichst nicht mehr beheizt werden. Ob sie diesen Empfehlungen folgen, müssten die Schulen vor Ort entscheiden. „Für alle gilt allerdings unser Appell, alles zu tun, um Energie zu sparen“, so Schulz.

Deutscher Schulpreis 2022

Die Preisträger stehen fest. Diese fünf Schulen wurden ausgezeichnet.

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Ein wichtiger Aspekt in diesem Zusammenhang sei das richtige Lüften. Das Land Sachsen will laut Schulz deshalb alle Klassenräume mit CO2-Ampeln ausstatten. Die zeigten sehr genau an, wann gelüftet werden müsse. Statt ständig die Fenster offen zu halten, wird Stoßlüften empfohlen. „Wir haben die Schulen darüber hinaus aufgefordert, auch bei der Beleuchtung zu sparen, zum Beispiel überall Energiesparlampen zu installieren“, sagt Schulz. Wichtig sei auch, dass alle daran denken, beim Verlassen der Räume das Licht auszuschalten und Computer nicht mehr im Stand-by-Modus laufen zu lassen.

Warmes Wasser soll es an den sächsischen Schulen künftig nur noch dort geben, wo pflegende Tätigkeiten verrichtet werden müssen – etwa an Förderschulen –, oder dort, wo pflegebedürftige Kinder am Unterricht teilnehmen.

Der Schwimmunterricht wird auch weiterhin stattfinden. „Wegen der Corona-Pandemie haben wir diesbezüglich ohnehin noch immer einen Rückstau“, sagt Schulz. Die Wassertemperatur in den Schwimmbädern wird wahrscheinlich allerdings um ein bis zwei Grad abgesenkt werden.

Die Eltern müssen dann entscheiden, ob sie weiterhin Schulessen für ihre Kinder bestellen wollen.
Roman Schulz, Landesamt für Schule und Bildung Sachsen

Veränderungen wird es auch beim Schulessen geben. Hier wird ein Preisanstieg erwartet. Angesichts der allgemeinen Teuerungen werde das nicht ausbleiben, sagt Schulz, auch wenn viele Caterer bisher noch nicht reagiert hätten. „Die Eltern müssen dann entscheiden, ob sie weiterhin Schulessen für ihre Kinder bestellen wollen.“ Vorstellbar sei etwa, dass sich der Preis für ein Essen von derzeit 3,50 Euro auf 5 Euro erhöhen werde.

In Chemnitz beispielsweise haben die Schulcaterer bereits teils deutlich die Preise erhöht. Laut Matthias Nowak, Pressesprecher der Stadt Chemnitz, greift an dieser Stelle aber unterstützend das Bildungs- und Teilhabepaket der Stadt Chemnitz für anspruchsberechtigte Schülerinnen und Schüler.

Detmold senkt wegen steigender Energiekosten Temperatur im Klassenzimmer auf 19 Grad

Ralf Peter von der Schulverwaltung der Stadt Detmold in Nordrhein-Westfalen geht davon aus, dass die steigenden Preise die Budgets der Schulen stark belasten werden.

Peter sagt, die Stadt Detmold habe zwar noch keine endgültige Festlegung zur Raumtemperatur an den Schulen getroffen hat, eine Drosselung sei aber geplant. „Wir werden den Empfehlungen des Landes folgen und eine Temperatur von 19 Grad Celsius festlegen.“ Dieser Wert gelte bereits für die Verwaltungsgebäude der Stadt.

Bei der Warmwasseraufbereitung in den Schulgebäuden werde sich zunächst nichts ändern. Bisher sei nur in den Turn- und Sporthallen das warme Wasser abgestellt worden, zunächst befristet bis zum Ende der Herbstferien. „Anfang Oktober werden wir diese Entscheidung überprüfen und, falls nötig, wieder ändern“, sagt Peter.

In den Schwimmbädern der Stadt sei mit Absenkungen der Wassertemperatur zu rechnen. Einschränkungen des Schwimmunterrichts oder gar Bäderschließungen seien bislang aber nicht geplant.

Auch Peter erwartet steigende Preise beim Schulessen. „Caterer werden aber nicht von der Stadt Detmold, sondern von den Eltern bezahlt“, sagt er. Die müssten dann die Mehrkosten tragen, wenn sie an der Schulspeisung festhalten wollen.

Digitale Geräte, Bücher und Lernmaterial konnten bislang noch zu vereinbarten Preisen angeschafft werden, so Peter. Von Lieferengpässen oder Vertragsverletzungen seitens der Lieferanten sei nichts bekannt.

Recklinghausen schaltet in Schulen warmes Wasser an Waschbecken ab

Schulgebäude sind von der Senkung der Raumtemperatur ausdrücklich ausgenommen, heißt es im nordrhein-westfälischen Recklinghausen. Für Schulen und auch für Kitas gilt die Empfehlung von 20 Grad Raumtemperatur, sagt Isabel Wessels, Sprecherin der Stadt Recklinghausen. An den Handwaschbecken sei die Warmwasseraufbereitung abgeschaltet worden, anders als in den Duschanlagen der Sporthallen, dort gebe es weiterhin warmes Wasser.

Der schulische Schwimmunterricht soll weiter stattfinden, sagt  Wessels. Allerdings werde die Wassertemperatur im Sportbecken der Schwimmhalle um 1 Grad Celsius abgesenkt. „Die Temperatur im Lehrbecken liegt aber weiterhin bei 31 Grad“, so Wessels.

Bezüglich der Mittagsversorgung der Schülerinnen und Schüler sei gegenwärtig noch nicht entschieden, inwieweit die Stadt ihren Zuschuss erhöhen und die gestiegenen Kosten in Form von höheren Gebühren auf die Eltern umlegen werde. Die Stadt Recklinghausen vergibt einen Gesamtauftrag zur Verpflegung aller städtischen Kitas, Grundschulen und weiterführenden Schulen. „Das heißt, es wird nur ein Vertrag mit einem Caterer geschlossen“, sagt Wessels.

Der bisherige Vertrag zur Mittagsverpflegung an den Recklinghäuser Schulen lief bis zum 31. Juli 2022. Bereits Anfang des Jahres wurde eine neue Ausschreibung für den Zeitraum vom 1. August 2022 bis 31. Juli 2025 auf den Weg gebracht. Mitte März 2022 erfolgte die Vergabe des Auftrags an den Caterer Apetito. „Es steht aber jetzt schon fest, dass die Kosten für den Caterer erheblich gestiegen sind“, so Wessels.

Hamburg schult Hausmeister, um Energiekosten an Schulen zu sparen

Hamburgs Schulen leisten bereits jetzt ihren Beitrag zur Einsparung von Energie, sagt Peter Albrecht, Sprecher der Behörde für Schule und Berufsbildung (BSB) in Hamburg. Ein Absenken von Raum- oder Wassertemperaturen an den Schulen sei derzeit nicht geplant. „Kein Schüler, keine Schülerin soll in der Schule frieren.“

Hamburg investiere seit elf Jahren massiv in seine Schulgebäude. Jährlich würden dafür rund 400 Millionen Euro ausgegeben. Für Neubauten, aber auch für die Sanierung von Bestandsgebäuden. Auf diese Weise werde laut Albrecht der Energieverbrauch kontinuierlich reduziert. „Außerdem werden Schulgebäude sukzessive mit Solardächern ausgestattet, die den erneuerbaren Strom direkt vom Dach in die Klassenzimmer liefern sollen.“

Laut Albrecht verfüge ein Großteil der rund 370 Hamburger Schulstandorte über eine Gasversorgung. Zwar würden rund 110 primär über Fernwärme versorgt, jedoch gebe es auch dort in der Regel einen Gasanschluss, um zum Beispiel Fachräume oder einzelne Gebäude wie Sporthallen zu versorgen. „Insgesamt wurden 2021 rund 249 Millionen kWh Gas und rund 82 Millionen kWh Fernwärme verbraucht“, so Albrecht.

Unabhängig von der aktuellen Situation seien bereits verschiedene Maßnahmen durchgeführt worden, um den Energieverbrauch der Schulen zu senken. „Schulen mit hohem Verbrauch werden beraten, wie sie ihren Betrieb optimieren können, Schulhausmeister zu Stromeinsparmöglichkeiten, zur Heizungsreglung und zum Lüften geschult.“ Wo es möglich sei, werden Photovoltaik und Wärmepumpen eingesetzt, um die Schulen von Preisen und Verfügbarkeit unabhängiger zu machen. Albrecht berichtet zudem von einem gerade laufenden Projekt zur Gebäudeautomatisierung, um zum Beispiel Heizungsanlagen zentral steuern und im Verbrauch optimieren zu können.

Gut angenommen wird von den Schulen laut Albrecht auch das Programm „Energie hoch 4“, ein Prämienmodell, das die Schülerinnen und Schüler für den sparsamen Umgang mit Ressourcen belohnt. So vergleicht das Programm etwa die aktuellen Verbräuche (Wärme, Strom, Wasser, Abfall) jeder Schule mit den Werten des Vorjahres. Wer sich verbessert hat, erhält bis zu 5 Euro pro Schülerin oder Schüler.

Schleswig-Holstein unterstützt Schulen mit fünf Millionen Euro

Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU) hat am 30. September angekündigt, dass das Land die Schulen im Land mit einer Sonderförderung von fünf Millionen Euro unterstützen will. Das Geld ist Teil des 8-Punkte-Entlastungspaktes Energiekrise der Landesregierung. Damit das Angebot an Schwimmunterricht nicht unter den gestiegenen Energiekosten leidet, stellt das Land drei Millionen Euro bereit. Zusätzlich kündigte Prien an, aus dem Unterstützungstopf für die Schulen neben den Schwimmstätten auch CO2-Ampeln und smarte Thermostate zu finanzieren. „Richtiges Lüften und richtiges Heizen sind in diesem Winter besonders wichtig. Einerseits sollen die Klassenräume immer gut gelüftet werden, andererseits wollen wir gemeinsam Energie sparen“, so Prien.  „Wir haben gute Erfahrungen mit der Förderung von CO2-Ampeln gemacht. Aus den bisher gemachten Erfahrungen gehen wir davon aus, dass wir durch diese Förderung gut 12.000 Klassenräume in Schleswig-Holstein mit solchen Geräten ausstatten können“, so die Ministerin weiter. CO2-Ampeln hätten sich nicht nur im Zuge der Corona-Krise als äußert hilfreich bewährt und würden auch von Expertinnen und Experten empfohlen.
Auch die Anschaffung von rund 12.000 smarten Heizungsthermostaten durch die Schulträger werde durch das Land gefördert. Prien weiter: „Energiesparen ist nicht nur durch die Gasknappheit wichtig. Auch wenn wir erreichen konnten, das Schulen als sogenannte geschützte Kunden weiterhin mit Gas beliefert werden, geht es doch darum, so viel wie möglich einzusparen. Dazu kann moderne Steuerungstechnik einen guten Beitrag leisten.“ Die Schulträger werden durch das Bildungsministerium zeitnah über die Förderbedingungen und das Antragsverfahren informiert.